Warum die Frauen im Welttennis um Aufmerksamkeit kämpfen

Zu wenige Charaktere, zu viele Siegerinnen. Naomi Osaka ist die Hoffnung der Ära nach Williams.

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Netzroller Christian Mortsch
Die Japanerin Naomi Osaka ist die Nummer eins der Welt. SN/AP
Die Japanerin Naomi Osaka ist die Nummer eins der Welt.

Karolina Plíšková ist in der 3. Runde der French Open ausgeschieden. Wobei sich direkt zwei Fragen stellen: War das überraschend? Und hat dabei die breite Masse mit ihr mitgefiebert? Nein und Nein. Das Beispiel der als Nummer zwei gesetzten Tschechin zeichnet das Bild des durchaus auch interessierten Beobachters im Damentennis.

Schiebt man den jeweils nationalen Fokus auf die Spielerin beiseite, so kämpft der Sport derzeit um Aufmerksamkeit. In Österreich noch viel mehr, weil im Gegensatz zu den Zeiten von Judith Wiesner, Barbara Schett und Co. aktuell weit und breit keine heimische Spielerin in der Weltspitze zu finden ist. Doch auch global gesehen gehen dem Damentennis die Zugpferde und Charaktere à la Steffi Graf, Martina Navratilova, Jennifer Capriati und Martina Hingis aus. Serena Williams hat diesen Status wie Maria Scharapowa freilich nach wie vor.

Doch wer kommt danach? "Naomi Osaka hat sicher das Potenzial, auch auf Sicht gesehen, diese Rolle zu übernehmen", sagt etwa Dominic Thiem über die Japanerin. Sie ist die aktuelle Nummer eins der Welt und hat die vergangenen zwei Grand-Slam-Titel erobert. In Zeiten wie diesen ist das umso bemerkenswerter. "Weil es bei den Damen derzeit viel, viel mehr gibt, die ein Grand Slam gewinnen können, als bei den Herren", sagt Thiem. Anders formuliert gleicht die Jagd nach dem Nonplusultra fast schon einem Roulette-Spiel. Dass man das durchaus auch positiv sehen kann, bestätigt Österreichs Tennisstar: "Das macht es für mich interessant."

Doch auch, wie schnell sich Einschätzungen überholen, musste Thiem erfahren. Seine Freundin Kristina Mladenovic, die zuletzt wieder in die Erfolgsspur gefunden hatte, zählte er zum riesigen Kreis der Favoritinnen. Einen Tag später schied die Französin in Runde zwei sang- und klanglos aus.

Die meisten würden wohl auf einen Paris-Sieg von Williams, Osaka, Titelverteidigerin Simona Halep oder 2016-Siegerin Garbiñe Muguruza - die vier verbliebenen bekanntesten Namen - setzen. Es können aber auch Kaia Kanepi oder Marketa Vondrousova die Gunst der Stunde nutzen. Noch nie gehört? Das sind zwei von vielen "No Names" im Achtelfinale. Der Kontrast am sechsten Turniertag war groß: Denn im Herrenbewerb zogen gleichzeitig mit Rafael Nadal und Roger Federer zwei Lichtgestalten ihres Sports in die Runde der letzten 16 ein.

Aufgerufen am 03.12.2020 um 11:34 auf https://www.sn.at/kolumne/netzroller/warum-die-frauen-im-welttennis-um-aufmerksamkeit-kaempfen-71096053

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