Wo die besten Pommes der Welt zu haben sind

Auch Angela Merkel hat schon bei Brüssels bester Pommesbude gegessen. Der Betreiber Bernard Lemort kann noch mehr erzählen.

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Frühstück in Brüssel Monika Graf

Einen Gastwirt wie Bernard Lemort trifft man natürlich in seinem eigenen Lokal zum Frühstück. Chez Bernard ist eine typische gemütliche, holzvertäfelte belgische Bierstube, wie es sie immer seltener gibt - gerade mitten im
EU-Viertel. Der gebürtige Franzose hat 1978 aufgesperrt, mittlerweile gehören ihm zwei weitere Lokale auf dem Place Jourdan. Eine lokale Berühmtheit geworden ist er aber als einer der drei Betreiber der wohl besten Pommesbude der Welt: des Maison Antoine, eines Mekkas der Freunde der frittierten Kartoffel.

Auch Angela Merkel isst in einer langen Gipfelnacht in Brüssel dort die eine oder an dere Portion Pommes; österreichische Regie rungsmitglieder finden hier Ersatz für den heimischen Würstelstand. Die deutsche Bundeskanzlerin muss sich aber, anders als die normalen Kunden, nicht in die lange Schlange einreihen, die sich vor dem kleinen runden Häuschen auf dem Platz, keine zehn Gehminuten vom EU-Ratsgebäude entfernt, fast immer bildet. Ausnahmen gebe es nur für wirklich wichtige Gäste, sagt Lemort, wie eben Merkel oder den französischen Rocksänger Johnny Hallyday. Wer Pommes ergattert hat, darf sich mit seinem Stanitzerl dann in fast jedes der Lokale auf dem Platz setzen; ein Schild "Partenaire de la Maison Antoine" weist darauf hin. Auch das war eine Idee von Bernard Lemort - schon als Antoine Desmet, der Gründer der Pommesbude, noch von seinem Anhänger aus verkaufte.

Das Maison Antoine steht heute in jedem guten Reiseführer. Was dort nicht steht, sind die Veränderungen, die der Pommesstand und der Platz in den vergangenen 40 Jahren erfahren haben. Bernard Lemort, 68, hat sie alle gesehen - wie aus dem einst sehr einfachen Arbeiterbezirk ein teures Eurokratenviertel wurde, wie die EU-Institutionen gewachsen sind, die vielen kleinen Nahversorger, die Fleischer, die Fischhändler, die Schneidereien weggezogen sind und immer mehr Lokale an ihrer Stelle eröffnet wurden, zunächst belgische Brasserien und griechische Tavernen, heute schicke Weinbars und Kaffeeröstereien. Und er hat, so wie alle in dem Viertel, die Preise den hohen EU-Hauptstadtstandards angepasst. Fast zwei Euro mehr als in den einfacheren Gegenden kostet ein großes Bier auf dem Place Jourdan. Die Brüsseler aus dem Bezirk kommen deshalb kaum mehr hierher. Und diese soziale Trennung sei auch notwendig, meint er: "Die EU-Europäer wollen niemanden, der schlecht angezogen ist, neben sich sitzen haben."

In der Früh kommt noch manchmal ein Mitarbeiter des Bezirksamts auf einen Espresso oder auch einer der Straßenkehrer zum Aufwärmen. Jeder kennt und grüßt jeden um diese Zeit. Aber die gemütlichen Tage sind vorbei, die meisten haben es zu eilig - sogar für einen schnellen Kaffee zwischendurch.

In den nächsten Monaten müssen sich Wirt wie Gäste nach Alternativen umsehen, denn der Platz wird komplett umgestaltet. Auch Chez Bernard wird kurzzeitig geschlossen und ein wenig überarbeitet. Und das Mai son An toine? Das Gebäude wird neu gebaut. Die Pommes werden in der Zwischenzeit, wie zu Beginn, aus einem Anhänger verkauft.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 08:06 auf https://www.sn.at/kolumne/fruehstueck-in-bruessel/wo-die-besten-pommes-der-welt-zu-haben-sind-501124

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