Politik

Bayern könnte Ausweichverkehr nach Salzburg zurückschicken

Auf deutscher Seite wurden Vorkehrungen getroffen, falls der Ausweichverkehr doch über Berchtesgaden umgeleitet werden sollte.

Vor wenigen Tagen wurde beim Grenzübergang Hangendenstein (Gemeinde Grödig) eigens ein Umkehrplatz asphaltiert. SN/robert ratzer
Vor wenigen Tagen wurde beim Grenzübergang Hangendenstein (Gemeinde Grödig) eigens ein Umkehrplatz asphaltiert.

Die kommenden Reisewochenenden sind nicht nur für das Salzburger Straßennetz ein Stresstest. Sie sind auch eine Belastungsprobe für die nachbarschaftlichen Beziehungen mit Bayern. Zur Erinnerung: Die Ankündigung aus Salzburg, im Falle von Grenzstaus den Ausweichverkehr gezielt vom Knoten Salzburg-Süd über Berchtesgaden und Bad Reichenhall bzw. Inzell umzuleiten, hatte in den betroffenen bayerischen Gemeinden für einen Aufschrei gesorgt. Auslöser der verkehrspolitischen Drohgebärde war die dritte Kontrollspur am Autobahngrenzübergang Walserberg, die nicht wie von deutscher Seite versprochen noch vor dem Sommer errichtet wurde.

Kürzlich wurde der Streit mit einem "Pakt" beigelegt: Die Grenzkontrollen sollen so gestaltet werden, dass erst gar keine großen Staus entstehen. Zudem kommt Ende Juli doch eine provisorische dritte Spur. Salzburgs Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) ruderte im Gegenzug zurück: Auf die Umleitung über Berchtesgaden wird verzichtet.

Trotz der Ankündigung aus Salzburg haben die Bayern nun im Hintergrund Vorkehrungen getroffen, sollte die Zusage nicht eingehalten werden: "Wir würden die Autofahrer abfangen und zurückschicken", kündigt der Bad Reichenhaller Landrat Georg Grabner (CSU) an. Er habe eine entsprechende verkehrsrechtliche Anordnung erlassen, dass bayerische Polizisten unmittelbar nach der Grenze Autofahrer wieder nach Österreich rückleiten.

Dafür wurde vor wenigen Tagen nach Hangendenstein (Gemeinde Grödig) eigens ein Umkehrplatz asphaltiert. Dort, wo früher das Grenzgebäude gestanden ist. Grabner betont, dass die Errichtung der Wendeschleife eine reine Vorsichtsmaßnahme sei - "nur für den Fall, dass aktiv abgeleitet und der Verkehr über Berchtesgaden geschickt würde." Er hoffe jedenfalls "dass da keiner drüberfahren muss".

Vertraut der Landrat nicht auf die Zusage Schnölls, den Verkehr doch nicht über Berchtesgaden umzuleiten? Grabner dementiert. "Das hat nichts mit einem Misstrauen gegenüber der Salzburger Landesregierung zu tun." Ihn habe lediglich die Ankündigung der Maßnahme "auf den Plan gerufen". Denn auf dem Abschnitt gebe es derzeit viele Baustellen. Mit der Umleitung der Stauflüchtlinge über Berchtesgaden "würde bei uns der Verkehr komplett zusammenbrechen". Dem habe er nicht tatenlos zusehen können, meint der Landrat.

Ab Samstag wird es jedenfalls auf der Tauernautobahn (A10) ernst: An den kommenden sechs Wochenende treten von 6 bis 20 Uhr Sperren sämtlicher Abfahrten zwischen Puch und St. Michael in Kraft - ausgenommen für den Zielverkehr. So sollen die Anrainergemeinden entlastet werden, durch die sich der Umgehungsverkehr wälzt, sobald es auf der A10 staut.

In Pfarrwerfen ist Bürgermeister Bernhard Weiß (ÖVP) zuversichtlich, dass die Verbote wirken. "Im letzten Jahr ist es echt eskaliert", erinnert sich der Ortschef. "Die Navis haben die Autos auch ins Ortszentrum gleitet, sogar auf Güterwege." Sollten sich Urlauber im Rückreiseverkehr nicht an die Regelung halten, hofft Weiß auf die Polizei. "Ich habe die Zusage vom Landesrat, dass in Pfarrwerfen verstärkt kontrolliert wird."

Halleins Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) zeigt sich hingegen abwartend. Zwar sei die Sperre der A10-Abfahrten für den Umgehungsverkehr "besser als nichts", aber: "Ich bin nicht hundertprozentig überzeugt, dass das die richtige Maßnahme ist", meint Stangassinger. "Ich habe von Anfang an die Variante bevorzugt, dass man sofort nach dem Walserberg eine Blockabfertigung macht." Zweifel meldet der Bürgermeister auch daran an, ob die Regelung überwacht werden könne. "Das bringt nur etwas, wenn kontrolliert wird. Ich frage mich, ob die Polizei genügend Personal hat."

"Die Polizei soll dort kontrollieren, wo der Hut brennt", sagt Christoph Bayrhammer, Sprecher von Landesrat Schnöll. Und das werde sicher nicht an allen Abfahrten gleichzeitig der Fall sein. Auch der Forderung des Halleiner Bürgermeisters nach einer Blockabfertigung erteilt Bayrhammer eine Absage. Das sei kurzfristig nicht umsetzbar. "Wir haben keine Rechtsgrundlage, dass wir blocken. Dann haben wir erst recht wieder einen Ausweichverkehr." Zudem soll offenbar das Verhältnis mit den Nachbarn nicht neuerlich auf die Probe gestellt werden, denn: "Das würde die Bayern massiv ärgern."

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