Chronik

Jetzt schaufeln: Tonnenschwerer Schnee liegt auf Salzburgs Dächern

Die Schneelasten auf Gebäuden steigen. Hausbesitzer müssen dafür sorgen, dass ihre Gebäude sicher sind.

Am Freitag legte Frau Holle eine Pause ein. Die Meteorologen geben allerdings noch keine Entwarnung: Bis Dienstag werden noch weitere Niederschläge erwartet. Durch die Schnee- und Regenmengen werden die Schneelasten auf den Gebäuden steigen. "Auf Gebäuden, die nach der aktuellen Norm gebaut sind, liegt die Schneelast derzeit bei 30 bis 40 Prozent der Normschneelasten. Bis Dienstag dürften es dann 50 bis 60 Prozent, vereinzelt bis 80 Prozent sein", heißt es bei der ZAMG. Anders ist die Situation bei Gebäuden, die im Zeitraum 1983 bis 2006 gebaut wurden. Hier können die Normlasten in den schneereichen Regionen überschritten werden. Speziell bei Flachdächern und Hallen ist Vorsicht geboten. In Thalgau stürzte am Freitag bereits ein Firmendach unter der Schneelast ein.

Hauseigentümer zu sein bringt in schneereichen Wintern so manche zum Schwitzen. Denn statt gemütlich am prasselnden Kamin zu sitzen, müssen sie eigenhändig für die Sicherheit rund um ihr Heim sorgen. Mit Schnee schaufeln, Rollsplitt und Warnschildern. Was wann wo Pflicht ist.

Wetterfenster zum Schneeschaufeln nützen

Markus Kurcz, Einsatzleiter des Landesstabes, rät: "Jetzt in der niederschlagsarmen Phase sollte die Zeit unbedingt weiter genützt werden, die Dächer von der Schneelast zu befreien." Dabei dürfe aber die Unfallgefahr nicht unterschätzt werden. "In erster Linie sollte man Experten dazu heranziehen und sich an örtliche Betriebe wie Zimmerer, Spengler oder Dachdecker wenden. Die Feuerwehr ist nicht dazu da." Wenn man dennoch selber zur Schaufel greifen muss, dann sollten alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um ein Abstürzen zu verhindern.

Wieviel Gewicht auf einem Hausdach lasten kann, beschreibt Michael Butschek vom Salzburger Lawinenwarndienst mit folgenden Richtwerten: "Frischer Schnee bringt pro Kubikmeter 100 Kilogramm, Triebschnee 300 Kilogramm und gesetzter Schnee 500 bis 600 Kilogramm auf die Waage." Sprich: Auf so einem Dach können jetzt schon Tonnen an Gewicht liegen, und es kommt noch mehr dazu.

Stadt Salzburg misst Schneelast bei öffentlichen Gebäuden

"Wenn die Möglichkeit besteht, kann auch ein Statiker beurteilen, wieviel Gewicht tatsächlich auf dem Dach lastet und ob ein Abschaufeln überhaupt nötig ist", so Harald Schlosser, Zivilingenieur für Bauwesen in Zell am See.
Um die Sicherheit zu gewährleisten, lässt die Stadt Salzburg derzeit täglich die Schneelast auf den Dächern öffentlicher Gebäude, in denen Publikumsveranstaltungen stattfinden, messen. Ein Beispiel dafür ist die Eisarena im Volksgarten.

Schwerer Schnee gefährdet Bäume

Unter der Schneelast knicken auch immer wieder Bäume um. An stärksten betroffen sind immergrüne Nadelhölzer wie Fichte, Tanne, Rotkiefer oder Zirbe. "Die Oberfläche zur Schneeablagerung ist deutlich größer als auf Bäumen ohne Laub. Gefährdungen können bei anderen Bäumen durch Schneelasten an weit ausladenden Ästen auftreten. Hier besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Ast bricht, aber der Baum nicht knickt", so Landesforstdirektor Michael Mitter.

Die umgestürzten Bäume haben immer wieder Straßensperren zur Folge. Der Halleiner Bezirksförster Thomas Wolfschütz ist derzeit beim Rengerberg in Bad Vigaun gefordert. "Die Gefahr an der Gemeindestraße ist sehr groß. In vielen Bereichen hängen Äste weit in die Fahrbahn hinein, insbesondere von Laubbäumen. Sie können jederzeit abbrechen und auf die Fahrbahn fallen. An mehreren Stellen drohen auch ganze Fichten auf die Straße umzuknicken. Ein Teil ist aufgrund zahlreicher umgefallener Bäume überhaupt nicht passierbar."

Momentan sei ein Aufenthalt im Wald generell nicht anzuraten, sagt Wolfschütz. Schon der herabfallende Schnee wirke wie eine Dachlawine. "Die Situation von Bäumen und Alleen im verbauten Gebiet an Straßen und Gehwegen muss regelmäßig kontrolliert werden. Bei Gefahr wird gesperrt." An besonders neuralgischen Stellen neben Hauptverkehrsstraßen kommt das "Downwashing" zum Einsatz. Ein Hubschrauber versucht dabei, die Bäume durch den Luftwirbel der Rotorenblätter freizufegen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.08.2019 um 02:04 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/jetzt-schaufeln-tonnenschwerer-schnee-liegt-auf-salzburgs-daechern-63921538

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