Wellenberg

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Modell für das Kunstwerk
Aufbau des Kunstwerks im Steinbruch im Dorfertal, Osttirol
Aufbau des Kunstwerks am Nationalparkplatz auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe

Wellenberg ist ein begehbares Kunstwerk des Neumarkter Künstlers Johann Weyringer am Nationalparkplatz vor dem Besucherzentrum Kaiser-Franz-Josefs-Höhe am Endpunkt der Gletscherstraße, einer Stichstraße der Großglockner Hochalpenstraße auf Kärntner Seite.

Vom Umkehr- zum Nationalparkplatz mit Kraft-Wellenberg

Wer im Salzburger Pinzgau die Kassenstelle Ferleiten passiert hat, genießt 34 Kilometer Hochgebirgslandschaft, bevor er auf Kärntner Seite am Ende der Gletscherstraße die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2 369 m ü. A. erreicht. Dort parkt er sein Fahrzeug im Parkhaus Freiwandeck. Bevor dieses 1961 eröffnet wurde, diente seit 1951 der Platz davor als Park- und Umkehrplatz. Bis 1951 musste man am tiefer gelegenen Parkplatz „Franz-Josefs-Höhe II“ parken, der bereits 1933 dort eröffnet worden war.

1987 standen eine Sanierung und Aufstockung des Parkhauses an. Der damalige Generaldirektor der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG), Dr. Michael Pistauer, lud Prof. Friedrich Achleitner zu einer Besichtigungsfahrt ein. Achleitner, ein renommierter, österreichischer Architekt und Architekturkritiker, forderte in Hinblick auf eine mögliche Anerkennung als nationales Denkmal (was dann 2015 auch geschah) einen architektonischen Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes vor dem Parkhaus.

Als dann 1997 der Wettbewerb zur Neugestaltung ausgeschrieben wurde, bewarb sich Johann Weyringer aus Neumarkt am Wallersee mit seinem Kunstwerk „Wellenberg“ mit begehbarem Bronzeboot und gewann den Wettbewerb.

Ein Flug um den Großglockner brachte die entscheidende Idee

Weyringer verbrachte im Sommer 1997 eine Woche auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, um Ideen für sein Kunstwerk zu sammeln. Hans Knaus, der Vater des Roy Knaus und Besitzer des Hubschrauberunternehmens Heli Austria, nahm Weyringer auf einen Rundflug um den Großglockner mit. Dabei sah Weyringer geschuppte Schneeverfrachtungen, die er dann im Aufbau der Bodenplatten seines Wellenberges künstlerisch umsetzte.

Die Platten des Wellenbergs sind aus dem harten Serpentinit der Hohen Tauern, einem Chloritschiefer. Die wellenförmige Anordnung von Blöcken und Platten versinnbildlichen die Gebirgsbildung. Das begehbare elf Meter lange Bronzeboot auf der Spitze des Wellenberges steht für das Zeitgefühl der Menschen. Weyringer möchte die Besucher zu einer geistigen Zeitreise in die Vergangenheit einladen, als das Gebiet der Pasterze noch ein Almboden mit Weidevieh war. Erst eine kleine Eiszeit im Mittelalter ließ die Pasterze entstehen. Oder, wenn man der Sage Glauben schenkt, gottlose Sennerinnen und Senner wurden mit meterdicken Eisschichten mit dem Tode bestraft. Der Serpentinit wiederum stellt ein Urgestein dar, das sich einst auf dem Meeresgrund befand und durch die Faltung der Alpen im Bereich der Hohen Tauern an die Erdoberfläche gepresst wurde.

Wie der Wellenberg in Osttirol entstand

Bevor Weyringer mit der Umsetzung seiner Idee beginnen konnte, schuf er davon ein Modell im Garten seines Ateliers in Neumarkt am Wallersee. Dann musste er ein Boot im Originalmaßstab bauen, um es in Bronze gießen lassen zu können. Aber woher elf Meter lange Tannenholz-Bootsbretter hernehmen? Der Neumarkter Zimmermeister Schreder wusste Rat und wandte sich an das „Landesfürstlich privilegierte Schifferschützen-Corps Oberndorf an der Salzach“, bestehen doch dessen Zillen aus ähnlich langen Hölzern. Über die Schiffergarde erhielt Weyringer das passende Holz.

Der Bronzeguss erfolgte von Bildhauer Max Auböck in der Salzburger Glockengießerei Oberascher im Gusswerk in Salzburg-Kasern. Beide Unternehmen, sowohl die Zimmerei Schreder als auch die Gießerei Oberascher, gibt es heute nicht mehr.

Nachdem also das Boot geschaffen war, mussten geeignete Serpentinit-Platten im Steinbruch der Firma Lauster im Dorfertal in Osttirol gefunden werden. 200 Tonnen Krustenplatten, also Steinplatten mit Naturbruchseite, Platten, die beim Schneiden glatter Blöcke als Abfall anfallen, sammelte Weyringer im Laufe von gut einem Jahr. Ihm zur Seite standen mehrere Helfer und gemeinsam wurden die Platten im Steinbruch zum Wellenberg aufgebaut. Es entstanden Sitz-Steine, begehbare Flächen und Kantensteine, wie sich Weyringer bei seinem Flug über den Großglockner inspirieren ließ.

Dann wurden Platten und Bronzeboot auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe transportiert. Bis 2004 entstanden die Neugestaltung des Nationalparkplatzes durch einen Unterbau aus glatten Platten und die Fertigstellung des Kunstwerks „Wellenberg“.

Sepp Forcher über den Wellenberg

Steinerne Wellen
tragen ein erzenes Boot
in des Glockners eisiger Umgebung.
Menschlichem Denken schwer zugänglich
geschieht das Unfassbare:
Die Vermählung des Ewigen
mit dem Fließenden

Sepp Forcher[1]

Bildlink

Quelle

Einzelnachweis

  1. Quelle Johann Weyringer mit freundlicher Genehmigung der Veröffentlichung im Salzburgwiki via an Peter Peter Krackowizer