18 Jahre Brüsseler Rampenlicht waren genug

Helmut Weixler hat Europas Grünen 18 Jahre lang eine Stimme nach außen gegeben - und dann den idealen Job gefunden.

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Frühstück in Brüssel Monika Graf

Von einem Parlament kennt man bestenfalls den einen oder anderen Abgeordneten und meist den Präsidenten. Das ist beim Europaparlament nicht anders. Hinter den 751 Mandataren aus den 28 EU-Ländern steht ein großer, anonymer Verwaltungsapparat, der die Arbeit organisiert und strukturiert: 7600 Beamte, Vertragsbedienstete, Mitarbeiter auf Zeit; verteilt auf die drei Arbeitssitze Brüssel, Luxemburg und Straßburg und zig Gebäude. Sie kümmern sich um alles von Lohnverrechnung über Pressearbeit bis hin zur Security. In der öffentlichen Wahrnehmung kommen sie kaum vor.

Helmut Weixler, einflussreicher Beamter in diesem Apparat, findet das ganz angenehm. Der gebürtige Grazer und erste EU-Korrespondent des "profil" (schon vor Österreichs Beitritt) war oft genug vor dem Vorhang, als er noch als Sprecher der europäischen Grünen tätig war. 300 Bewerber um den Job gab es 1996, so erinnert er sich bei einem Cappuccino im "Caffelatte" in unmittelbarer Nähe seines Arbeitsplatzes. Schön ist das Lokal nicht, aber es gibt exzellenten italienischen Kaffee und es ist in der Früh schon voller italienischer Stammgäste. Weixler bekam den begehrten Job und machte ihn 18 Jahre lang. Vielleicht hat seine ruhige, freundliche Art, mit der er auch politische Diven wie Claudia Roth, Monica Frassoni oder Daniel Cohn-Bendit dirigierte, den Ausschlag gegeben. Wahrscheinlich hat auch sein Schreibtalent geholfen. Im "profil" formulierte er einmal den genialen Satz: "Ich bin schon seit zehn Kilo in Brüssel" - in Anspielung auf die Gewichtszunahme vieler Neo-Brüsseler, auch seiner eigenen.

Seit dem Wechsel in die Parlamentsverwaltung 2014 kümmert sich Weixler um die Kontakte des EU-Parlaments mit Zentralamerika, Kuba und Chile. Ein Glücksgriff für beide Seiten. Der gelernte Ökonom hat in den 1980er- Jahren in Rio de Janeiro gearbeitet und studiert, spricht fließend Portugiesisch und Spanisch. Verliebt hat er sich in Brasilien im Alter von ungefähr neun Jahren. Seine Mutter hatte mit ihm die Serie "Traumstraßen der Welt" angesehen - darunter die Panamericana. Jetzt ist er mindestens zwei Mal im Jahr in Lateinamerika, hält Kontakte zur Zivilgesellschaft, Ministerien und der Wirtschaft, organisiert die Reisen von Parlamentsdelegationen und schreibt Briefings für die beiden jährlichen Versammlungen. 44 solcher Delegationen gibt es im EU-Parlament, sie sind zuständig für Kontakte in nahezu alle Teile der Welt. Sekretariate, aufgeteilt nach fünf geografischen Zonen, arbeiten den Parlamentariern zu.

Weixler lebt seine Liebe zu Brasilien auch in Brüssel. Vor fünf Jahren hat er seinen brasilianischen Lebensgefährten geheiratet. Zu Brüssel hat er nach wie vor ein zwiespältiges Verhältnis, obwohl er seit 23 Jahren hier lebt. Die Stadt sei sehr lebendig, sagt er, aber manchmal fühle er sich "wie in der Dritten Welt", vor allem im Umgang mit Behörden. Sein Antrag auf Verpartnerung wurde souverän ignoriert - und erst bearbeitet, als er nach knapp einem Jahr persönlich im Rathaus nachfragte.

Aufgerufen am 11.12.2018 um 02:56 auf https://www.sn.at/kolumne/fruehstueck-in-bruessel/18-jahre-bruesseler-rampenlicht-waren-genug-544579

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