Caravelle

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Austrian Airlines, 1964, eine der fünf Caravelle der AUA am Flughafen Salzburg, sie wurde am 30. März 1964 am Salzburger Flughafen getauft.
Es dürfte sich um die erste am 19. Februar 1963 nach Österreich überstellte Caravelle handeln, da sie noch keinen Namen hat.
Besuch der österreichischen Journalisten im Dezember 1962 im Hauptwerk von "Sud Aviation" in Toulouse, Südfrankreich
Taufe der dritten Caravelle am 30. März 1964 am Flughafen Salzburg
Der Salzburger Radio Salzburg und ORF Landesstudio Salzburg-Journalist Hans Heinrich Welser am 30. März 1964 im neuen Übertragungswagen des ORF Landesstudios Salzburg
Die dritten Caravelle bereit zur Taufe am Flughafen Salzburg
Blick ins Cockpit einer Caravelle
Blick in die Kabine einer Caravelle

Die Caravelle des französischen Luftfahrtunternehmens Sud Aviation war eines der ersten strahlgetriebenen Kurz- und Mittelstreckenverkehrsflugzeuge der Welt und 1963 der erste Strahltriebwerk-Jet der noch jungen Austrian Airlines.

Dezember 1962: Besuch im Werk in Toulouse

Die rot-weiß-rote Fluglinie Austrian Airlines (AUA) war gerade erst im September 1957 gegründet worden. Ein halbes Jahr später startete sie ihren Flugbetrieb mit vierpropellerigen „Vickers Vicount“-Maschinen. Bereits am 29. Oktober 1962 bestellte AUA ihre ersten beiden Strahltriebwerk-Flugzeuge des Typs „Sud Aviation Caravelle SE 210-VI R“. 15 österreichische Journalisten, unter ihnen der Salzburger Radio Salzburg und ORF Landesstudio Salzburg-Journalist, Hans Heinrich Welser, besuchten im Dezember 1962 auf Einladung von „Austrian Airlines“ in Toulouse in Südfrankreich das Hauptwerk von „Sud-Aviation“, wo die beiden AUA-„Caravelle“-Maschinen im Entstehen waren.

Der Beginn des Düsenflugzeugzeitalters

Am 27. Juli 1949 rollte in Hatfield, England, in den de-Havilland-Flugzeugwerken das erste Strahlturbinen-Verkehrsflugzeug der Welt, die „Comet I“ zu ihrem Jungfernflug aus der Werft. Die bis dahin führende Nation im Flugzeugbau, die Vereinigten Staaten von Amerika, war von den Engländern überflügelt worden - die Sensation! Technisch noch nicht ausgereift wurde sie ab 2. Mai 1952 auf der Strecke London-Johannesburg eingesetzt. Nach einer Absturzserie von fünf „Comet“ innerhalb von zwei Jahren entstand aus der bis damals größten Versuchsreihe in der Geschichte der Luftfahrt eine neue, eine sichere „Comet“.

Flugzeughersteller-Zwerg Frankreich gelang der große Wurf

Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion (heute Russland) teilten sich Anfang der 1950er-Jahre den großen Kuchen in der Herstellung von Flugzeugen. Dem Entschluss der Regierung Frankreichs im Bau von Düsenjets einzugreifen folgte 1953 ein Wettbewerb zur Entwicklung und Baus eines Strahlflugzeuges, den das französische Unternehmen „Sud-Aviation SA“ gewann. Die Anfänge dieses Unternehmens lang in den Anfang-1920er-Jahren. Es erzeugte Militärflugzeuge, wobei es mit der Produktion eines Hubschraubers besonders erfolgreich war.

Es folgte der staatliche Auftrag zum Bau zweier Prototypen. Bereits am 27. Mai 1955 hob der erste Prototyp der „Caravelle“ zum Probeflug ab und am 15. Mai 1959 nahm „Air France“ diesen Flugzeugtyp im Liniendienst auf.

Es war für damalige Zeiten eine eigenwillige Konstruktion gewesen. Der Einstieg in die Kabine erfolgte im hinteren Teil der Maschine (im Gegensatz zum gängigen vorderen Einstieg) und die neuartige Anordnung der beiden Triebwerke – sie waren links und rechts des Leitwerks am Heck angebracht (und nicht mehr unter oder an den Flügeln). Diese sehr kritisierte Triebwerksanordnung sollte sich aber als zukunftsweisend für die folgende Entwicklung von Mittelstreckenjets erweisen.

Was in einer 18monatigen Lieferzeit entstand

18 Monate dauerte die Herstellung einer „Caravelle“ bis zu deren Auslieferung an die Fluglinie. Sieben bis acht Monate allein beansprucht die Montage einer „Caravelle“. Dann kamen die Testflüge: drei Flugstunden absolvierten Spezialisten von „Sud-Aviation“ mit der Maschine, drei Stunden von der staatlichen Flugbehörde und drei Stunden von Spezialisten des Käufers. Der erste Flug der ersten der beiden österreichischen „Caravelle“ fand am 20. Jänner 1963 statt.

Das Besondere an diesem Flugzeugtyp war die bereits vorhandene Schubumkehr zur Verminderung des Bremsweges. Die „Caravelle“ verfügte über zwei Rolls Royce Triebwerke, die einen Schub von 6 300 kg beim Start entwickelten. Eine weitere Eigenschaft war die Segelflugfähigkeit selbst bei Ausfall beider Triebwerke. Es hatte eine Reichweite von 4 100 Kilometern, konnte eine Reiseflughöhe von 10 000 Metern bei einer Reisegeschwindigkeit von 850 km/h erreichen. Das Startgewicht betrug 48,5 Tonnen, davon waren zehn Tonnen oder 19 000 Liter Treibstoff.

