Glockengießerei Oberascher

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Die ehemaligen Werksanlagen in Salzburg-Kasern.
Die ehemaligen Werksanlagen in Salzburg-Kasern um 2010.
Ehemalige Werksanlage Glockengießerei Oberascher.
Werkshalle der ehemaligen Glockengießerei Oberascher.
Ehemaliger Feuerlöschteich der Glockengießerei Oberascher, jetzt Tümpelrest.

Die Glockengießerei Oberascher bestand von 1618 bis 2009 in der Stadt Salzburg.

Geschichte

Familienbetrieb

Von 1765 bis Ende 2003 befand sie sich in Familienbesitz. 1765 übernahm Johann Baptist Oberascher den Betrieb. Urkunden belegen, dass den Oberaschers auf Grund ihrer Verdienste verschiedene außerordentliche Rechte von den Landesherren verliehen wurden, so z. B. das Bau- und Schürfrecht für den Kupferbergbau in Mitterberg und am Radhausberg in den Hohen Tauern.

Die Glockengießerei im Fürsterzbistum

Bereits um 1430 ist eine Glockengießerei mit Meistern wie Jörg Gloppitscher nachweisbar, die bis etwa 1520 bestand. 1618 wurde die Gießerei als fürsterzbischöfliche Hof- und bürgerliche Stuck- und Glockengießerei von Jakob Lidl neu gegründet. Unter einem Stuckguss war vor allem der Guss von Kanonenrohren zu verstehen. Dieser Guss war vor allem auch im Dreißigjährigen Krieg und in den Türkenkriegen bedeutsam.

Der Betrieb war am Anfang in der Goldgasse beheimatet. Wegen der möglichen Feuergefahr übersiedelte der Betrieb unter Johann Hackhl vor das früher bestehende äußere Linzertor, heute Glockengasse 10, wo der Untergrund aber durch ständige Nässe wenig geeignet war. 1724 wanderte der Betrieb wieder weiter stadteinwärts in den Bruderhof an der Linzer Gasse. Dagegen protestierten die Nachbarn mehrfach; sie wiesen auf die Feuergefahr durch Funkenflug beim Gießen hin.

Als Salzburg im Zuge der Napoleonischen Kriege zwischen 1810 und 1816 an das Königreich Bayern fiel, durfte der Betrieb den klingenden Namen "königlich-bayrische Hofglocken- und Stuckgießerei" führen.

Die Glockengießerei in der 1. Republik

Als Kasern, an der Grenze zwischen Bergheim und Hallwang, im 20. Jahrhundert entstand, war die Glockengießerei einer der ersten Gewerbebetriebe, die sich dort 1919 ansiedelte. Zur eigenen Sicherheit legte der Betrieb einen großen Feuerlöschteich an, der als Tümpel erhalten ist.

Die Glockengießerei Oberascher 1939–1945

Im Juli 1939 stellte die Glockengießerei Oberascher noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs auf die Produktion von Haubitzen-Geschossen und Granaten um. Die Firma wurde damit ein wichtiger Lieferant für die Wehrmacht. Friedrich Thomas aus Nürnberg wurde damals zum Betriebsleiter bestellt. Im Oktober 1939 wurden bei Razzien im Unternehmen mehrere Arbeiter festgenommen. Von ihnen wurden später zehn wieder freigelassen, einer davon war der frühere Betriebsleiter.

Ab 1940 wurde auch der Glockengießereibetrieb von der Einberufungswelle erfasst. Der Mangel an heimischen Facharbeitern musste durch Fremdarbeiter ausgeglichen werden. Diese kamen zunächst aus den verbündeten Staaten, später aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Im Oktober 1942 trafen bei Oberascher die ersten 104 Ostarbeiter ein, etwa ein Drittel waren Frauen, die Mehrheit unter 20 Jahre alt. Bei den Männern war der Jüngste noch keine 15 Jahre alt gewesen. Eine ehemalige Zwangsarbeiterin erinnerte sich an verregnete, kalte Baracken, in denen sie wohnen mussten. Auch die Verpflegung war schlecht.

