Österreichische Motorradgeschichte im fahrtraum Mattsee

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Dieser Artikel berichtet über die Ausstellung "Österreichische Motorradgeschichte".
Einen Artikel über die Ausstellungseröffnung findet du unter Österreichische Motorradgeschichte im fahrtraum Mattsee Ausstellungseröffnung
Motorrad Classic im fahr(T)raum Mattsee, 4:01 min Video
Karte
historische österreichische Motorradmarken am Podium
die HMW (Halleiner Motorenwerk) Mopeds, HMW Supersport 50 cm³, Baujahr 1957, HMW 50 Z, Baujahr 1954 und eine Foxinette, Baujahr 1952
links eine „Austria“ 350 cm³, mit Alurahmen, Baujahr 1931, daneben eine D.S.H. 600 cm³, Baujahr 1927

Österreichische Motorradgeschichte war der Titel der zweiten Sonderschau in den Ferdinand Porsche Erlebniswelten fahr(T)raum in der Flachgauer Marktgemeinde Mattsee, die vom 1. Oktober 2017 bis 28. Februar 2018 zu sehen war.

Die Erfolgsgeschichte der österreichischen Motorradmarken

Motorradmarken wie Laurin & Klement, Bock & Hollender, Austro Harlrette, Delta-Gnom oder HMW (Halleiner Motorenwerk) kamen und verschwanden wieder. Geblieben sind die Marken Puch, 1899 gegründet von Johann Puch und - Kronreif Trunkenpolz Mattighofen, Trunkenpolz – KTM, die bereits 1951 mit der Produktion eines Leichtmotorrades begonnen hatte.

1905 gewann der Österreicher Václav Vondřich bei der zweiten Motorradsportveranstaltung in Europa, in Frankreich, dem „Coupe Internationale“, mit dem österreichischen Motorrad der Marke „Laurin & Klement“. Ein Jahr später gewann beim dritten „Coupe Internationale“, der in Patzau in k. u. k. Böhmen stattfand, wieder ein Österreicher: Eduard Nikodem auf Puch.

In den 1920er-Jahren war das Puch Modell 220 der Verkaufsschlager – 12 000 Stück wurden in drei Jahren verkauft. Mit der „KTM Moser“ war 1953 auf der Wiener Frühjahrsmesse die Geburtsstunde der Erfolgsgeschichte des Mattighofener Motorenwerks. Der Techniker Hans Trunkenpolz und der Marketing-Experte Ernst Kronreif bewiesen mit Aktionen wie einer Vergleichsfahrt zwischen dem Arlberg-Express und KTM-Kleinmotorrädern auf der Strecke von Paris nach Wien die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit von KTM.

Schon seit 1949 produzierte das Halleiner Motorenwerk (HMW) Fahrräder mit Hilfsmotoren und Mopeds. In Wien brachten die Lohnerwerke ebenso wie KTM in den 1950er-Jahren Motorroller auf den Markt.

Nachdem das „Motorrad des kleinen Mannes“ und Fahrräder Anfang der 1960er Jahre vom erschwinglichen Automobil abgelöst wurden, erlebten die österreichischen Motorradmarken einen Einbruch und kämpften ums Überleben. Mit dem ersten Motocross-Weltmeistertitel von KTM im Jahr 1974 durch den Russen Gennadij Moiseev begann dann der neuerliche Aufstieg der Innviertler Motorenmarke, die später zu Siegen bei der härtesten Rallye der Welt, der Rallye Paris-Dakar, führte.

Max Reisch und seine Sahara Puch

die "Sahara-Puch" 250 cm³, Baujahr 1929, mit der Prof. Dr. Max Reisch 1932 zusammen mit Nürnberger Alfred Schricker Nordafrika durchquerte.

Prof. Dr. Max Reisch (* 2. Oktober 1912 in Kufstein; † 18. Jänner 1985 ebenda) war ein österreichischer Reiseschriftsteller, Geograf, Journalist und Orientfachmann. Sein Bruder Hans Friedrich war der Gründer der „SPAR Österreich AG“.

Die Sahara-Reise 1932

Schon sein Vater Hans August war 1905 und 1906 mit einem Motorrad der Marke „Puch Type B“ in Oberitalien auf Reisen gegangen und berichtete darüber in einer deutschen Motorradzeitung.

