Wer nichts tut, muss scheitern

Wer Eintrittskarten hat oder einen Plan fürs Wochenende, sollte sich rasch besinnen: Tun Sie nichts!

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Spielplan 10/08 Bernhard Flieher
 Nur wer das Nichtstun in ein Tun verwandelt, kann mit dem Nichtstun erfolgreich sein.  SN/sn
Nur wer das Nichtstun in ein Tun verwandelt, kann mit dem Nichtstun erfolgreich sein.

Am Rand von Ausstellungseröffnungen geht es selten um Kunst. Vielleicht geht es um das Geschäft mit der Kunst (je nach Worldwide-Wichtigkeit der Galerie), Aber beim Kunstgeschäft da können die meisten nicht mithalten. Plaudern tun sie dann trotzdem drüber. Weit interessanter und quotentauglicher als der Weg hinein in das Wesen der Kunst, ist es ja für viele, dem Geld zu folgen, das da ausgeben wird für die Kunst. Und gemeint sind jetzt nicht die Eintrittskarten. Was also verdient so ein Jedermann? Den Tod. Was kostet so ein Bild? Mehr als man glaubt. Wieviel kriegt ein Opernstar? Genug.

"Mich kann man kaufen und es gibt mich im Sonderangebot, ja ich bin käuflich zu zwar täglich rund um die Uhr", sangen die Toten Hosen vor vielen Jahren. Und die Toten Hosen sind angeblich ein Punk-Band. Aber es herrscht landläufig die Ansicht, dass alles und jeder seinen Preis hat. Das Blöde ist bloß, das die richtige Summe viel zu selten geboten wird. Was also hat keinen Preis? Die Leere zum Beispiel. Oder das Nichtstun. So denke ich jedenfalls zunächst.

Denn nun, vor der Galerie bei der Aussstellungseröffnung, geht die Red' dann nicht darauf, was die Kunst in der Galerie kostet, sondern was es wert sein kann, einmal nichts zu tun. Einer kann sich das gar nicht vorstellen, nichts zu tun, weil ihn die Inspiration immer antreibe. Das wieder kann sich eine andere nicht ausmalen. Sie brauche die Zeit des Müßiggangs, ja einer gewissen Langweile sogar. Und ein Dritter, übrigens mit einem Kunstmagazin unter dem Arm, erinnert sich, zu diesem Thema einen wertvollen Artikel gelesen zu haben. Unter dem Titel "Nichts, niente, nada" hatte die deutsche Zeitung die "Welt" auch wirklich Tipps gegeben, wie man am besten nichts tut.

Das ist, denke ich beim Mithören, eine feine Sache. Tipps und Ratgeber gibt es ja nie genug - das weiß jeder, der in einer mittelmäßigen Buchhandlung in einem Einkaufszentrum in die Abteilung kommt, die dann dort tatsächlich "Sachbuch" genannt wird. Nun also, auch wenn die meisten wohl schon Karten haben für einen Festspielabend, oder das Wochenende aktiv am See oder am Berg gestalten wollen, kommen jetzt Tipps fürs Nichtstun. Nichts wie ins Archiv also und den Artikel aus der "Welt" nachlesen.

Das steht dann: "Zur Vorbereitung auf das Nichtstun setzen Sie das Nichtstun bitte erst einmal auf Ihre To-do-Liste." Glücklich, wer so eine überhaupt hat. Und wer keine hatte, sollte sie vor dem Nichtstun schleunigst erfinden, denn der Weg zum Nichtstun führt zwangsweise nicht über spontanes Nichtstun, sondern über eine To-Do-Liste. Man solle diesen Eintrag auf der Liste, steht da weiter, "im klaren Bewusstsein, das dieser Akt dem Geist des Nichtstuns zutiefst widerspricht" erledigen. Nur wer das Nichtstun in ein Tun verwandelt, kann mit dem Nichtstun erfolgreich sein. Nur wer es "ordnungsgemäß erledigt" und wer den "Punkt dann befriedigt von der Liste streicht", gewinnt. Dann, und nur dann, dokumentiere man aber auch schon wieder "sein Scheitern am Vorhaben des Nichtstuns, das eben kein Tun ist und folglich auch nicht getan werden kann".

Und - es tut mir leid, damit muss ich für heute enden -, ich schreibe jetzt schnell diese Liste, bevor ich ins Theater muss und morgen dann zur nächsten Vernissage, wo ich nichts tue, als den nächsten Gesprächen über den Wert der Kunst zu lauschen, um wieder was zum Schreiben zu haben. Denn ich folge der "Welt": "Das Nichtstun ist ein Paradox, eine logische Unmöglichkeit, und bleibt trotzdem die ernsthafteste, wichtigste und vielleicht sogar schönste Tätigkeit von allen", steht da.

Aufgerufen am 17.10.2018 um 06:01 auf https://www.sn.at/kolumne/blog/wer-nichts-tut-muss-scheitern-38607043

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