Mag. Thomas Weidenholzer, Historiker im Stadtarchiv Salzburg, berichtet von Exekutionen, die die Gestapo am 20. August 1943 an vier entflohenen "Ostarbeitern" vermeldete. Weidenholzer konnte in Recherchen über den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen weitere Opfer in Erfahrung bringen, in diesem Betrieb dürften mehr Opfer zu beklagen sein, als bisher bekannt. Manche starben an den Folgen der Arbeit, andere wurden in Konzentrationslager deportiert oder vor Ort ermordet. Die 17-jährige Halina Staschko erlag kurz vor der Befreiung am 1. Mai 1945 durch die Amerikaner ihren Schussverletzungen. Friedrich Thomas verließ nach 1945 den Betrieb und übersiedelte nach Deutschland.

Während der beiden Weltkriege war der Glockenguss eingestellt.

Die Geschichte nach 1945

1946 wurde der Glockenguss unter der Leitung von Georg Sippel wieder aufgenommen.

In den ersten Nachkriegsjahren, als das für Glockenbronze notwendige Zinn teuer und schwer erhältlich war, wurde auch viel in einer zinnarmen Sonderlegierung gegossen, bestehend aus ca. 60 % Kupfer, 29 % Zink, 6 % Blei und 5 % Zinn.

Nachdem das Absatzgebiet bereits in der Zwischenkriegszeit erheblich erweitert werden konnte, stieg der Glockenguss insbesondere nach 1948 rasant an, womit Oberascher sich innerhalb weniger Jahre zu einer der fünf großen Glockengießereien Österreichs sowie zu einem der größten Industriebetriebe des Landes entwickelte. Zwischen 1946 und 1972 entstanden insgesamt ca. 1 650 Glocken im Gesamtgewicht von 911 309 kg, viele davon gingen ins Ausland, z. B. nach Sydney in Australien und Bethlehem in Israel.

Am 7. Juni 1950 vernichtet ein Brand in der Glockengießerei den Dachstuhl und richtet in der Maschinenhalle großen Schaden an. 1961 wurde bei Oberascher, unter der Leitung von Ing. Georg Sippel, das größte Geläut in Österreich und im süddeutschen Raum für den Salzburger Dom mit insgesamt 32 439kg gegossen (davon entfallen 26 786 kg auf die Oberascher-Glocken) − ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Am 24. September 1961 läuteten die Glocken zum ersten Mal − ihre Gewichte: 14 256 kg, 8 273 kg, 2 518 kg, 1 025 kg und 715 kg.

Wegen der allgemeinen Sättigung – die im Krieg abgelieferten Glocken waren alle ersetzt – wurden ab den 1970er-Jahren bei Oberascher nur noch sehr wenige Glocken gegossen, weshalb man sich verstärkt dem Industrieguss widmete (Leichtmetalle und Gusseisen), der zunehmend das Hauptbetätigungsfeld der Firma darstellte.

Im Jahre 2002 war der Guss der 3,11 m großen Friedensglocke "Concordia 2000", der zweitgrößten je in Österreich gegossenen Glocke, die zu den zehn größten frei schwingenden Glocken der Welt zählt. Sie ruft auf dem Kronplatz in Südtirol in 2 280 m Seehöhe jeden Sonntag zum Frieden. Sie ist mit ihrem Gewicht von 18,2 Tonnen die größte Glocke Italiens.

Aufgrund der abnehmenden Nachfrage wurde 2003 der Glockenguss gänzlich eingestellt. 2004 wurde die Firma Oberascher mit neuen Eigentümern als Oberascher Manufaktur Gießerei & Handelsgesellschaft mbH. neu gegründet. Dort wurden überwiegend gewerbliche und industrielle Kleinserien, anspruchsvoller Kunstguss sowie individuelle Einzelstücke und Sonderanfertigungen gegossen. Aber leider musste dann auch die Oberascher Manufaktur Gießerei & Handelsgesellschaft mbH am 30. Dezember 2009 den Konkursantrag beim Salzburger Landesgericht stellen[1].

