Stellen Sie sich vor, dass Gott keine Pflanzen isst - weil er eine ist

Von wegen Fasching. Wer noch Fleisch isst, der fastet eh schon. Der wahre Luxus ist heute Gemüse. Das ganz große Fressen beginnt also erst am Aschermittwoch.

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Begonnen hat der kulinarische Fasching dieses Jahr mit unserem Bundeskanzler. Kein Scherz. Nachdem dieser behauptet hat, dass die Wiener nicht mehr aufstehen, stand Sarah Wiener sofort auf, um sich ausgerechnet mit Veganern anzulegen. In einem Shitstorm verachtenden Eintrag wies sie auf ihrer Facebook-Seite darauf hin, dass "industriell hergestellte Mandelmilch nur zirka zwei Prozent Mandeln enthält, dafür aber Stabilisatoren, Emulgatoren und zu viel Zucker". Dafür wurde sie von Veganern unter anderem als "Dummschwätzerin" und "Leichenverwerterin" beschimpft. Da möchte man diesen grob auftretenden zarten Pflänzchen zur Beruhigung ein Soja-Snickers zuwerfen und erklären: Sarah Wiener hat euch ja nur davor gewarnt, der Lebensmittelindustrie auf den Leim zu gehen. Bei dieser ist Tarnen und Täuschen das kleine Einmaleins des Geldverdienens. Aber auch Gastronomen verdienen sich mit veganen Gerichten bereits goldene Nasen. Wie man etwa mit Gemüse zu einem Haufen Kohle kommt, das zeigte die britische Pub-Kette Young's mit einem Blumenkohlsteak. Das wurde vor zwei Wochen um satte 14 Pfund, also um etwa 15,85 Euro, auf die Karte gesetzt. Genauso viel kostet dort ein Aberdeen Angus Beef. Auch hier folgte ein Shitstorm. Diesmal von Fleischessern, die den Veganern ihr teures Gemüsesteak offenbar nicht gönnen wollten. Dabei dürfte der Preis auf die zartfühlende Behandlung durch den Koch zurückzuführen sein. Denn Steaks gibt es in den Zubereitungsarten "gut durch", "medium" und "blutig". Wer kann das schon mit Blumenkohl? Dieses Wandern zwischen den kulinarischen Welten griff auch der US-Comedian JP Sears auf. In seinem Beitrag "Wenn sich Fleischesser wie Veganer verhalten würden" fragt er: "Hast du jemals erwogen, Fleischesser zu werden, um den Planeten zu retten? Oder ist dir die Erde egal?" Dann meinte er, er könne "niemals Pflanzen essen, die auf beengten Bauernhöfen unter unmenschlichen Bedingungen gezogen wurden". Schließlich stünden jeder Pflanze weniger als 2,5 Quadratzentimeter Fläche zu, die noch dazu "gegen ihren Willen" in den Boden gesteckt wurde. Wegen dieser Pflanzenquälerei bestellte er dann bei einem verblüfften Kellner "Tofu-Frühlingsrollen, aber bitte ohne Tofu". Ihm sei aber auch schon geholfen, wenn er ein Hühnchen mit Tofugeschmack haben könne. Das Dilemma mit der pflanzlichen Ernährung erschließt sich erst richtig, wenn man davon ausgeht, dass Gott eine Pflanze sein könnte, die die Fleischesser allein schon deshalb liebt, weil sie ihre natürlichen Feinde aufessen.

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