Anfang der 1930er Jahre studierte Max Reisch in Wien. So kam es, dass er im Sommer 1932 in den Monaten der größten Hitze Nordafrika bereiste. Zusammen mit dem Münchner Alfred Schricker fuhr er auf einer Puch 250 cm³, Baujahr 1929, von Wien über Spanien nach Nordafrika. Von Westen nach Osten, von Algier bis Tripolis führte diese Reise. Von Algier unternahmen die beiden einen Abstecher nach Süden tief in die Sahara. Bis Tripolis hatten die beiden bereits 3 000 km im Sattel der Puch verbracht. Von Tripolis ging es per Schiff nach Syracusa auf Sizilien in Italien und von dort am Landweg wieder nach Österreich zurück.

eine Puch 6/7 (= 6/7 PS), Baujahr 1907/08 und die "Sahara-Puch" 250 cm³ von Max Reisch

Das erste österreichische Motorrad in Afrika

Die beiden fuhren durch die weiten Ebenen mit Salzseen, über Sandböden, durch Flussläufe und Geröllfeldern. Wenn die Pferde der Araber aufgrund des Motorenlärms scheuten, gab es brenzlige Situationen; sie schliefen im Zelt, manchmal auch Hotels, deren Betten die Heimat von Wanzen war. In der größten Oase der Sahara, die sich über rund 20 Kilometer Länge erstreckte, fanden sie sogar eine Shell-Tankstelle. An einer Grenzstelle berechnete das Amtsorgan die Ausreisesteuer nach Größe und Umfang der Reifen am Motorrad. In Melilla, der spanischen Enklave an der nordafrikanischen Mittelmeerküste, nahm Reisch an einem Motorradrennen teil. Die lokale Zeitung berichtete über das Rennen, bei dem "Señor Puch (sprich Putsch) aus Austria" den zweiten Platz belegte. Den Namen Reisch hatte man sich nicht gemerkt, wohl aber Puch.

Reisch hatte mit seiner Reise 1932 bewiesen, dass man mit einem ganz normalen Puch 250 cm³ Motorrad, das seinerzeit drei Jahre alt war und gebraucht 650 Schilling kostete, ohne Probleme weite Reisen unternehmen konnte. Eben in die Sahara, bei +50° Hitze und mit 200 kg Beladung! Es war das erste österreichische Motorrad in Afrika gewesen.

Ausstellungsobjekte

Die Ausstellung wurde von Ingrid Weydemann MAS kuratiert, Texte und Bilder stammten von Peter Krackowizer aus dem Motorrad-Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer. Folgende Vehikel sind in der Ausstellung zu sehen:

