Austro Vau

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1966: Dreifachsieg auf den Bahamas, 13 min Video
Konkurrenten von einst am Kaimann Formel Super Vau, Baujahr 1974 von Karl Holzinger: links vorne "Masta" Kurt Bergmann ("Kaimann-Team") und rechts vorne Ernst Piëch ("Austro-Vau-Team Alpenstraße")
ein Austro Vau, gebaut in der Porsche Alpenstraße

Der Austro Vau war eine österreichische Variante der Formel-V-Rennsportserie in den 1960er bis 1980er Jahren.

„VW-Rennwagen für Jedermann“

Der „VW-Rennwagen für Jedermann“, der Formel V, war für viele spätere Automobil-Weltmeister das Einstiegsmodell in den Rennsport. Ernst Piëch eröffnete am 3. September 2015, am 140. Geburtstag seines Großvaters Ferdinand Porsche, eine Sonderschau dieser populären Rennwagenserie in seinem Mattseer Automobilmuseum fahr(T)raum.

Formel V

Der Amerikaner Hubert L. Brundage, ein Geschäftsmann und Hobbyrennfahrer aus Florida, entwickelte in den 1960er in den USA einen Rennwagen mit Teilen überwiegend aus einem gewöhnlichen VW Käfer. Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein brachte 1965 die ersten zehn Formel-V-Wagen aus den USA nach Deutschland und es entstand die größte Nachwuchsrennserie, die es je gegeben hat. 1970 zählte man rund 3 000 Formel-V-Rennwagen weltweit. Mit dem Ende der Produktion des VW Käfers um 1980 wurde diese Formel wieder eingestellt.

Porsche Alpenstraße Salzburg war Austro-Vau-Rennsport-Center

Nachdem 1965 in Deutschland das erste Formel-V-Rennen stattgefunden hatte, beauftragte Ernst Piëch, der damals in der Geschäftsführung von Porsche in Salzburg tätig war, die Porsche-Alpenstraße-Filiale einen Austro-Vau-Rennwagen zu konstruieren. Der ehemalige Motorradrennfahrer Paul „Pauli“ Schwarz wurde von Motorsportchef H. P. Fürst in die Alpenstraße geholt und entwickelte den sehr erfolgreichen Austro Vau.

1966 hatte Ernst Piëch die Idee, ein Formel-V-Team zu der „Nassau Speed Week“ auf den Bahamas zu schicken, die damals als „inoffizielle Weltmeisterschaft“ angesehen wurde. Am 2. Dezember 1966 starteten dann der Deutsche unter österreichischer Fahrerlizenz fahrende Jochen Rindt sowie die beiden Österreicher Günther Huber und Michael Walleczek und gewannen in dieser Reihenfolge auch das Rennen. Die Sensation! Ein österreichisches Team schlägt die Weltelite. Während Rindt bei der Siegerehrung den Pokal entgegen nahm, schwitzten noch die Mechaniker. Denn die Rennkommissare ließen sich die drei österreichischen Formel-V-Rennwagen zerlegen und überprüften jedes Detail, ob es auch regelkonform war. Sie waren es!

Die Porsche Konstruktionen KG in Salzburg importierte damals originale Bausätze für Formula-Vee[1] und bot sie zum Preis von 39.000,-- Schilling, verzollt ab Lager Salzburg[2], an.

Der große Gegner in Österreich hieß Kurt Bergmann

Der Wiener Mechaniker Kurt Bergmann stieg 1966 ins Formel-V-Renngeschäft ein und konstruierte den Formel Kaimann. 1968 hatte er seinen eigenen Rennstall und spätere Größen des Motorsports wie Niki Lauda, Dr. Helmut Marko, Günther Huber, Joe Gartner, Harald Ertl, Helmut Koinigg, Dieter Quester, Jochen Mass und Keke Rosberg fuhren in diesem Kaimann-Team von Bergmann zu ihren ersten Erfolgen. Bergmann ging in die Geschichte des Rennsports als „Masta“ Bergmann ein.

