Halleiner Motorenwerk

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das letzte in Hallein gefertigte Moped im August 1958
Österreichische Motorradgeschichte im fahrtraum Mattsee, die HMW Mopeds: HMW Supersport 50 cm³, Baujahr 1957, HMW 50 Z, Baujahr 1954 und eine Foxinette, Baujahr 1952

Das Halleiner Motorenwerk (HMW) wurde im November 1948 als "Motorenwerk Fuchs-Königer-Aktiengesellschaft Salzburg-Hallein" gegründet, das bis 1958 in Hallein und dann bis 1962 in Kottingbrunn in Niederösterreich existierte.

Geschichte

Während des Zweiten Weltkriegs war Anton Fuchs in Nürnberg, Bayern, bei der Motorradfirma Vicotria[1] tätig, wo Alfred Roder den kleinen Fahrradhilfsmotor FM 38 entwickelt hatte. 1946 kehrte Fuchs nach Österreich zurück, im Gepäck hatte er die Konstruktionspläne vom FM 38. Zunächst baute Fuchs bei Alexander Mayer, dem motorsportlichen "Ziehvater" von Rupert Hollaus, die ersten Prototypen des - wegen Copyright-Problemen - so genannten 'FM 40 Hilfsmotor'.

Bei der Wiener Frühjahrsmesse 1947 hatte dieser Motor großen Erfolg und in Rabenstein (.) wurde das "Motorenwerk Ing. Fuchs Rabenstein" gegründet. Die Mitte 1949 freigewordenen und ungenutzten Hallen der Grill-Werke in Hallein schienen Fuchs ideal für die aufgrund der stark steigenden Nachfrage (1948: 200 Motoren) notwendig gewordene Umsiedlung des Unternehmens. Außerdem lag Rabenstein noch in der russischen Besatzungszone, was den Absatz erschwerte.

Im November 1948 wurde die Motorenwerk Fuchs-Königer Aktiengesellschaft Salzburg-Hallein gegründet. Anfang 1949 begann man bereits mit der Produktion in Hallein.

Die Firma änderte dann ihren Firmennamen, sie nannte sich Halleiner Motorenwerk Hinterberger, Schreitl & Co. vormals Halleiner Motorenwerk AG und hieß schließlich Halleiner Motorenwerk AG (HMW). In den Jahren 1955/56 begann man auf Grund der guten Verkaufsergebnisse nach einem neuen Standort Ausschau zu halten. Aber auch interne Streitereien und ein Copyright-Rechtsstreit mit Victoria in Nürnberg gab es zu bewältigen. Dazu kam, dass Eugen Grill, Besitzer der Grill-Werke, aufgrund des österreichischen Staatsvertrages die gesamte Liegenschaft zurück bekommen sollte.

Im August 1958 verließ das letzte von 107 053 in Hallein gefertigten Mopeds die Montagehallen und die Produktion wurde nach Kottingbrunn, Nö., verlegt. 500 Personen verloren in Hallein ihre Arbeit[2]. Aber noch während der Umsiedlung begann sich ein Absatzrückgang abzuzeichnen. 1960 wurde nur mehr ein Zehntel der Produktion von 1956 erreicht[3].

Erst im September 1958, bereits nach der Schließung, begann man auch in den Zeitungen darüber zu berichten. Der Salzburger Landeshauptmann Josef Klaus versuchte dann im Dezember vergeblich, KTM zur Ansiedlung in Hallein unter Beteiligung von Grill zu bewegen. Es scheiterte daran, dass Grill nicht die Freigabe der Entschädigungssumme vom Finanzminister erhielt.

Mittlerweile besaß die Österreichische Länderbank das Unternehmen, das das Werk Ende 1960 an das Stahlbauunternehmen Waagner-Biró übergab. 1961 konnte man bei der Wiener Frühjahrsmesse zum letzten Mal ein HMW-Modell bestaunen. Am 16. Mai 1962 verließ das letzte der insgesamt 128 175 gebauten HMW-Mopeds das Werk.

In besten Zeiten waren bei den HMW in Hallein 1 250 Menschen beschäftigt (1956). Diese Mitarbeiter verdienten besser als die meisten Halleiner und auch deutlich über dem durchschnittlichen Lohn eines Österreichers.

HMW Produkte

Cornelia "Conny" Froboess erhielt 1959 zu ihrem 16. Geburtstag ein Moped der Firma HMW – sie hatte einen Werbevertrag mit dem Unternehmen und so hieß zum Beispiel ein Moped Conny (Baujahr 1959, 50 cm³). Aber man spürte bereits den Rückgang - es wurden nur 4 000 Stück verkauft.

