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Wie Salzburg den Ukrainern helfen will - Flüchtlinge trafen per Flugzeug ein

Ein Ankunftszentrum soll beim Messezentrum eingerichtet werden. Bisher haben sich 80 private Quartiergeber bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen. Die ersten bei einem Ägyptenurlaub gestrandeten Ukrainer trafen unterdessen Donnerstagabend in Salzburg ein.

Ein Mitarbeiter der ukrainischen Pfarrgemeinde beim Sortieren der Hilfsgüter.  SN/robert ratzer
Ein Mitarbeiter der ukrainischen Pfarrgemeinde beim Sortieren der Hilfsgüter.

Noch treffen die Anfragen nach Quartieren für ukrainische Flüchtlinge nur "tröpferlweise" bei Caritas-Flüchtlingskoordinatorin Gerlinde Hörl ein. Für Montag wurde ihr etwa über die Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen die Ankunft einer siebenköpfigen Familie angekündigt.

Die Geflüchteten hätten strapaziöse Tage hinter sich. Wegen der langen Warteschlangen an der Grenze zwischen der Ukraine und den Nachbarstaaten dauere die Reise bis nach Österreich oft zwei Tage, schildert Martin Panosch, der Honorarkonsul für die Ukraine. Vor allem bei der Ausreise aus der Ukraine komme es zu Wartezeiten, weil die dortigen Behörden genau überprüfen, dass keine Männer im wehrfähigen Alter ausreisen.

Bis Donnerstag wurden zehn ukrainische Staatsbürger in ein Asylquartier in Salzburg übernommen. Derzeit werden rund 1350 Personen in der Grundversorgung in Salzburg betreut. Weil darunter auch tschetschenische und russische Flüchtlinge sind, achte man nun darauf, dass neu ankommende Flüchtlinge aus der Ukraine in anderen Unterkünften unterkommen. Parallel dazu sei knapp ein Dutzend Ukrainer privat bei Freunden oder Bekannten in Salzburg untergekommen, schildert Gerhard Feichtner aus dem Büro von Sozialreferent Landeshauptmann-Stv. Heinrich Schellhorn (Grüne).

Urlaub endete in Flucht vor dem Krieg

Am Donnerstagabend landeten bereits kurz nach 21 Uhr 81 gestrandete ukrainische Urlauber mit einer Eurowings Maschine am Salzburger Flughafen. Die Touristen wurden im Zuge einer koordinierten Rückholaktion vom Reiseanbieter ETI und Eurowings durchgeführt. Im Flieger nach Salzburg waren noch 81 Plätze frei und diese wurden mit den in Hurghada gestrandeten ukrainischen Urlaubern belegt.

Nach der Ankunft in Salzburg wurden die Männer, Frauen und Kinder registriert und einem Corona-Schnelltest unterzogen. Nach gut zwei Stunden Wartezeit wurden 65 Ukrainer mit Bussen in eine Notunterkunft des Bundes nach Mondsee gebracht. 16 Personen traten die Reise auf eigene Faust an. Flughafenmitarbeiter, das Bundesheer, Polizei, Rotes Kreuz und freiwillige Dolmetscher betreuten die Menschen.

Erstanlaufstelle soll eingerichtet werden

Welche Perspektiven die Betroffenen mittel- und langfristig in Salzburg erwarten, war am Donnerstagabend Thema einer Sitzung, zu der Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) die zuständigen Regierungsmitglieder und NGOs geladen hatte. Weil sie unbürokratisch Schutz für zumindest ein Jahr sowie Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten sollen, werden Integrationsmaßnahmen notwendig sein.

Dabei geht es um Deutschkurse, die Einschulung von Kindern sowie Fragen der Kinderbetreuung, da es sich bei den Flüchtlingen in erster Linie um Frauen und Kinder handeln wird.

Am Freitag soll entschieden werden, wo nun möglichst rasch eine Erstanlaufstelle samt Ausrast- und Schlafmöglichkeiten für neu eintreffende Flüchtlinge eingerichtet werden soll. Im Gespräch ist das Messezentrum. Ukrainische Flüchtlinge sollen dort Feldbetten, Sanitäranlagen und eine Notverpflegung zur Verfügung gestellt werden. Neben der rechtlichen Erstabklärung und der Registrierung der Flüchtlinge sollen dort auch medizinische Fragen geklärt und Covidtests durchgeführt werden.