Die alten Firmenteile wurden in das Veranstaltungszentrum Gusswerk umgestaltet und dienen vor allem Festen und Firmenpräsentationen als interessanter Rahmen (z. B. präsentierte General Motors im August und September 2006 vor 5 400 Händlern aus aller Welt seinen neuen Opel Corsa).

Inhaber

  • Jakob Lidl (* um 1586 in München; † 1647 in der Stadt Salzburg) suchte am 29. Oktober 1618 um Erlaubnis an, eine Gießerei zu errichten und wurde so Gründer und erster Inhaber der Gießerei.
  • Johann Eisenberger (* um 1611 in Nürnberg; † 27. Dezember 1674 in der Stadt Salzburg) war der Schwiegersohn Lidls und leitete den Betrieb von 1650 bis 1674.
  • Benedikt Eisenberger (* um 1651; † 17. Juni 1723) übernahm den Betrieb 1674 nach dem Tod seines Vaters und führte ihn bis 1723.
  • Johann Hackhl (* 25. März 1704 in Gneixendorf bei Krems an der Donau, .; † um 1750) heiratete am 28. Februar 1724 die Witwe des Benedikt Eisenberger und übernahm dessen Betrieb.
  • Johann Georg Leschinger († 1759) heiratete nach Hackhls Tod am 31. August 1750 dessen zweite Frau Anna und übernahm den Betrieb. Nach Leschingers Tod führte seine Witwe den Betrieb zunächst allein weiter.
Grab der Familie Oberascher im Sebastiansfriedhof.
  • Johann Baptist Oberascher (* 17. Juni 1737 in Gnigl; † 1797) war Sohn eines Bauern und ist der Stammvater der Glockengießerdynastie Oberascher. Er erlernte den Glockenguss bei Johann Georg Leschinger (Meisterbrief 1753). Nach Leschingers Tod heiratete er am 7. Mai 1765 dessen Witwe und übernahm den Betrieb. Johann Baptist Oberascher gilt als der bedeutendste Gießer der Barockzeit in Salzburg. Bis zu seinem Tod 1797 goss er 83 namentlich angeführte Glocken.[2] Neben zahlreichen Glocken schuf er auch ganze Geläute, darunter eine der größten Gussleistungen der Barockzeit in Österreich, das Stiftsgeläute in Mondsee, dessen große Glocke ein Gewicht von 4 383 kg aufwies. Von diesem Geläute überdauerte nur die zweitgrößte Glocke die Kriege. Das Geläute für die Kirche St. Zeno in Bad Reichenhall dagegen ist noch vollständig erhalten (vier Glocken aus 17901791, die große mit 2 268 kg) und zählt zu den klangschönsten der Barockzeit.
  • Johann Oberascher (* 26. Jänner 1769;[3]23. Dezember 1847) übernahm die Gießerei nach dem Tod seines Vaters 1797 und führte sie bis 1835. Trotz Kriegszeit und Geldentwertung nahm unter ihm der Betrieb an Bedeutung zu. Für Salzburg und Umgebung lieferte die Gießerei 138 größere Glocken. Um der zunehmenden Nachfrage gerecht zu werden, sah sich Johann Oberascher 1810 veranlasst, den Betrieb zu erweitern und die alte Gießstätte vom Stammhaus in der Goldgasse in die Glockengasse und später in die Linzer Gasse zu verlegen. In Nonntal "vor der Schanze" erwarb der nunmehrige königlich-bayerische Stuk- und Glockengießer eine Werkstätte zum Drehen und Bohren von Kanonenrohren.[2] Im Zuge des großen Salzburger Stadtbrandes von 30. April bis 4. Mai 1818 brannte auch die Gießerei der Firma Oberascher bis auf die Außenmauern ab. Nachdem Johann Oberascher sich bereits am 13. Mai 1818 an die zuständige Salzburger Baukommission mit Plänen zum Wiederaufbau seiner Gießerei gewandt hatte, durfte er den Betrieb zunächst jedoch nicht neu errichten. Hintergrund hierfür war, dass es bereits seit 1810 zu wiederholten Auseinandersetzungen mit den Anrainern über die Gießerei und die damit zusammenhängende Brandgefahr für die Nachbarobjekte gekommen war. Zunächst wurden mehrere Sachverständige und die Landesregierung mit den Wiedererrichtungsplänen der Gießerei Oberascher befasst. Johann Oberascher wandte sich in weiterer Folge direkt an Kaiser Franz I. und bat diesen um seine Unterstützung, insbesondere mit dem Argument, dass die Gießerei mit ihrer Kanonenproduktion auch für das Militär des Habsburgerreiches von Bedeutung wäre. Die Firma Oberascher setzte sich letzten Endes gegen alle Einwände durch und mit dem Einlangen einer allerhöchsten Entschließung konnte die Gießerei schließlich bis zum Juni 1819 wieder neu errichtet werden.[4] Von Johann Obderascher stammt auch das 1818 gegossene große hydraulische Solpumpwerk für die Saline in Bad Reichenhall. Das Pumpwerk gilt allgemein als ein Meisterwerk der Gießkunst und ist heute im Technischen Museum in München ausgestellt.[2]

