Wir fordern: Nährpflicht statt Wehrpflicht!

Die nahende Impfpflicht wirft viele Fragen auf. Etwa jene: Warum verpflichtet uns der Staat nicht zu einer ordentlichen Ernährung?

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Teufelsküche Peter Gnaiger

Vor zwei Wochen wurde an dieser Stelle - sagen wir einmal - von verbesserungsfähigen Küchenleistungen in Wirtshäusern und Sternerestaurants berichtet. Seitdem hagelte es Nachrichten im Posteingang der Teufelsküche. Da wurden uns allerhand Grausligkeiten über die Gastronomie zugetragen. Vor allem aber wollten die meisten wissen, in welchem Gasthof wir den Teller fast unangetastet stehen ließen, obwohl wir doch einen Bärenhunger hatten.

Dazu muss klargestellt werden: Wir stellen prinzipiell keine Wirte namentlich an den Pranger. Jeder kann einen schlechten Tag haben. Wir hatten auch schon viele. Weshalb wir nur über jene Gastronomen berichten, die den Wirtshausbesuch zu einem Erlebnis machen. Da gibt es gottlob noch viele. Weshalb wir in Zukunft jede Woche eines unserer Lieblingslokale nennen wollen. Das erste ist die Halleiner Hütte am Ende des Krispler Höhenwegs. Das ist ein Tipp unserer Leserin Hedwig Poletti, dem wir gerne Glauben schenken. Allein schon deshalb, weil dort der formidable Heinz Reifecker am Herd steht, der vielen noch als Koch im Fidelen Affen bekannt ist. Man kann dort gemütlich hinaufwandern, aber auch mit dem Auto anreisen. Wandern ist natürlich gesünder. Und das führt uns schnurstracks zu einem Gespräch mit dem Wirt unseres Vertrauens.

Der fragte uns gestern, warum sich Menschen nicht impfen lassen, andererseits aber billiges Fertigfutter essen. "Vom Rauchen wollen wir gar nicht reden", meinte er noch. Dieser Ansatz leuchtet ein. Auch Mario Gamba, Philosoph und Sternekoch in München, sagte der Teufelsküche einmal in seiner entwaffnend erfrischenden Art: "Schlechtes Essen ist Körperverletzung. Das sollte strafbar sein." Was jetzt nicht unbedingt heißt, dass es beim Essen in Zukunft "Sternepflicht" geben soll. Obwohl: Der Gedanke einer vom Staat bezahlten ordentlichen Nährpflicht hat schon was.

Unser allseits beliebter GECKO könnte dann mit dem Slogan "Nährpflicht statt Wehrpflicht" arbeiten (der Tipp ist übrigens gratis). Das würde der Regierung wieder einmal Pluspunkte bringen. Wir wundern uns auch immer noch, warum im Innviertel und im Tennengau immer noch keine Leberkäs-Semmeln als Belohnung für den Erststich ausgelobt werden. Aber vielleicht haben Ungeimpfte auch den Vorteil, dass sie daheim selbst kochen müssen und somit manche Absonderlichkeit der Gastronomie nicht mehr ertragen müssen.

Der Wirt meines Vertrauens zeigte mir dann noch den Prospekt eines Großhändlers. Das Kilo Schweinskarree kostet aktuell 3,99 Euro. Und Zucchini aus Spanien 4,99 Euro. Warum wurden die Wirte bis heute nicht verpflichtet, die Herkunft ihrer Produkte anzugeben? Der Gast hat schließlich auch Rechte. Oder?

Aufgerufen am 16.05.2022 um 10:02 auf https://www.sn.at/kolumne/teufelskueche/wir-fordern-naehrpflicht-statt-wehrpflicht-115794352

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