Den Planungsauftrag für die Erstanlaufstelle hat das Rote Kreuz erhalten. Für die langfristige Unterbringung ist das Sozialressort des Landes gerade dabei, eine Liste mit Quartieren zu erstellen. Derzeit hätten sich zwölf Hotels und Jugendheime dazu bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen, schildert Gerhard Feichtner. Die Bandbreite reiche dabei von wenigen, kurzfristigen und kostenlosen Zimmern bis zu längerfristigen Quartieren und ganzen Häusern. Zudem hätten sich 80 private Quartiergeber gefunden. Des Weiteren habe die Bundesagentur die Aktion Nachbarschaftsquartier ins Leben gerufen. "Das muss man jetzt alles abklären", sagt Feichtner.

In St. Markus werden Hilfsgüter gesammelt

Bei der ukrainischen Pfarrgemeinde St. Markus ist man darum bemüht, möglichst schnell Hilfsgüter in die Ukraine zu bringen. Bereits am Mittwoch habe man einen Lkw losgeschickt, der noch nicht ganz voll war, weil so dringend Material benötigt würde, sagt Ivan Machynski, der bei der Organisation mithilft. Jetzt wird weiter medizinisches Material wie Verbände oder Spritzen gesammelt.

Auch bei der Caritas Salzburg ist die Ukraine-Hilfe voll angelaufen. "Wir sind zusammen mit den Pfarren und Gemeinden auf Quartiersuche", sagt Caritas-Sprecher Johannes Niederbrucker. Und: Kleidung, Decken und Schlafsäcke nehme man immer an. Sie werden über die Caritas Wien an die Aufnahmelager an den Grenzübergängen zur Ukraine weitertransportiert. Daneben würden Babynahrung, Windeln und Feuchttücher sowie Damenhygieneartikel benötigt. Und: Für die Flüchtlinge, die in Salzburg Quartier beziehen, sollen Lebensmittelstartpakete geschnürt werden.

Flüchtende in Freilassing angekommen

Am Bahnhof in Freilassing seien unterdessen erste größere Gruppen von Flüchtlingen aus der Ukraine angekommen. Diese müssten jedoch bei ihrer Einreise nach Deutschland registriert werden, sagt eine Sprecherin des Landratsamts Berchtesgaden. "Die meisten kommen mit Zügen über die Grenze und werden von der Bundespolizei in Freilassing oder Rosenheim kontrolliert." Anschließend würden die Flüchtlinge in größere Aufnahmezentren in München und Ingolstadt gebracht. Wie viele Ukrainerinnen und Ukrainer in den vergangenen Tagen genau an der Grenze registriert wurden, konnte man im Präsidium der Bundespolizei auf SN-Anfrage am Donnerstag nicht beantworten.

Die öffentlichen Verkehrsmittel, darunter auch die Züge der ÖBB, können Kriegsflüchtlinge gratis benutzen. Ukrainer, die mit dem Auto nach Österreich flüchten, seien zudem von der Maut befreit, heißt es von der Asfinag. Das gilt auch für humanitäre Hilfstransporte in die Ukraine.

So können Sie helfen:

Die Caritas Salzburg hat eine Telefon-Hotline eingerichtet für Menschen,
die helfen wollen: 0517607777. Anfragen können auch per E-Mail an
hilfe.ukraine@caritas-salzburg.AT gestellt werden.

Am Samstag wird es in Salzburg eine Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine geben. Organisiert wird diese von der ukrainischen Gemeinde - gemeinsam mit der Plattform Menschenrechte, der Organisation Solidarisches Salzburg und dem Friedensbüro. Treffpunkt ist um 14 Uhr vor der Markuskirche am Ursulinenplatz.

Wer kein eigenes Hotel hat, aber eine kostenlose Unterkunft zur Verfügung stellen will, kann sich an die Bundesagentur für Betreuung- und Unterstützungsleistungen wenden. Online unter www.bbu.gv.at

Die Caritas Salzburg hat eine Telefon-Hotline eingerichtet für Menschen, die helfen wollen: 0517607777. Anfragen können auch per E-Mail an hilfe.ukraine@caritas-salzburg gestellt werden.

Aufgerufen am 20.05.2022 um 09:32 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wie-salzburg-den-ukrainern-helfen-will-fluechtlinge-trafen-per-flugzeug-ein-117910783

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