Bitte warten, Frau Superstar! Thiem wurde zum Spielball

Serena Williams und der Internationale Verband sorgten für einen Eklat, den sich Dominic Thiem nicht gefallen ließ. Aber was hat das mit Feminismus zu tun?

Autorenbild
Netzroller Christian Mortsch

Fuchsteufelswild, obwohl er zuvor ins Achtelfinale eingezogen war, hat Dominic Thiem am Samstagabend Roland Garros verlassen. Denn Österreichs Tennisstar ließ es sich nicht gefallen, dass er zum Spielball von Serena Williams und dem Internationalen Verband ITF wurde. Was war passiert? Thiem war mitten in der Pressekonferenz, als diese unterbrochen und der Raum für die US-Amerikanerin geräumt wurde. "Ich muss den Raum verlassen, weil sie vor der Tür steht? Ich meine, was zur Hölle? Ich bin doch kein Junior mehr. Das kann nicht euer Ernst sein. Das ist ein Witz, wirklich", tobte Thiem, nachdem er noch kurz in einem anderen Raum Platz genommen hatte. Diesen verließ er dann mit den Worten: "Dann mach ich eben auch, was ich will." Das Video geht im Internet viral.

Williams, die Minuten zuvor überraschend früh ausgeschieden war, wollte die Anlage so schnell wie möglich verlassen. Doch auch eine 23-fache Grand-Slam-Siegerin hat zu warten. Williams, die schon oft ihr Image als schlechte Verliererin bewiesen hat, trifft diesmal aber nicht die alleinige Schuld. Sie soll angeboten haben, in den kleineren Raum, in dem wiederum nicht die komplette Medienschar Platz gefunden hätte, auszuweichen. Das wollten ITF und Veranstalter nicht. Eine derartige Vorgehensweise von Williams und der ITF gegenüber allen Beteiligten ist an Frechheit und Respektlosigkeit nicht zu übertreffen. Turnierdirektor Guy Forget entschuldigte sich für das Verhalten seiner Mitarbeiter. Von Williams war diesbezüglich - wenig überraschend - auch bis zum nächsten Abend nichts zu hören.

Dem nicht genug, leistet sich noch eine dritte Partei einen Fehltritt und löst mit dem Eklat eine Feminismus-Debatte aus. "Eine Art Sieg des Feminismus", twitterte einer der renommiertesten Tennis-Journalisten aus den USA. Wofür er einen Shitstorm erntete. Thiems Kollegenschaft, Damen oder Herren, stellten sich auf seine Seite. Ist das Feminismus-Thema hier völlig fehl am Platz, so war die Reaktion des Österreichers, obwohl sie auch auf Kosten der wartenden Medien ging, verständlich. Selbst wenn er nicht Nummer vier der Welt wäre und "nur" Mitläufer. Vor nicht allzu langer Zeit hätte sich das Thiem noch gefallen lassen. Der 25-Jährige hat sich aber als Persönlichkeit entwickelt, traut sich etwas zu sagen.

Das Verhalten der Verantwortlichen versteht auch Roger Federer nicht. "Wer noch im Turnier ist, hat Vorrang. Wenn ich verliere, richte ich mich nach dem Sieger", sagt der Schweizer, der Thiem als "männlichen Superstar" adelte.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 10:20 auf https://www.sn.at/kolumne/netzroller/bitte-warten-frau-superstar-thiem-wurde-zum-spielball-71175436

Kommentare

Schlagzeilen