2015: Am Eröffnungsabend der Ausstellung wurden Erinnerungen wach

Sonderausstellung Mythos Formel V im fahr(T)raum Mattsee, 6:51 min Video

Ernst Piëch erzählte aus dem Leben seines Großvaters Prof. Ferdinand Porsche, der am 3. September 1875 in Maffersdorf in Böhmen, vor genau 140 Jahren, das Licht der Welt erblickt hatte. Der Bogen seiner interessanten Erinnerungen spannte sich bis zur Rennschmiede in der Alpenstraße und dem legendären Dreifachsieg in Nassau - Piëch nahm dabei die Trophäe dieses Triumphs auf den Bahamas in die Hand und hielt sie triumphierend seinen Gästen entgegen.

Karl Holzinger, der am Wochenende 4./6. September 2015 am Salzburgring zu Rennen mit seinem Kaimann Formel Super Vau, Baujahr 1974, antrat, brachte sein Fahrzeug am Eröffnungsabend nach Mattsee. „Masta“ Bergmann startete den Motor und ließ den unverwechselbaren VW-Vau-Sound in den Hallen von „fahr(T)raum“ erschallen. Verbunden mit dem Geruch nach Motoröl und Treibstoff fühlten sich die zahlreichen Gäste, darunter viele, die noch Formel-V-Rennen selbst erlebt hatten, in diese vergangene Motorsport-Ära zurückversetzt.

Rennergebnisse und Rekordfahrten

Paul "Pauli" Schwarz fuhr einen Austro Vau bei den Rekordfahrten 1968 in Salzburg aus. Aber die Zeiten waren enttäuschend: stehender Kilometer in 28,69 sek - das schaffte etwa auch ein Porsche 911 S, am schnellsten fuhr er noch die fliegende Meile mit 177,9 km/h Schnitt.

Austro Vau beim Gaisbergrennen

Gaisbergrennen 3. September 1967: Formula-Vee-Rennen: Werner Riedl auf Austro Vau
Gaisbergrennen 3. September 1967:die Rennwagen von Werner Riedl (110, Austro Vau) und von Karl Ritter (111, Formel V) werden mit dem Transporter angeliefert

Formel V und Austro Vau waren ab 1966 in der österreichischen Rennszene zu sehen. So starteten beispielsweise beim Gaisbergrennen am 4. September 2015 sieben Teilnehmer im Rennen "Um den Preis der Firma Porsche Konstruktionen KG Salzburg":

  • G. Huber, St. Pölten, Austro Vau, 1 285 cm³
  • E. Breinsberg, Wien, Beach Car, 1 285 cm³
  • Gerhard Pichler, Schwanenstadt, Willeit Spezial, 1 300 cm³
  • Ing. R. Rojkowski, Innsbruck, Austro Vau, 1 285 cm³
  • Michael Walleczek, Kitzbühel, Austro Vau, 1 300 cm³
  • Heinrich Zöchling, Schärding am Inn, VW Formel Vee, 1 285 cm³
  • P. Peter, Wien, Austro Vau, 1 285 cm³

Ein Jahr später, am 3. September 1967, waren dann bereits zwölf Teilnehmer in der Klasse "Rennwagen Formula Vee, Gruppe 9, Klasse bis 1 300 cm³" beim Gaisbergrennen am Start. Unter anderem ging der Salzburger Horst Miedaner mit einem Austro Vau 1 285 cm³ an den Start. Auch ein "Kaimann" war mit Erich Breisberg als Fahrer am Start. Werner Riedl (Austro Vau) gewann das Rennen in einer Zeit von 09:42,60 min (die Zeit beider Wertungsläufe) vor Karl Ritter (Formel V, 09:43,68 min.) und Horst Lohner (Austro Vau, 10:00,45 min.).

Kurt Bergmann brachte mit Herbert Steck einen Fahrer seines Teams mit einem "Bergmann Kaimann" (1 300 cm³) am 8. September 1968 beim Gaisbergrennen an den Start. Sieger war diesmal Erich Breinsberg (Kaimann MK3, 09:26,20 min.) vor Fritz Böhler (Austro Vau, 09:29,60 min.).