Der bürgerliche Stuk und Glockengießer starb im 79. Jahre seines thätigen Lebens und wurde im Sebastiansfriedhof beigesetzt, seine Gattin Anna Wagner war ihm schon fünf Jahre früher, am 27. August 1842, vorangegangen.

  • Franz Oberascher I (* 19. November 1802; † 13. März 1877) übernahm 1835 die Gießerei seines Vaters. Von ihm stammen 264 größere Glocken. In seine Zeit fiel die große "Umgusswelle", während der unzählige Pfarrgemeinden ihre alten, nicht zusammenstimmenden Glocken zu größeren, harmonischen Geläuten umgießen ließen. Von seinen zahlreichen Glocken haben nur wenige die beiden Weltkriege überstanden. Zu den bedeutendsten Werken zählten die großen Glocken für Bad Ischl (2 179 kg), der Stadtpfarrkirche Steyr (2 906 kg) und des Benediktiner-Erzstifts St. Peter (2 178 kg) sowie die Geläute für Hallein (4 751 kg), für die Benediktinerinnenabtei Nonnberg (3 457 kg) und Mariapfarr (4 368 kg). 1874 übergab er den Betrieb in Folge seines Alters seinem Neffen Josef.
  • Josef Oberascher (* 1844; † 1911) leitete die Gießerei von 1874 bis 1907. Von ihm stammen zahlreiche Glocken, hauptsächlich für Salzburg, aber auch Oberösterreich. Er profitierte ebenfalls noch von der großen "Umgusswelle". Josef Oberascher verwendete eine Barockrippe, die er von Franz Oberascher I. übernommen haben dürfte, da sie dasselbe Klangverhalten zeigt. Die Geläute für die Klosterkirche in der Wallfahrtsbasilika Maria Puchheim (4 065 kg) und der Salzburger Andräkirche waren neben der großen Glocke für Mattighofen (2 394 kg) seine bedeutendsten Werke.
  • Franz Oberascher II (* 7. August 1870; † 5. Mai 1942) übernahm 1907 den Betrieb von seinem Vater und leitete ihn bis 1939. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden noch zahlreiche Geläute gegossen, die größten davon für Hochburg (2 277 kg) und die Herz-Jesu-Kirche in Wels (OÖ.) (5 140 kg). Zu den bedeutendsten Glocken aus dieser Zeit zählt die große Glocke der Stadtpfarrkirche Mülln, gegossen am Tag der Kriegserklärung 1914, welche bis heute erhalten ist und zu den wertvollsten Glocken des Historismus in Österreich zählt. Ansonsten blieben aus der Zeit vor 1914 nur zwei kleinere Glocken erhalten. Auch von seinen Zwischenkriegsgeläuten blieben nur einzelne kleinere Glocken erhalten, alle anderen wurden während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen. Zu den wenigen erhaltenen Werken zählt die große Glocke von der Wallfahrtsbasilika Maria Plain, genannt die "Stürmerin" (2 018 kg), welche als besonders klangvoll und wertvoll gilt. Sein Sohn Franz Oberascher III (* 1898; † 1944) fiel im Zweiten Weltkrieg.
  • Dorothea Sippel, geborene Oberascher (* 16. Jänner 1913; † 9. Februar 1995)
  • Maria Schreiner, geborene Oberascher (* 8. März 1900; † 1. März 1982). Nach dem Tod von Franz Schreiner (24. August 1938), dem Ehemann von Maria Oberascher, waren ebendiese sowie ihre beiden Geschwister Franz Oberascher III und Dorothea Sippel zu gleichen Teilen Eigentümer. Nach dem Tod von Franz Oberascher III übernahmen nach dem Krieg die beiden Schwestern dessen Anteile. Georg Sippel (* 11. November 1905; † 17. Juni 1993) kam nach dem Krieg nach Salzburg und heiratete Dorothea Oberascher. Unter seiner Leitung wurde 1946 der Glockenguss wieder aufgenommen. Auf ihn gehen die ab 1948 verwendeten modernen Glockenrippen zurück. Sein Tod stellte die Glockengießerei bei Oberascher vor große Probleme, da Sippel keine schriftlichen Unterlagen zu seinen Rippenkonstruktionen hinterließ und seine Kenntnisse auch sonst nicht ausreichend weitergegeben hatte. Daher gingen die meisten seiner Rippenkonstruktionen verloren.
  • Franz Schreiner (* 10. Oktober 1926), Sohn Maria Schreiners, übernahm zu seinem 50. Geburtstag die Anteile seiner Mutter.
  • Hartwig Sippel (* 9. September 1953), die Familie Sippel übernahm ab 1983 als Alleineigentümer den Betrieb.
  • Bis 1993 verblieb die Gießerei im Besitz der Familie Sippel.

