Karl (III.) Irresberger

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Karl (III.) Irresberger

Karl (III.) Kaspar Irresberger, auch: Carl Irresberger (* 27. April 1860 Salzburg; † 29. Jänner 1932) war ein Salzburger Ingenieur und Politiker.

Leben

Er war der älteste Sohn des damaligen Gastwirts „zum Mohren“ und späteren Hoteliers („Österreichischer Hof“) Karl (II.) Irresberger († 1873) und der Henndorfer Bierbrauerstochter (Caspar-Moser-Bräu) Barbara Irresberger geb. Moser.

Werdegang

In seiner Schullaufbahn hatte Karl Irresberger – hauptsächlich infolge seiner unverhohlenen (deutschnationalen) politischen Einstellung – einige Schwierigkeiten. So wurde er vom Besuch der Mittelschule im Land Salzburg ausgeschlossen.[1]

Er konnte jedoch in Leoben seine Gymnasialstudien fortzusetzen und – obgleich er auch dort vom Besuch der (nunmehr: sämtlichen österreichischen) Mittelschulen ausgeschlossen wurde - 1880 die Reifeprüfung ablegen.

1880 bis 1884 studierte er als ordentlicher Hörer an der hüttentechnischen Abteilung der damaligen Bergakademie (jetzt: Montanuniversität) Leoben die montanistischen Wissenschaften und engagierte sich auch hier politisch und in den Burschenschaften.

Er absolvierte auch eine Lehre als Former, was damals für einen Akademiker außergewöhnlich war und viel zu seiner fachlichen Kompetenz beitrug.

Gießereiingenieur

Dem Studienabschluss folgten wechselvolle Wanderjahre, in denen er sich in den verschiedensten Zweigen des Gießereiwesens in Jenbach (Tirol), Stuttgart, Elbing, Mannheim und Michelbach in Hessen betätigte.

1889 richtete er für Hilpert die Hütte in Pegnitz als Gießerei nach eigenen Plänen ein. Mit seinem Schwager August Fischer gründete er 1891 in Zuffenhausen bei Stuttgart eine eigene Eisengießerei, die er jedoch wegen der damaligen Wirtschaftskrise nach einigen Jahren wieder aufgeben mußte. In den Jahren 1894 bis 1897 war er Gießereileiter der Wilhelmshütte in Eulau in Schlesien, zwei Jahre später Direktor bei Bopp & Reuther in Mannheim. 1900 wirkte er bei der sächsischen Maschinenfabrik in Chemnitz, 1904 bei der Gießerei Rudolf Otto Meyer in Mannheim. 1905 bis 1907 war Carl Gießereidirektor der Friedrich-Wilhelmshütte in Mülheim an der Ruhr.

1911 oder 1912 ließ er sich als Zivilingenieur in Salzburg nieder, wo er als Berater verschiedener Betriebe wirkte.

Politische Tätigkeit

Nach seiner Rückkehr nach Salzburg wandte sich Ing. Carl Irresberger auch der politischen Tätigkeit zu. Er schloss sich dem 1909 gegründeten „Deutschfreiheitlichen Volksbund“ an und wurde einer der führenden Persönlichkeiten dieser politischen Vereinigung[2]. Als am 26. Mai 1918 von der Christlichsozialen Partei, den Deutschfreiheitlichen und der Deutschen Arbeiterpartei aus Protest v.a. gegen die schlechte Ernährungslage der erste Salzburger Volkstag abgehalten wurde, trat Ing. Irresberger als Redner der Deutschfreiheitlichen auf.[3]

Als der Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie im Gange war und die Gründung des neue Staates (Deutsch-)Österreich bevorstand, war – auch im deutschnationalen Lager – strittig, ob dieser Staat eine Monarchie oder eine Republik sein solle. Irresberger trat mit Entschiedenheit für die Wahl der republikanischen Staatsform ein; denn „nur in einem Freistaat, in dem nicht so und so viel Personen außerhalb des Gesetzes stehen und in dem nicht so eine große Protektionswirtschaft herrschen würde, gilt der Satz: Freie Bahn allen Tüchtigen.

Als sich am 3. November 1918 die aus 38 Mitgliedern bestehende provisorische Landesversammlung konstituierte, war Ing. Karl Irresberger eines der deutschfreiheitlichen Mitglieder. Nach der von der provisorischen Landesversammlung beschlossenen provisorischen Landesverfassung war aus der Mitte der Landesversammlung ein aus 14 Mitgliedern bestehender Landesrat zu wählen, der aus drei Präsidenten und drei Präsidenten-Stellvertretern – die zusammen die sechsköpfige Landesregierung bildeten – und acht weiteren Landesräten bestand. Ing. Irresberger wurde als einer der drei Präsidenten-Stellvertreter gewählt.