Beim letzten Gaisbergrennen am 7. September 1969 waren dann über 20 Teilnehmer in der Rennwagenklasse Formula Vee am Start. Horst Miedaner (Austro Vau, 09:26,52 min.) wurde Vierter hinter Helmut Müller (MK II, 09:24,33 min.), Erich Breinsberg (Kaimann, 09:19,28 min.) und dem Sieger Fritz Böhler (Austro Vau, 09:11,58 min.).

Int. Flugplatzrennen Tulln-Langenlenbarn

2. Int. Flugplatzrennen Tulln-Langenlenbarn 16. Juli 1967: Formel V-Rennen: Helmut Marko (7) auf Austro Vau und Werner Riedl (1) auf Austro Vau

In den 1960er Jahren fanden in Österreich noch Rennen auf Flugplätzen statt. Eines war am Militärflughafen von Langenlebarn.

Beim Rennen 1966 siegte Gerhard Mitter im Formel-V-Rennen auf Beach-Car.

Am 16. Juli 1967 das zweite Rennen dort statt und bracht in der Rennwagenklasse Formel V folgendes Ergebnis:

  • 3. Rennen über 35 Runden à 2,7 km = 94,5 km
Reihung Startnummer Fahrer Land Fahrzeug Zeit in min. Anmerkung
1. 3 Günther Huber A Austro V 48:10,67 117,690 km/h
2. 7 Helmut Marko A Austro V 48:42,85
3. 1 Werner Riedl A Austro V 48:43,19
4. 17 Roland Müller D Fuchs 49:21,71
5. 25 Gerold Pankl A Austro V 49:24,86
6. 2 Peter Peter A Formel V 47:03,61 eine Runde zurück
7. 4 Helmut Kelleners D Austro V 48:29,03 eine Runde zurück
8. 12 Rainer Braun D Kaimann 48:30,27 eine Runde zurück
9. 20 Karl Ritter A Austro V 48:32,71 eine Runde zurück
10. 29 Anton Pfaff A Beach Car 48:34,85 eine Runde zurück
11. 19 Walter Wünstel D Austro V 48:38,63 eine Runde zurück
12. 23 Volker Ziegler D Austro-Beach 49:01,81 eine Runde zurück
13. 5 Horst Lohner A Austro V 49:18,26 eine Runde zurück
14. 21 Claude Bonnet F Bora 49:25,61 eine Runde zurück
15. 15 Curt Johansson S Dolling FV 48:13,85 zwei Runden zurück
16. 6 Dieter Bohnhorst D Fuchs 49:33,32 zwei Runden zurück
17. 28 Otto Bussek A Austro V 49:34,03 zwei Runden zurück
18. 26 Hans Steiner A Formula Vee 49:12,01 zwei Runden zurück
19. 9 Erich Breinsberg A Kaimann Vee 50:32,81 35 Runden, aber eine Strafminute wegen Frühstart

Die schnellste Runde fuhr Günther Huber mit 1:20,24 min = 121,043 km/h, von 22 gestarteten Teilnehmern kamen 19 in die Wertung. Das nächste Rennen, die Rennwagen Formel 2, gewann Jochen Rindt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 148,157 km/h.

Weitere Ergebnisse

  • 1966:
Flugplatzrennen Aspern: Sieger im Formel-V-Rennen: A. Walleczek auf Austro-Vau
Flugplatzrennen Zeltweg: Sieger im Formel-V-Rennen: A. Walleczek auf Austro-Vau[3]

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. die amerikanische Bezeichnung und Aussprache dieser Rennserie
  2. laut Originalwerbung
  3. Quelle: Austro Motor, internationale Auto- und Motorrundschau, Wien, Ausgaben 10 und 11/1966, aus dem Motorrad-, Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer


Zeitfolge
Vorgänger

-

Ausstellungen in den
Ferdinand Porsche Erlebniswelten fahr(T)raum Mattsee

3. September 2015 bis 28. Februar 2016
VW-Rennwagen für Jedermann
Nachfolger

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