Orchester der Schneeschaufeln

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Spitze Feder Marian Smetana

Das Konzert startet etwa um sechs Uhr früh. Den Anfang macht der Nachbar. Seine Schaufel klingt am hellsten, weil die lockere Schraube vom Griff mitscheppert - so als würde jemand die Trommel rühren: "Rrrrrrrrrrrrr". Dazu gesellt sich nach und nach der Bass von drüben, von der Zweierstiege. Das fehlende Eck am Schaufelblatt gibt beim Scheren über den alten unebenen Asphalt den Rhythmus vor: "Rumtarumtarumta". Daneben der Hausmeister, der die Stiegen kehrt. Einmal von links nach rechts, und umgekehrt: "Schtschtscht, pffftpfftpfft". Die Streicher. Zum Finale setzen die Pauken ein. Das Donnern und Tosen des Schneepflugs auf der Hauptstraße übertönt alles. Und der Dirigent des Schneeschaufelorchesters? Der ist dann endgültig munter.

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