In der ersten Sitzung der provisorischen Landesversammlung hatte Salzburg seinen Beitritt zu (Deutsch-)Österreich erklärt und die Nationalversammlung in Wien als oberstes Organ anerkannt. Am 14. November 1918 beschloss die Nationalversammlung das Gesetz betreffend die Übernahme der Staatsgewalt in den Ländern (StGBl. Nr. 24/1918). Nach diesem Gesetz hatten an der Spitze der Landesversammlung nicht mehr die drei Präsidenten, sondern ein Landeshauptmann und seine zwei bis vier Stellvertreter zu stehen, die die Landesregierung bildeten, wobei die Bestellung des für die Finanzgeschäfte zuständigen Landeshauptmann-Stellvertreters der Zustimmung des (deutsch-)österreichischen Staatsrates bedurfte. Diese und andere „zentralistische“ Vorgaben führten zu einer heftigen Kontroverse, wobei nur die Deutschfreiheitlichen den zentralistischen Standpunkt einnahmen – mit Ausnahme von Karl Irresberger, der sich nicht scheute, seinem Parteiobmann offen zu widersprechen. Dem daraufhin gewählten neunköpfigen Landesrat gehörte Ing. Irresberger nicht mehr an, seine Amtszeit als Regierungsmitglied dauerte also nur 22 Tage (7.-29. November 1918).

Am 2. Dezember 1918 gründeten die deutschfreiheitlichen und deutschnationalen Gruppierungen des Landes Salzburg eine einheitliche Partei namens „Demokratische Ständevereinigung“, in der Irresberger 2. Vorstandstellvertreter (Vorstand: Karl Lackner) war.

Bei der Wahl zum Salzburger konstituierenden Landtag, die am 6. April 1919 stattfand, fand Ing. Karl Irresberger, der sich im Wahlkampf besonders eingesetzt hatte, nur auf der dritten, nicht mehr aussichtsreichen Stelle der Liste für den Wahlkreis Stadt Salzburg Platz. Das Wahlergebnis war für die Deutschfreiheitlichen enttäuschend, Ing. Irresberger zog nicht in den konstituierenden Landtag ein.

Bei den Wahlen zum Salzburger Gemeinderat vom 13. Juli 1919 traten die deutschnationalen Gruppen auf fünf verschiedenen Listen an. Zusammen erzielten sie mit 32,8% der Stimmen nur ein mäßiges Ergebnis, wobei 8,76 % auf die von Ing. Irresberger angeführte Liste des Deutschfreiheitlichen Volksbundes entfielen. Die acht bürgerlichen deutschfreiheitlichen Gemeinderäte schlossen sich zu einer Fraktion zusammen und wählten Ing. Karl Irresberger zu ihrem Obmann. Die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei, deren sozialistischer Kurs im Wahlkampf vom wirtschaftsliberalen Ing. Irresberger dezidiert abgelehnt worden war, blieb abseits.

Am 12. November 1919, dem Jahrestag der Ausrufung der Republik, wurde die „Deutschfreiheitliche Partei in der Stadt Salzburg“ als neue städtische bürgerliche deutschfreiheitliche Sammelpartei gegründet, in der ua. der Deutschfreiheitliche Volksbund aufging. Zum Obmann wurde Ing. Irresberger gewählt. Allerdings ließ sich dieser nach 1½ Monaten wegen Arbeitsüberlastung auf drei Monate beurlauben. Im April 1920 legte er auch sein Gemeinderatsmandat nieder. Am 15. Mai 1920 kandidierte er nicht mehr für die Funktion des Parteiobmanns, blieb jedoch im 20-köpfigen Parteivorstand als eines von fünf die Gruppe der freien Berufe vertretenden Mitgliedern.

Damit hatte er sich, nach kaum zwei Jahren, im Wesentlichen aus der Politik zurückgezogen. In dem Nachruf, den ihm das Salzburger Volksblatt zwölf Jahre später widmete, hieß es, dass er dem Gemeinderat „den Rücken kehrte, als ihn das Parteigetriebe anzuwidern begann“.

Sein politischer Intellekt und seine Schreib- und Rednergabe hatten ihn rasch in politische Spitzenpositionen gebracht, doch war er wohl zu eigenwillig und zu wenig integrativ, um dauerhaft politischen Erfolg zu haben.

Gießereifachmann und Fachschriftsteller

Nach seiner Rückkehr nach Salzburg (1911) und besonders nach seinem Rückzug aus der Politik widmete sich Ing. Irresberger der Gießereitechnik als Berater, Planer und produktiver Fachschriftsteller.

Er verwertete die Erfahrungen der englischen und amerikanischen Gießerei-Industrie in europäischen Gießereien und leistete wertvolle Pionierarbeit bei der Einführung von Rüttel-Form-Maschinen in Deutschland. Einige Gießereien im In- und Ausland wurden nach seinen Plänen gebaut oder umgestaltet, u.a. die Gießerei der Steyr-Daimler-Puch A.G. im Jahre 1919, die dann als modernste Gießerei Europas galt. Er war ein geschätzter Mitarbeiter der bedeutendsten Fachzeitschriften, besonders von „Stahl und Eisen“.

