Innenpolitik

Mehr als 1000 Corona-Fälle in Österreich, Steirerin gestorben

Österreich läuft seit Montag im Notbetrieb: Die Bundesregierung hat am Sonntag im Kampf gegen das Coronavirus drastische Maßnahmen ergriffen. Für das ganze Land gilt eine "Ausgangsbeschränkung" - mit wenigen Ausnahmen. Bis Montagmittag wurden bereits mehr als 1000 Infizierte in Österreich gemeldet. Eine Steirerin, Jahrgang 1944, ist in der Nacht auf Montag laut Landessanitätsdirektion Steiermark gestorben.

Die genaue Todesursache bei der mit SARS-CoV-2 infizierten Patientin in der Steiermark ist noch unklar. Das werde noch untersucht, hieß es auf APA-Nachfrage seitens der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes). Welche Vorerkrankungen sie hatte, werde aus Datenschutzgründen nicht bekannt gegeben. Sie starb jedenfalls in einem der für Coronavirus-Patienten bereitgestellten Akutspitäler.

Die Patientin wurde am Freitag in das Krankenhaus eingeliefert. Sie war davor in einem Hartberger Altersheim betreut worden, bei dem am Wochenende bekannt wurde, dass mehrere Bewohner und Mitarbeiter positiv getestet wurden. Das Heim hat 162 Betten und wurde am Wochenende isoliert. Wie viele Patienten noch betroffen sind, war Montag früh noch nicht bekannt. Es sei aber "keine riesige Zahl", sagte Sozialhilfeverbandsobmann Gerald Maier der "Kleinen Zeitung".

Mehr als 1000 Fälle in Österreich bestätigt

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist in Österreich bis Montagvormittag auf mehr als 1000 Fälle angestiegen. Aktuell gebe es 1018 Covid-19-Erkrankungen, sagte Detlef Polay, Sprecher des Einsatzstabs im Innenministerium, der APA. Die meisten bestätigten Fälle von Ansteckungen mit SARS-CoV-2 wurden dem Ministerium aus Tirol gemeldet: Hier stieg die Zahl der beim Gesundheitsministerium eingemeldeten Fälle von 254 (Stand Montag, 8.00 Uhr) auf 294. Aus Niederösterreich wurden 155 Fälle berichtet, in Wien waren es weiterhin 122, in der Steiermark 115, in Oberösterreich 196, in Salzburg 56, im Burgenland 10, in Vorarlberg 60 und in Kärnten 10.

Einen Zuwachs gab es aber auch bei der Zahl der genesenen Patientinnen und Patienten. Sie stieg von bisher sechs auf nunmehr acht - zwei in Tirol, fünf in Wien und eine Person in Niederösterreich.

Die Ärztekammer empfiehlt angesichts der Corona-Krise allen Patienten, nicht dringend notwendige Besuche in Arzt-Ordinationen zu verschieben. Außerdem sollen Patienten nur mit Voranmeldung in die Praxen kommen.

Bundeskanzler Kurz appelliert an die Bevölkerung: "Bleiben Sie Zuhause"

Kurz appellierte eindringlich an alle Österreicher, die verkündeten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus mitzutragen. Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit samt komplettem Veranstaltungsverbot seien "massiv", aber nötig, um Leben zu retten. "Und je mehr Menschen mittun, umso mehr Leben retten wir", sagte Kurz.

Das Coronavirus treffe Österreich und die EU "mit einer unglaublichen Härte", stellte der Kanzler fest - und schilderte die Lage in Italien in aller Deutlichkeit: Das Gesundheitssystem stehe dort vor dem Zusammenbruch, Sterbende müssten sich wegen der Ansteckungsgefahr von ihren Angehörigen am Handy verabschieden, Ärzte müssten entscheiden, wer eine lebensrettende Behandlung bekommt und wer nicht. Das sage er nicht, um "Angst zu machen", betonte Kurz, sondern weil es immer noch Menschen gebe, die beschwichtigen und "die Dinge schönreden".

Die "Ausgangsbeschränkung" gelte für ganz Österreich, hatte Kurz am Vormittag erklärt. Lediglich Berufsarbeit, die nicht aufschiebbar ist, dringend notwendige Besorgungen (Lebensmittel) und Hilfe für andere Menschen seien Gründe, um das Haus zu verlassen. Darüber hinaus sollen auch Spaziergänge gestattet sein, sofern diese allein oder im Familienverbund (Personen, die in einem Haushalt leben) gemacht werden - das Kanzleramt appelliert, dies aber nur in dringenden Fällen zu tun.