Das Unternehmen hatte zwei Zweigniederlassungen:

  • in der Salzburger Straße in Bad Reichenhall, gegründet 1819 von Johann Oberascher II, dem Sohn Johann Oberaschers. Diese Firmengründung war eine Folge des Wiener Kongresses mit dem Salzburg an das Kaisertum Österreich fiel und die Gießerei in der Folge aufgrund von Zollschranken gehindert war ins benachbarte Bayern zu liefern. Johann Oberascher II. arbeitete bis 1840 und goss für die umliegenden Ortschaften 96 Glocken. Ihm folgte sein Sohn Anton Oberascher (* 1809; † 1873), der ca. 200 Glocken goss. Sein Nachfolger Franz Sales Oberascher (* 1854; † 1908) versorgte Oberbayern zwischen 1873 und 1908 mit ca. 80 Glocken. Damit erlosch diese Linie.[2]
  • In München übernahmen Rupert und Rudolf Oberascher, Söhne von Josef Oberascher, 1899 die dort ansässige Gießerei des Josef Strasser. Dieser Betrieb bestand bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Das berühmteste Werk aus dieser Firma ist das Glockenspiel für das Neue Rathaus in München, bestehend aus 43 Glocken, welches als ein Wahrzeichen der Stadt angesehen wird.[5][6]

Glockenproduktion

Georg Sippel (r.) vor der Salvatorglocke (1961).
Weihe der Salzburger Domglocken am 24. September 1961.
Weihe der Domglocken von einem Klostertrakt der Benediktiner-Erzabtei St. Peter aus gesehen.

Von den Gießern vor Johann Baptist Oberascher sind nur wenige und kleine Glocken erhalten. Unter den Werken der Familien Oberascher und Sippel befinden sich folgende bedeutende Werke:

Glocken von Johann Baptist Oberascher:

Glocken von Johann Oberascher:

  • Stadtpfarrkirche in Schwanenstadt, OÖ.: sechsstimmiges Geläut mit einem Gesamtgewicht von 3 962 kg (nicht erhalten).