lfd. Nr. Baujahr Type Technische Daten Anmerkung Leihgeber
1 1954 KTM Tourist Zweitakt-Motor, 125 cm³, Einzylinder; 6,1 PS mit Skiträger Heinrich Schuberg
2 1954 KTM Tourist Zweitakt-Motor, 125 cm³, Einzylinder; 6,1 PS Sepp Maier
3 1958 KTM Tarzan Zweitakt-Motor, 125 cm³, Einzylinder; 7,5 PS Gerhard Angerer
4 1959 KTM Mirabell Roller Zweitakt-Motor, 124 cm³, Einzylinder; 6,1 PS Kriminalinspektor Hans Landauer fuhr mit so einem Modell von Wien zum Nordkap in Norwegen und zurück nach Griechenland, wo er die Meteora-Klöster und Athen besuchte. Nach elfeinhalb Tagen, 276 Fahrstunden und 10 837 Kilometern war er wieder in Wien zurück Ernst Kronreif Sohn
5 1959 KTM Mustang Zweitakt-Motor, 124 cm³, Einzylinder, 9 PS es war die Maschine, mit der Erwin Lechner österreichischer Staatsmeister wurde KTM Sportmotorcycle GmbH, Mattighofen
6 1984 KTM Motocross 497,5 cm³ Werksmaschine des Weltmeisters Heinz Kinigadner KTM Sportmotorcycle GmbH, Mattighofen
7 2008 KTM FRR 125 GP 6-Gang, 124,8 cm³, 55 PS Werksrennmaschine KTM Sportmotorcycle GmbH, Mattighofen
8 2009 KTM 690 Rally 6-Gang, 654 cm³, 74 PS Rallye Paris-Dakar-Werksmaschine für den Sieger Cyril Despres KTM Sportmotorcycle GmbH, Mattighofen
9 1908 Puch 6/7 Viertakt-Motor, 770 cm³, Zweizylinder; 7 PS Schnüffelventil wird nachgetragen
10 1925 Puch Austro Harlette Zweitakt-Motor, 175 cm³, Einzylinder; 3 PS Ferdinand Kranawetvogl
12 1928 Puch Jap 500 Viertakt-Motor, 4980 cm³, Einzylinder; 12 PS Johann Unterleitner
13 1928 "Sahara" Puch 250 Zweitakt-Motor, 250 cm³, Einzylinder, 6 PS 1932 fuhr damit Max Reisch durch Nordafrika, es war das erste österreichische Motorrad überhaupt in Afrika Reisch-Museum Bozen, DI arch. Peter Reisch
11 1936 Puch 800 Viertakt-Motor, 800 cm³, vier Zylinder; 20 PS Hubert Riedlmeier
14 1938 Puch Styriette Zweitakt-Motor, 60 cm³, Einzylinder; 1,35 PS Johann Unterleitner
15 1953 Puch 250 SGS Zweitakt-Motor, 250 cm³, Einzylinder; 16,5 PS Sepp Maier
16 1956 Puch 250 SGA mit Elektroantrieb, Zweitakt-Motor, 250 cm³, Einzylinder; 14 PS das Ausstellungsfahrzeug war mit Transportbeiwagen
mit Werkzeug, beim ÖAMTC als „Gelber Engel" im Einsatz
Josef Glechner
17 1968 Puch MS 50 Automatik Zweitakt-Motor, 49 cm³, Einzylinder, 1,85 PS umgangssprachlich "Postler-Moped", "Maurerbock" oder
"Stangelpuch" (wegen des Mittelrohrs des Rahmen) genannt
Hermann Rager
18 1974 Puch 175 MCS Zweitakt-Motor, 169 cm³, Einzylinder; 21 PS Walter Leitgeb wurde mit dieser Maschine 1969 Gelände-Europameister Wolfgang Gassner
19 1950 HMW Fahrrad Zweitakt-Motor, 38 cm³, Einzylinder, 1 PS Damenfahrrad mit HMW Fuchs-Hilfsmotor Sepp Maier
20 1952 HMW Foxinette Zweitakt-Motor, 38 cm³, Einzylinder, 1 PS es war dies das erste österreichische Moped nach dem dem Zweiten Weltkrieg Johann Rath
21 1954 HMW 50 Z Zweitakt-Motor, 50 cm³, Einzylinder, 2 PS Johann Hackelsberger
22 1957 HMW Wiesel Zweitakt-Motor, 75 cm³, Einzylinder, 3,9 PS davon wurden nur 394 Stück gebaut Sepp Maier
23 1957 HMW Supersport Zweitakt-Motor, 50 cm³, Einzylinder, 2,2 PS Beiname "Schlurfrakete" Herbert Schoßleitner
24 1906 Bock und Holender 7 Viertakt-Motor SV, 813 cm³, Zweizylinder; 7 PS wurde von 1904 bis 1911 in Wien gefertigt Alfons Meier
25 1906 Laurin & Klement L70 Viertakt-Motor SV, 502 cm³, Einzylinder; 3,5 PS mit geflochtenem Korbbeiwagen; Motorräder dieser Marke gewannen 1905 und 1906 zahlreiche nationale und internationale Rennen Franz Soriat
26 1924 Lanco A.50.0 Viertakt-Motor SV, 500 cm³, Einzylinder; 18 PS in Wien von der Erdberger Maschinenfabrik AG
von 1924 bis 1926 gebaut
Manfred Eiler, Vorarlberg
27 1924 Delta-Gnom Viertakt-Motor SV, 500 cm³, Einzylinder; 18 PS wurde von 1925 bis zum Zweiten Weltkrieg
und dann nochmals um 1953 gebaut
Manfred Eiler, Vorarlberg
28 1927 D.S.H. Viertakt-Motor SV, 600 cm³, Einzylinder, 15 PS D für Franz Döller, S für Franz Seidl und H für Ing. Huber,
die gemeinsam von 1923 bis 1928,
ein nochmaliger Versuch endete endgültig 1932, produziert wurde in Wien und Inzersdorf, es gab davon sehr erfolgreiche Rennmaschinentypen; Rupert Karner verunglückte mit so einer Maschine 1928 beim 350-cm³-Rennen um die Ungarische TT nahe Budapest tödlich
Niki und Stefan Melnitzky, Wien
29 1931 Austria Zweitakt-Motor, 350 cm³, Einzylinder, 12 PS wurde von 1930 bis 1933 in Trautmannsdorf, ., hergestellt; es gibt davon heute nur mehr zwei Exemplare in Österreich Heinrich Schubert
30 1950 Lohner L98 - L98T Zweitakt-Motor, Einzylinder, 2,25 PS es war dies der erste österreichischer Motorroller! Andreas Lohner
31 1954 Lohner L125 125 cm³, 6,1 PS Andreas Lohner
32 1957 Lohner Sissy III Zweitakt-Motor, 60 cm³, Einzylinder,2.6 PS es war dies das erste Lohner-Moped und das erste, das man auch zu zweit fahren konnte Andreas Lohner

Siehe auch

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Weblink

Quelle

Zeitfolge
Vorgänger

MotorradClassic

Ausstellungen in den
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Österreichische Motorradgeschichte
Nachfolger

Der legendäre Sascha-Rennwagen