Die Ausgangsbeschränkungen im Detail

Bereits zuvor hatte Kurz in einer Sondersitzung des Nationalrats ein Versammlungsverbot und eine weitgehende Einschränkung der Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum angekündigt: "Die Österreicher und Österreicherinnen werden aufgefordert, sich selbst zu isolieren, das bedeutet, soziale Kontakte ausschließlich mit jenen Menschen zu pflegen, mit denen sie zusammenleben." Spielplätze und Parks werden geschlossen.

Ein Sprecher von Minister Rudolf Anschober (Grüne) sprach von "Verkehrsbeschränkungen". "Ausgangsbeschränkungen" seien es eben nicht, betonte er. Denn man darf weiterhin das Haus verlassen - aber unter Auflagen: nur allein oder mit dem/den Menschen, mit dem/denen man zusammenlebt. Und nicht nur ausgehen ist erlaubt, sondern auch eine Radtour oder mit dem Auto fahren. Oder eben - interessant für Großstädter - mit dem Auto oder den Öffis an den Stadtrand fahren, um dort ein wenig spazieren zu gehen, damit etwa den Kindern nicht die Decke auf den Kopf fällt. Wichtig ist nur, dass man anderen Menschen dabei nicht zu nahe kommt: Ein Meter Abstand muss eingehalten werden.

Für Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne) ist es die "vierte Ausnahme", dass sportliche Betätigung für Einzelpersonen in Entfernung von anderen weiter erlaubt ist. Dazu habe man mit dem Koalitionspartner und den Parteien einen Kompromiss gefunden. Es gelte abzuwarten, wie sich diese Regelung in der Praxis auswirke. Gegebenenfalls müsse man noch nachschärfen.

Die Beschränkungen im öffentlichen Raum werden von der Polizei kontrolliert, im Bedarfsfall drohen auch empfindliche Verwaltungsstrafen. Umgesetzt werden sollen die "Verkehrsbeschränkungen" genannten Ausgangsbeschränkungen mittels Erlass des Gesundheitsministers, der noch am Sonntag erwartet wurde - Basis dafür ist das Epidemiegesetz. Dem Erlass folgen dann bundesweit entsprechende Verordnungen durch die Bezirksvertretungsbehörden.

Flugverkehr kommt fast zum Erliegen

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Reisen zwingt Fluggesellschaften weltweit zu drastischen Einschnitten. So stellen die Austrian Airlines am Donnerstag und die Wiener Ryanair-Tochter Laudamotion bereits am Montag ihren regulären Flugbetrieb ein.

Behörden und Ämter im Minimalbetrieb

Die Behörden und Ämter in den Ländern laufen seit Montag ebenfalls im Minimalbetrieb. Der Parteinverkehr wurde überall stark reduziert. Landesbedienstete wurden zum Teil angewiesen zu Hause zu bleiben, Bürgerservicestellen blieben bisweilen überhaupt geschlossen. Auch der Betrieb in den Gerichten wurde auf das Notwendigste beschränkt.

Zivildiener werden gesucht

Zivildiener, die derzeit ihren Dienst versehen, werden dies länger tun müssen, wie die für den Zivildienst zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (beide ÖVP) Sonntagnachmittag erklärten. Zusätzlich sind ehemalige Zivildiener aufgerufen, sich freiwillig für den Dienst in der Coronakrise zu melden - vor allem suche man nach ehemaligen Zivildienern aus den Bereichen Rettung und Pflege. Bei freiwilliger Meldung gibt es dann auch eine gesetzlich festgelegte Entschädigung, die sich am gegenwärtigen Einkommen bemisst.

Infokampagne auch für Migranten

Das Integrationsministerium und der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) dehnen die Info-Kampagne zum neuen Coronavirus für Menschen mit Migrationshintergrund aus. Neben den Informationen in elf Sprachen arbeite man an Erklärvideos. Zudem sollen tausende Info-SMS direkt an in Österreich lebende Menschen mit Migrationshintergrund verschickt werden.

Quelle: APA

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