Privates

Karl Irresberger heiratete am 23. Oktober 1888 in Stuttgart die dort gebürtige 23jährige Charlotte Franziska Fischer (* 16. Jänner 1865 Stuttgart; † 13. April 1905 Mannheim). Diese gebar ihm die Kinder

  • Anna (* 9. Dezember 1890 Ort unbekannt, verh. Jäckel),
  • Helmut (* 26. April 1892 Zuffenhausen),
  • Karl (IV., * 31. Jänner 1897 Groß-Eulau, Preußisch-Schlesien) und
  • Otto (* 18. Februar 1899 Mannheim-Waldhof).

In der Nacht auf den 29. Jänner 1932 starb er in seinem Haus in der Reichenhaller Straße 7a in Salzburg am bereits zweiten Schlaganfall. Seine sterblichen Überreste fanden in der Familiengruft auf dem Friedhof von St. Peter die letzte Ruhe.

Werke

Politische

  • Grand-Unsinn des Dr. Schöpf, beleuchtet von einem geborenen Salzburger. Wien 1888. (Streitschrift, veranlasst durch ein Flugblatt des ehemaligen Theologieprofessors Dr. Joseph Schöpf.)
  • Das Deutsch-Österreichisch-Ungarische Wirtschafts- und Zollbündnis (1915).

Gießereifachliche

  • Chinesische Kochpfannen mit ausserordentlich geringer Wandstärke (1916 in: Stahl und Eisen, 36.13: 319-320);
  • Die Formstoffe der Eisen- und Stahlgießerei (Berlin 1920); die erste große, zusammenfassende Arbeit auf diesem Gebiet und Grundlage der weiteren Forschung;
  • Der Kupolofenbetrieb, Werkstattbücher, Band 10 (Berlin 1924); für den Praktiker geschrieben, fand es eine so große Verbreitung, daß es auch in den kleinsten Betrieben zu finden war und in mehrere Sprachen übersetzt wurde;
  • in C. Geigers Handbuch der Eisen- und Stahlgießerei (Berlin 1925-1931), dem damaligen Hauptwerk der Gießereiindustrie:
Das Gußeisen und das Gattieren (Band 1; 1925); Die Formstoffe (Band 1; 1925); Die Zuschlagstoffe (Band 1; 1925); Das Formen und Gießen (Band 2; 1927); Schmelzen im Tiegel (Band 3; 1928); Schmelzen im Gießereischachtofen (Kuppelofen) (Band 3; 1928); Die Behandlung der Oberfläche und die Veredelung von Eisengußwaren (Band 3; 1928); Anlage, Bau und Einrichtungen von Eisen- und Stahlgießereien (Band 4; Berlin 1931).
  • (Mitwirkung an:) Bauer / Roll / Carl Pardun / Irresberger / Erbreich / Ernst Hartmann / Hoffmann: Veröffentlichungen des Zentral-Verbandes der Preußischen Dampfkessel-Überwachungs-Vereine e.V., Halle. - Bd. III. - Das Gußeisen als Werkstoff und Baustoff. - Über Edel-Grauguß. - Der Vorwärmerbau. Halle: Selbstverlag, 1927.

Quellen

  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950 (Graz-Köln 1965). Bd. 3 (Lfg. 11), S. 42.
  • Berka, Günther: 100 Jahre Deutsche Burschenschaft in Österreich 1859-1959. Die geistige Leistung ihrer bedeutenden Männer, S. 154 f (Graz 1959).
  • Voithofer, Richard: Drum schließt Euch frisch an Deutschland an... Die Großdeutsche Volkspartei in Salzburg 1920-1936. Schriftenreihe der Dr. Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Band 9. Verlag Böhlau Wien 2000. ISBN 978-3-205-99222-6.
  • Bundesgeschichte der Germania Leoben (1982).
  • Nachruf im "Salzburger Volksblatt", Nr. 24/1932 vom 30.?. Jänner 1932.
  • Nachruf in „Stahl und Eisen“, 52. Jg. (1932) Nr. 10, S. 256.

Fußnoten

  1. Nach der Familienüberlieferung war dieser Ausschluss auf folgende Begebenheit zurückzuführen: Eines Tages im Mirabellgarten, als der an ihrer Schule tätige Kaplan daherkam, knieten Karl und sein Freund zu beiden Seiten des Weges nieder und sprachen „Gelobt sei Jesus Christus!“ (Diese unpassende Frömmigkeitsbezeigung konnte wohl nur im Zusammenhalt mit anderen Vorkommnissen zu einem Schulverweis führen.)
  2. Der Deutschfreiheitliche Volksbund war eine der zehn bis elf deutschnationalen Gruppierungen der Stadt Salzburg (Näheres siehe bei Voithofer).
  3. Der Volkstag, an dem 3.000 bis 4.000 Menschen, darunter Landeshauptmann Prälat Alois Winkler, Bürgermeister Max Ott, alle Mitglieder des Landesausschusses, drei Reichsratsabgeordnete sowie zahlreiche Landtagsabgeordnete und Gemeinderäte teilnahmen, forderte in einer Resolution u.a. die Verbesserung der Ernährungslage, gleichmäßige Verteilung der Kriegslasten auf beide Reichshälften und die strikte Zurückweisung einer südslawischen Staatsbildung.