Glocken von Franz Oberascher I:

Glocken von Josef Oberascher:

  • Wallfahrtsbasilika Maria Puchheim: fünfstimmiges Geläut auf c1 mit einem Gesamtgewicht von 4 065 kg, gegossen 18911892 (nicht erhalten).
  • Andräkirche in der Salzburger Neustadt:fünfstimmiges Geläut vermutlich auf h0, gegossen 1898 (nicht erhalten).

Glocken von Franz Oberascher II:

  • Herz-Jesu-Kirche Wels: sechsstimmiges Geläut auf c1 mit einem Gesamtgewicht von 5 140 kg, gegossen 1911 (nicht erhalten).
  • Pfarrkirche Mülln in Salzburg: große Glocke mit Schlagton c1 und einem Gewicht von 2 433 kg (erhalten), gegossen am Tag der Kriegserklärung 1914.
  • Pfarrkirche Söll : vier Glocken auf b0, gegossen 1920 (nicht erhalten).
  • Benediktinerinnenabtei Nonnberg in Salzburg: vier Glocken auf c1, gegossen 1921 (nicht erhalten).
  • Pfarrkirche Bad Hall, OÖ.: fünfstimmiges Geläut auf h0, gegossen 1923 (nur Glocke 4 erhalten).
  • Pfarrkirche Bartholomäberg, Vorarlberg: fünfstimmiges Geläut auf h0, gegossen 1923 (nicht erhalten).
  • Pfarrkirche Zams, Nordtirol: sechsstimmiges Geläut auf h0 mit einem Gesamtgewicht von 8 035 kg, gegossen 1923 (nicht erhalten).
  • Andräkirche in Salzburg-Neustadt: vier Glocken auf h0, gegossen 1924 (nicht erhalten).
  • Stadtpfarrkirche in Hallein: fünfstimmiges auf h0, gegossen 1926 (nicht erhalten).
  • Wallfahrtskirche Maria Plain: fünf Glocken auf cis1, gegossen 1927 (nur die große Glocke ist erhalten).
  • Salzburger Dom: vier Glocken auf c1, gegossen 1928 als Ergänzung älterer Glocken (nicht erhalten).

Glocken von Georg Sippel:

