Kino

Berlinale: Filmemacher fordern Widerstand

"#Klappeauf": Österreichische Künstler stellen sich gegen Verhetzung.

Lukas Miko, im Bild bei der Verleihung des Österreichischen Filmpreises. SN/APA/HANS PUNZ
Lukas Miko, im Bild bei der Verleihung des Österreichischen Filmpreises.

Birgit Minichmayr, Barbara Albert, Karl Markovics, Ulrich Seidl, Ursula Strauss, David Schalko - anlässlich der Verleihung des Österreichischen Filmpreises vor wenigen Wochen haben fast 600 Filmschaffende den Aufruf "#Klappeauf" unterzeichnet. Darin fordern sie Bundeskanzler und ÖVP-Regierungsmitglieder auf, die Zusammenarbeit "mit allen Mitgliedern deutschnationaler Burschenschaften und anderer rechtsextremer Organisationen" sofort zu beenden. Auch gegen "jegliche Hetze", gegen das "Gift der Spaltung" und für ein "Mehr an Solidarität" treten die Unterzeichner ein.

Nun hat eine Abordnung österreichischer Filmschaffender die Forderungen bei der Berlinale vor internationalen Festivaljournalisten vorgestellt, moderiert von Lukas Miko, der beim Österreichischen Filmpreis als bester Nebendarsteller für "Die beste aller Welten" ausgezeichnet worden war.

Ruth Beckermann ("Waldheims Walzer"), Ludwig Wüst ("Aufbruch"), Katharina Mückstein ("L'Animale") und Wolfgang Fischer ("Styx") waren in Berlin auf dem Podium vertreten. Sie seien "ein Zusammenschluss von Menschen mit sehr unterschiedlichen Meinungen und politischen Positionen", sagte Mückstein bei dem Pressetermin. "Trotzdem ist es uns wichtig, gemeinsam etwas zu machen."

Beckermann setzt die Initiative mit dem Thema ihres Dokumentarfilms "Waldheims Walzer" in Zusammenhang, der heuer im Berlinale Forum Weltpremiere gefeiert hat. In dem Film habe sie versucht, zu analysieren, "was damals los war und uns heute leider bekannt vorkommt, wenn wir an Trump, Kurz/Strache und andere Meister der ,alternativen Fakten' und des Populismus denken".

Nach der Waldheim-Affäre, erläuterte Beckermann, "dachten wir, eine neue Zeit breche an. Was wir aber in all diesen Jahren übersahen, war das Fortleben eines ganz alten Gifts, das ,ewiggestrig' genannt wurde, was sein baldiges Aussterben implizierte: das Milieu der ideologisch gefestigten Nazis. Erst jetzt, da es sehr jung und sehr forsch und sehr modisch daherkommt, erinnert man sich, dass sich die echten Nazis sofort nach Kriegsende organisiert hatten, in Verbindung blieben, ihre Zeitschriften druckten."

Beckermann wies darauf hin, dass die Situation heute anders sei als bei der Waldheim-Affäre oder bei der ersten schwarz-blauen Regierung im Jahr 2000. "Es gibt außerhalb Österreichs leider sehr wenige, die heute aufschreien und sagen: ,So darf's nicht weitergehen, weil sich das ausbreiten kann.'"

Dies sei auch der Grund, weshalb die Initiative "#Klappeauf" nun bei der Berlinale vorstellig werde, sagte Miko: Die Filmschaffenden suchten international nach Austausch.

Als eine der konkreten Aktionen nannte die Initiative eine Reihe von Filmclips, die ab April online und etwa auf Infoscreens in öffentlichen Verkehrsmitteln zu sehen sein sollen. Unter dem Titel "Widerstandskino" startet zudem diese Woche eine Reihe im Wiener Stadtkino, kuratiert von Mirjam Unger und Anja Salomonowitz. Bei der Diagonale, dem Festival des österreichischen Films, sind im März weitere Schritte geplant.

Quelle: SN

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