Österreichs neuer EU-Botschafter übersiedelte aus Berlin

Nikolaus Marschik ist der neue Botschafter Österreichs bei der EU. Der Diplomat muss einen Schnellstart hinlegen.

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Frühstück in Brüssel Monika Graf
Nikolaus Marschik im Gespräch mit SN-Redakteurin Monika Graf. SN/mg
Nikolaus Marschik im Gespräch mit SN-Redakteurin Monika Graf.

Er wird es, er wird es nicht, er wird es vielleicht doch, dann tatsächlich. Was wurde in den Medien und unter den Österreichern in Brüssel in den vergangenen Monaten spekuliert, wer neuer Botschafter in Brüssel wird.

Nikolaus Marschik galt von Anfang an als Favorit, doch es dauerte bis Mai, bis die Regierung in Wien endlich entschieden hatte. Der frühere Kabinettschef der ÖVP-Außenminister Ursula Plassnik, Michael Spindelegger und Sebastian Kurz galt - obwohl kein ÖVP-Mitglied - für die SPÖ als eher schwer verdaulich. Außerdem war er in den vergangenen zweieinhalb Jahren Botschafter in Berlin, ein besonders wichtiger Posten, der jetzt vakant ist.

Vor knapp drei Wochen ist der 46-jährige promovierte Jurist in Brüssel angekommen. Die Kisten in der Residenz sind noch nicht fertig ausgepackt, auch weil Marschik sofort so viele Termine wie möglich vereinbart hat. Ein Kaffee mit den SN im La Fontaine, einem zentral gelegenen Lokal im EU-Viertel, geht sich dennoch aus, bevor er zum Gespräch mit seinem italienischen Kollegen weitereilt. Ein Drittel der EU-Botschafter hat er schon getroffen, ebenso Österreichs EU-Kommissar Johannes Hahn sowie die Vizepräsidentin des EU-Parlaments und grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek. Mit den übrigen EU-Parlamentariern hat er telefoniert und auch mit den Interessenvertretern und den Abgesandten schon über ihre Anliegen gesprochen.

Marschik, der als harter Arbeiter, effizient, umgänglich und extrem loyal gilt, muss einen ziemlichen Schnellstart hinlegen. Denn in weniger als zehn Monaten übernimmt Österreich im EU-Rat den Vorsitz, schon vorher sind zahllose Abstimmungsarbeiten notwendig. Die Jahre in Berlin seien da ein großer Vorteil, sagt der Diplomat. Etliche Botschafter, die heute in der EU-Hauptstadt sind - eine kleine "Berliner Gruppe" -, kennt er schon von dort, wie den spanischen EU-Vertreter oder die Botschafterin des derzeitigen EU-Vorsitzlandes Estland.

Brüssel ist für ihn Neuland, auch wenn er "in jeder Etappe" seiner Karriere mit der EU zu tun hatte. Nach dem Studium kam er vom Boltzmann-Institut für Menschenrechte in das Völkerrechtsbüro des Außenamts und nach einer kurzen Station bei der UNO in Genf zum Generalsekretär im Außenamt, wo er rasch bis zum Sektionschef aufstieg. Als Kabinettschef sei er immer wieder bei EU-Treffen in Brüssel gewesen, sagt der Spross einer Wiener Diplomatenfamilie. Marschiks Vater bekleidete Botschafterposten in New York, Kopenhagen, Rabat und Kuala Lumpur. Sein älterer Bruder Alexander ist politischer Direktor im Außenministe rium.

Dass die beiden in Linz geboren sind, hat mit einem besonderen Wunsch ihrer Mutter zu tun: Sie ist zur Geburt ihrer Kinder in die Heimatstadt gefahren, wo ihre Eltern lebten. So lässt sich auch Marschiks Zuneigung zum Linzer Fußballclub LASK erklären.

In Belgien müsse er sich erst einen Club suchen, meint er, auch wenn für einen Besuch auf dem Fußballplatz in den nächsten Monaten wohl wenig Zeit bleiben wird.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 09:13 auf https://www.sn.at/kolumne/fruehstueck-in-bruessel/oesterreichs-neuer-eu-botschafter-uebersiedelte-aus-berlin-17061697

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