  • Benediktinerinnenabtei Nonnberg in Salzburg: fünfstimmiges Geläut auf h0, gegossen 1947.
  • Pfarrkirche Hopfgarten im Brixental: sechsstimmiges Geläut in Sonderlegierung auf b0, gegossen 1948.
  • Pfarrkirche Reutte: fünfstimmiges Geläut auf h0, gegossen 1948.
  • Pfarrkirche Söll: fünfstimmiges Geläut aus Sonderlegierung auf a0, gegossen 1948.
  • Basilika Mondsee: vier Glocken aus Sonderlegierung auf as0, gegossen 1949 als Ergänzung zur alten Glocke von Johann Baptist Oberascher.
  • Wallfahrtskirche Bildstein: fünfstimmiges Geläut aus Sonderbronze auf b0, gegossen 1949.
  • Dekanatspfarrkirche Saalfelden: fünfstimmiges Geläut aus Sonderlegierung auf a0, gegossen 1949.
  • Pfarrkirche Dornbirn-Oberdorf: fünfstimmiges Geläut auf b0, gegossen 1949.
  • Dekanatspfarrkirche Sillian, Osttirol: fünf Glocken aus Sonderlegierung auf b0, gegossen 1949 als Ergänzung zu einer alten Glocke von Hans Christof Löffler. Nach einem Sprung wurde die große Glocke 2012 durch eine neue der Glockengießerei Eijsbouts ersetzt.
  • Pfarrkirche in Feldkirch-Altenstadt: vier Glocken aus Sonderlegierung auf a0, gegossen 1950 als Ergänzung zu einer älteren Glocke (heute Glocke 3).
  • Pfarrkirche Köstendorf: dreistimmiges Geläut aus Sonderlegierung auf b0, gegossen 1950.
  • Pfarrkirche in Mariapfarr: fünfstimmiges Geläut auf c1 mit einem Gesamtgewicht von ca. 5 900 kg, gegossen 1950.
  • Stadtpfarrkirche Wörgl: fünfstimmiges Geläut auf b0, gegossen 1950.
  • Klagenfurter Dom: fünfstimmiges Geläut auf c1, gegossen 1951.
  • Pfarrkirche Höchst (Vorarlberg): drei Glocken auf b0, gegossen 1951 als Ergänzung zu zwei Stahlglocken. Dieses Geläut wurde 2005 durch ein siebenstimmiges Geläut der Glockengießerei Bachert ersetzt.
  • Pfarrkirche Bartholomäberg: vierstimmiges Geläut auf h0, gegossen 1952.
  • Pfarrkirche St. Leonhard im Lavanttal: vierstimmiges Geläut auf h0, gegossen 1957.
  • Stadtpfarrkirche St. Xaver, Leoben: fünf Glocken auf b0, gegossen 1959 als Ergänzung zu einer Barockglocke (heute Glocke 3).
  • Salzburger Dom: fünf Glocken auf es0, gegossen 1961 als Ergänzung zu zwei alten Glocken (heute Glocken 2 und 5). Das Salzburger Domgeläute ist mit insgesamt 32 438 kg (davon entfallen 26 786 kg auf die Oberascher-Glocken) das schwerste und tontiefste Geläut Österreichs (die Pummerin im Wiener Stephansdom läutet nur solistisch und ist daher nicht Teil des Geläuts). Die große Salvatorglocke ist mit 14 256 kg die zweitgrößte Glocke Österreichs, die Rupertusglocke nimmt bezüglich ihres Gewichts von 8 273 kg immerhin den siebenten Platz ein.
  • Herz-Jesu-Kirche in Bregenz, Vorarlberg: fünfstimmiges Geläut auf g0 mit einem Gesamtgewicht von 10 865 kg, gegossen 1963. Die große Glocke wiegt 5 270 kg und hat einen Durchmesser von 209 cm.
  • Stadtpfarrkirche in Hallein: sechsstimmiges Geläut auf h0, gegossen 1968.
  • Andräkirche in Salzburg-Neustadt: drei Glocken auf b0, gegossen 1968 als Ergänzung zu einer alten Glocke (heute Glocke 3).
  • Pfarrkirche Anif: fünfstimmiges Geläut auf b0, gegossen 1972 als Ergänzung zu einer kleinen Glocke.

Glocken nach 1993:

  • Pfarrkirche Jennersdorf: fünfstimmiges Geläut auf cis1, gegossen 1996.
  • Dreifaltigkeitskirchein Salzburg: drei Glocken auf c1, gegossen 1999.
  • Kronplatz in Südtirol: Concordia 2000 mit Schlagton cis0, gegossen 2002. Diese Glocke ist mit 18 100 kg Gewicht und 311 cm Durchmesser nicht nur die größte Glocke, die je bei Oberascher hergestellt wurde, sondern eine der größten Glocken Europas. Sie zählt zu den letzten Werken dieser Gießerei.

Weblink

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle Salzburger Wirtschaft (Zeitung), 8. Jänner 2010, "Konkurse, Eröffnungen"
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Augustin Jungwirth: Die Glocken und Glockengießer Salzburgs. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 75, 1935
  3. Er wurde von Kaplan Leopold Lamprecht im Salzburger Dom auf den Namen Johann Bap. Franz getauft; Archiv der Erzdiözese Salzburg, Salzburg-Dompfarre, Taufbuch TFBIX/2 1756–1814. Siehe: Bildnummer 03-Taufe_0252, aufgerufen am 10. April 2017.
  4. Erich Marx: Wiederaufbau oder Abbruch, in Erich Marx, Peter Husty, Peter F. Kramml [Hrsg.] „Die Flammen lodern wütend“ - Der große Salzburger Stadtbrand 1818, S. 185 f., Stadtarchiv und Statistik der Stadt Salzburg, Salzburg 2018
  5. Ein Glockenspiel für 6913 Mark. In: Süddeutsche Zeitung
  6. Laim - Ein Klang verhallt. In: Süddeutsche Zeitung