Chronik

Im Pongau acht Schafe gerissen: "Wir müssen den Wolf bejagen"

Binnen 48 Stunden wurden bei zwei Höfen in Nähe von Wohngebieten Schafe getötet. Vieles deutet auf Wolfsattacken hin. Landesrat Schwaiger fordert von der EU "endlich eine Bejagungserlaubnis".

Symbolbild.  SN/99112303
Symbolbild.

Auch wenn die Ergebnisse der DNA-Untersuchung noch nicht vorliegen: Experten halten es für wahrscheinlich, dass es ein Wolf war, der zuerst in der Nacht auf Sonntag in Pfarrwerfen und dann in der Nacht auf Dienstag in Tenneck insgesamt acht Schafe riss. Fünf der Tiere wurden tot aufgefunden, drei mussten wegen ihrer massiven Verletzungen geschlachtet werden.

Für die zwei betroffenen Landwirte, "Arlbauer" Christian Kronreif aus Pfarrwerfen sowie Hubert Stock aus dem nahen Tenneck, bot sich jeweils ein Bild des Grauens. Gleich direkt neben ihren Höfen, auf den eingezäunten Weiden, lagen die teils zerfetzten Schafe. Kronreif: "Ich hab Sonntag früh aus dem Fenster geschaut. Da sehe ich ein Schaf mit komplett aufgebissenem Schenkel. Und dann sehe ich den Widder - tot." Gleich sechs Schafe wurden nur 48 Stunden später und nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt auf dem Hof von Hubert Stock gerissen.

Landesjägermeister Max Mayr Melnhof war Dienstag vor Ort in Tenneck: "Als ich die zerfetzten Schafe sah, hatte ich gleich die Vermutung, dass es ein Wolf war. Und gleich eine gewisse Sorge: Der Hof ist nur 100 Meter von Wohnhäusern weg." Laut Gundi Habenicht, Wolfsbeauftragte des Landes, seien vor allem "das gezielte Tötungsbild und die sehr starken Bisse beim Vorfall in Pfarrwerfen typisch für Attacken eines Wolfs oder eines sehr großen Hundes. Einer der gerissenen Widder wog 110 Kilogramm." Ob Wolf, Hund oder anderes Tier als Täter - die DNA-Analyse soll laut Habenicht Klarheit bringen: "Bis diese vorliegt, dauert es aber in der Regel mindestens eine Woche."

Landesjägermeister Max Mayr Melnhof (li.) und der betroffene Tennecker Jungbauer Hubert Stock vor einem von insgesamt sechs gerissenen Schafen.  SN/mayr melnhof
Landesjägermeister Max Mayr Melnhof (li.) und der betroffene Tennecker Jungbauer Hubert Stock vor einem von insgesamt sechs gerissenen Schafen.


Sollte sich die Vermutung bestätigen, dass es ein Wolf war, dann gebe es laut Agrar-Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) "jetzt eine neue Situation: Ein Wolfsangriff in unmittelbarer Nähe zu Wohnsiedlungen. Das ist untragbar." Nachsatz: "Wir müssen den besonderen Schutz, den der Wolf genießt, neu überdenken. Und handeln." Konkret kündigt Schwaiger an, "der EU demnächst ein intensives Schreiben zu schicken. Darin fordern wir die Erlaubnis, bei uns in Einzelfällen Wölfe bejagen zu dürfen." Salzburg sei ein Land mit viel Weide- und Almwirtschaft und starkem Tourismus: "Die Forderung der Bauern, den Wolf zu bejagen, ist zutiefst verständlich. Zudem haben wir viele Wanderer. Und: Wer kann garantieren, dass nicht bald auch ein Mensch von einem Wolf angegriffen wird?" Auch Bernhard Weiß, Bürgermeister von Pfarrwerfen, ist in Sorge: "Im Ort herrscht Unruhe. Der Hof vom Arlbauer ist fast schon im Tal herunten. Die Bauern können doch jetzt nicht ständig ihre Tiere im Stall eingesperrt lassen."

Den besagten Brief an die EU-Kommission will Schwaiger unter anderem mit Bayern, Baden-Württemberg, Slowenien und Südtirol abstimmen: "Die wollen auch eine Bejagungserlaubnis."

Bereits in der Nacht auf Sonntag wurden auf einer Weide des Pfarrwerfener Landwirts Landwirt Christian Kronreif zwei Schafe gerissen.  SN/lw
Bereits in der Nacht auf Sonntag wurden auf einer Weide des Pfarrwerfener Landwirts Landwirt Christian Kronreif zwei Schafe gerissen.

Tatsache ist: Die EU schützt den Wolf im Anhang IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie bisher streng vor einem Abschuss. Ziel Schwaigers ist es, den Wolf aus dem Anhang IV, dem höchsten Schutzstatus, in den Anhang V zu bringen, der Ausnahmegenehmigungen zur Bejagung ermöglicht.

Dezidiert gegen eine Bejagung spricht sich hingegen Landesumweltanwalt Wolfgang Wiener aus: "Man muss sich die Relation ansehen. Wie viele Wölfe sind unterwegs und welchen Schaden richten sie an? Sie sind weiterhin sehr selten - obwohl sie in ganz Europa geschützt sind. Derzeit sehe ich überhaupt keinen Druck, den Wolf zu bejagen. Die Schäden, die er verursacht, sind im Vergleich zu anderen Räubern zu vernachlässigen. Wildernde Hunde richten da bei Weitem mehr Schäden an."

Landesjägermeister Mayr Melnhof im SN-Interview: "Angriffe weisen klar auf Wolf hin"

Der Salzburger Landesjägermeister begutachtete am Dienstagvormittag das Massaker, das vermutlich ein Wolf auf dem Hof von Hubert Stock anrichtet hat.

Trauen Sie einem Hund so etwas zu?
Max Mayr Melnhof: Dass er Schafe reißt grundsätzlich schon. Aber im konkreten Fall, vom Spurenbild und den Unständen her, gehe ich stark von einem Wolf aus. Allein in Tenneck wurden sechs Schafe mit extremer Kraft teils zerfetzt. Außerdem haben wir zwei ähnlich gelagerte Vorfälle binnen 48 Stunden in zwei Orten, die doch einige Kilometer voneinander entfernt sind. Ein Hund zieht nicht solche Kreise.

Glauben Sie, dass bald weitere Attacken folgen?
Ja, ich geht davon aus, dass weitere Schafe gerissen werden. Der Wolf ist ein reiner Lusttöter.

Wie steht die Jägerschaft zur Forderung von Landesrat Schwaiger nach einer Ausnahmegenehmigung zur Bejagung von Wölfen?
Wir unterstützen das. Der Wolf wirbelt unsere Kulturlandschaft durcheinander. Bei uns hat er keinen geeigneten Lebensraum.

Aufgerufen am 20.05.2022 um 05:30 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/im-pongau-acht-schafe-gerissen-wir-muessen-den-wolf-bejagen-27397327

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