Zwischen 1948 und 1960 wurden an den verschiedenen Standorten rund 345 000 Motoren gefertigt, davon alleine in Hallein 321 400. Begonnen hatte die Produktion mit 35 300 Stück vom FM 40 Motor (1948 - 1952), es folgte der 50E-Motor 1953, eine Zweigang-Variante 50Z, ab Ende 1954 der N2-Motor. Im selben Jahr begann man auch mit der Produktion von 75 cm³-Motoren. Bezüglich der Produktionszahlen gibt es in Quellen unterschiedliche Angabe. Sicher scheint nur die Angabe der Mopedproduktion in Hallein zu sein. Bei den Motoren selbst reichen die Zahlen bis zu einer Million.

Ein anderes Moped war das Glockner Moped. Die „Glockner 50 Z“ wurde von der Tiroler Firma Nuruhrer, Fietz & Co in Bieberwier in geringer Stückzahl ab 1954 erzeugt. Der 49,8-cm³-Motor mit 2,2 PS wurde in Hallein bei HMW hergestellt. Scheinwerfer, Rücklicht, Sattel und Vorderbremse wurden in Deutschland produziert. Erste Produktion war noch 1953 (in Hallein?) und es gab die Glockner bis 1958.

HMW Sportergebnisse

1957 gewann HMW die schwerste Moped-Wertungsfahrt des Jahres in Belgien. Die Fahrt über 1 000 Kilometer endete mit einem sensationellen Sieg für die Moped-Markt HMW, die unter 40 Teilnehmern die ersten drei Plätze belegt.[4]

Wissenswertes

Im Jahr 1952 unternahm Richard Wunderer mit einer Foxinette (Fahrrad mit Fuchs-Anbau-Motor) eine 12 000 km lange Tour durch Italien bis in die Sahara und über Spanien zurück.

Der ehemalige Fernsehmoderator Karl Moik war im Halleiner Motorenwerk Lehrling. Seine Mutter, Anna Moik, arbeitete ebenfalls bei HMW.

HMW Treffen 2010

Hauptartikel: HMW Treffen

Peter Frohnwieser - Technologie-Sammler- und Museumsverein organisierte am Samstag, den 25. September 2010 das erste HMW-Treffen Zu den Halleinern kommen.

HMW Sammler - Reparatur

Der Oberndorfer Gregor Rehrl sammelt, repariert und restauriert HMW- und Fuchs- Modelle (www.hmw-zweirad.at). Er ist unter der Telefonnummer 0680/322 3000 erreichbar[5].

Ausstellungen

  • Die Halleiner kommen.“ 11. bis 14. Juni 2009 in Kottingbrunn unter Federführung von Johann Kowalski und Walter Langenhagen. Der Titel zielte auf jene Salzburger Familien ab, die mit dem Unternehmen von Hallein nach Kottingbrunn mitübersiedelten.
  • Die Halleiner kommen zurück.“ 28. Mai bis 29. August 2010 im Keltenmuseum Hallein im Rahmen der Ausstellungsreihe „Halleiner Stadtgeschichte(n)“.
  • 2013 legte die österreichische Post eine Sonderbriefmarke mit der HMW Z 50 als Motiv auf.
  • In der Sonderschau Österreichische Motorradgeschichte im fahrtraum Mattsee vom 1. Oktober 2017 bis 28. Februar 2018 sind einige Modelle zu sehen.

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. Die Marke Victoria: Die Geschäftsleute Max Frankenburger und Max Ottenstein aus Nürnberg starteten zunächst mit der Produktion von Hochrädern, um 1890 mit Dreirädern und schließlich 1903 den ersten Motorrad-Protoype, der 1903 in Serie produziert wurde; 1904 kam dann auch noch eine Automobilproduktion dazu, die allerdings 1908 wieder eingestellt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg baute Victoria ihre Motorradproduktion weiter aus. Die jährliche Produktion erreichte 15 000 Fahrzeuge, die von 800 Mitarbeitern hergestellt wurden. Bekannt war die 12 PS starke und robuste KR 3, die vor allem als zuverlässige Beiwagenmaschine eingesetzt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte Victoria nochmals für eine sportliche Sensation, als Georg Dotterweich 1951 mit einem 38 cm³ "Vicky" Fahrradhilfsmotor Weltrekord mit 79 km/h fuhr. Dann kam es 1958 zum Zusammenschluss mit DKW und EXPRESS zur ZWEIRAD UNION AG und schließlich 1966 mit den "Nürnberger Hercules Werke AG", die ebenfalls 1886 in Nürnberg gegründet wurden
  2. es dürfte der erste größere Personalabbau in Hallein gewesen sein, weitere Firmen folgten dann in den 1970er und 1980er Jahren
  3. wie übrigens auch bei anderen österreichischen Fahrrad- und Motorenherstellern wie KTM oder Puch
  4. Quelle: Austro Motor, internationale Auto- und Motorrundschau, Wien, Ausgabe 3/1957, aus dem Motorrad-, Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer
  5. Quelle "BZ Bezirkszeitung" Ausgabe Dezember 2014