Die erste „Caravelle“ wurde auf „Tirol“ getauft – die Olympischen Winterspiele 1964 standen vor der Tür

Die beiden ersten bestellten AUA-„Caravelle“-Maschinen verfügten über 71 Plätze, 59 in der Tourist- und zwölf in der First-Class. Die Besatzung bestand aus zwei – österreichischen – Piloten und vier Stewardessen. Ja, die sich damals schon „friendly airline“ nennende AUA legte noch Wert darauf, nur österreichisches Personal an Bord zu haben. Die Kosten für eine Maschine betrugen zum Zeitpunkt ihrer Bestellung 88 Millionen Schilling.

AUA hatte sich aus mehreren Gründen für die „Sud-Aviation Caravelle“ entschieden. Die „Carvalle“ beförderte mehr Passagiere und Fracht in kürzerer Zeit bei annähernd gleichen Kosten pro Leistungseinheit als die im Einsatz befindlichen „Vickers Vicount“. Schon damals bevorzugten die Passagiere auch auf Kurz- und Mittelstrecke die bequemeren Düsenflugzeuge. Und die „Caravelle“ war zum Zeitpunkt der Kaufentscheidung das einzige Kurz- und Mittelstrecken-Strahltriebwerkflugzeug, außerdem seit mehreren Jahren erprobt und somit kein finanzielles oder technisches Risiko.

Zum Einsatz kamen die ersten beiden Maschinen auf den Rotationen (Umläufen) Wien-Frankfurt-Paris-London-Zürich (täglich); Wien-Rom vier Mal die Woche und Wien-Warschau-Moskau (drei Mal wöchentlich). Täglich waren die Maschinen zehn Stunden in der Luft, gewartet wurden sie nachts in der AUA-Werft in Wien.

Taufe der dritten „Caravelle“ fand am Flughafen Salzburg statt

Bei dem Besuch der österreichischen Journalisten im Dezember 1962 war die erste „Caravelle“ bereits mit einem Logo der Olympischen Winterspiele 1964 in Innsbruck beklebt gewesen. Sie wurde 20. Februar[1] 1963 nach Österreich überstellt und wurde mit 1. April 1963 in Dienst gestellt. Die zweite „Caravelle“ wurde dann im Mai 1963 ausgeliefert. Die dritte wurde 30. März 1964 vor 50 000 Schaulustigen am Salzburger Flughafen auf den Namen „Salzburg“ getauft. Bei Versuchslandungen in Salzburg am 22. Februar des Jahres mit der neuen Caravelle Se 210-VI R waren Anrainer wegen der Lärmentwicklung erbost.

Bombenattentat

Von 1963 bis 1972 betrieb AUA fünf „Caravelle“ VI-R, die dann durch „DC-9-32“-Maschinen abgelöst wurden. Am 21. Februar 1970 gelang dem Piloten einer österreichischen „Caravelle“ nach einer Bombenexplosion im vorderen Frachtraum die schwer beschädigte Maschine wieder am Abflughafen Frankfurt am Main zu landen. Sie befand sich auf einem Flug nach Wien. Es stellte sich heraus, dass ein von den Sicherheitskräften der israelischen Fluglinie EL AL abgelehntes Paket von AUA über Wien nach Tel Aviv hätte transportiert werden sollen.

Wie ging es mit der Entwicklung von Düsenjets weiter?

Die Caravelle der französischen Sud Aviation war eines der ersten strahlgetriebenen Kurz- und Mittelstreckenverkehrsflugzeuge der Welt. Bis 1964 rechnete man mit weiteren Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen mit Strahlantrieb von Boeing, British Aircraft Corporation (BAC) und Hawker Siddeley, die Anfang 1926 mit der „Trident“ ebenfalls ein Modell auf den Markt brachten, das die Triebwerke am Heck befestigt hatten – allerdings mit einem dritten Triebwerk direkt im Leitwerk.

Was wurde aus Sud Aviation?

In den 1950er-Jahren galt das französisches Luftfahrtunternehmen "Sud Aviation" mit Sitz in Toulouse als größter europäischer Hersteller von Flugkörpern. Der bekannteste produzierte Flugzeugtyp war die "Sud Aviation Caravelle". Selbst bereits durch Fusion zweier Unternehmen entstanden wurde es in den 1970er-Jahren Teil der Airbus-Gruppe und produziert heute für Airbus.

„Österreichischer“ Caravelle-Steckbrief

Typenbezeichnung: Caravelle SE 210-VI R
Flügelspannweite: 34,3 Meter
Höhe (Leitwerkspitze): 8,7 Meter
Reiseflughöhe: 10 000 Meter über Grund
Reisegeschwindigkeit: 850 km/h
Reichweite: 4 100 Kilometer
Sitzplätze: 71 Passagiere, 59 Tourist- und zwölf First-Class
Besatzung: zwei Piloten und vier Stewardessen
Gewicht, beladen: 48,5 Tonnen
davon Treibstoff: 15 Tonnen (19 000 Liter Kerosin-Petroleumart)

Triebwerke

Zwei Strahltriebwerke Rolls Royce „Avon“ Mark 533 R
bereits mit Schubumkehr ausgerüstet
Schalldämpfer
Aufbau: 17 Kompressor-Stufen und drei Turbinenstufen
Umdrehungen: Beim Start 8 150 U/min, im Flug 7 750 U/min
Länge eines Triebwerks: 3,4 Meter
Gewicht: 1 250 kg
Verbrauch je Stunde durchschnittlich 1 689 kg Kerosin

Quelle

Einzelnachweis