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Was sich 2022 im All tun wird

Ein Filmdreh mit Hollywoodstars, die erste private Astronautenmission, eine Tankstelle am Südpol des Monds - und möglicherweise der nächste Astronaut aus Österreich: ein Überblick zu den Plänen der weltgrößten Raumfahrtagenturen.

USA

Die US-Raumfahrtbehörde NASA hofft, dass im kommenden Jahr das krisengeplagte "Starliner"-Raumschiff von Boeing endlich zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen kann. Mit der Firma Axiom Space ist ferner die erste private Astronautenmission geplant - und auch Tom Cruise soll bei der ISS vorbeischauen. Eigentlich hätte der Dreh für einen Hollywoodspielfilm schon 2021 umgesetzt werden sollen, wurde nun aber auf 2022 verschoben; Details sind nicht bekannt. Die Firma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos plant unterdessen eine eigene kommerzielle Raumstation. Und Nokia hat von der NASA den Zuschlag für den Aufbau eines Mobilfunknetzes am Mond erhalten, das der Konzern ab Ende 2022 aufbauen will.

Im Zuge der "Artemis"-Mission sollten bis 2024 erstmals wieder US-Astronauten auf dem Mond landen, darunter die erste Frau. Nun soll die Landung frühestens 2025 stattfinden. Auf dem Mond soll zudem eine Art Raumstation geschaffen werden und als Basis für bemannte Flüge zum Mars dienen - allerdings erst in fernerer Zukunft.

Russland

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hofft, dass im kommenden Jahr die Pannenserie am Weltraumbahnhof Wostotschny ein Ende hat. "2022 müssen wir den Bau abschließen", sagte Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin unlängst. Die Anlage 6000 Kilometer östlich von Moskau ist zwar teilweise in Betrieb, sollte aber längst komplett funktionieren. Von Wostotschny aus sollen Raketen neueren Typs wie die "Angara" abheben.

Von Wostotschny aus will Russland auch einen neuen Anlauf zum Mond nehmen: Für Mai ist der Start der Sonde "Luna 25" geplant. Zudem will Russland auf dem Erdtrabanten in Etappen bis 2040 eine eigene Basis errichten. Zu der ISS sollen 2022 unterdessen mindestens fünf russische Raketen fliegen, zwei davon besetzt. Andauern dürfte die Diskussion darüber, wie lange die mehr als 20 Jahre alte ISS in Betrieb bleibt. Eine Entscheidung zu der Zukunft nach 2024 steht aus. Russland will jedenfalls eine eigene Raumstation bauen. Ein irdisches Bauprojekt soll hingegen bereits 2022 abgeschlossen werden: das neue, in Raketenform gehaltene Raumfahrtzentrum in Moskau. Es bietet Platz für 20.000 Mitarbeiter.

Europa

Bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA hofft man 2022 auf einen gelungenen Start neuer Reisen, etwa jener der Trägerrakete "Ariane 6" oder der Jupiter-Mission "JUICE". An der Entwicklung der Jupitersonde waren etwa die Österreichische Akademie der Wissenschaften und die TU Graz beteiligt. Auch für die europäischen Astronauten soll es ein spannendes Jahr werden. So soll die Italienerin Samantha Cristoforetti Kommandantin der ISS werden. Und im Herbst wird die ESA bekannt geben, welche neuen Astronauten sie aus 23.000 Bewerbungen ausgewählt hat. Auch 464 Österreicherinnen und Österreicher machen sich Hoffnung auf einen Job im Weltall.

Im März wird sich indessen der 2020 von der ESA gestartete "Solar Orbiter" bis auf 50 Millionen Kilometer der Sonne nähern - und damit dem Zentrum des Sonnensystems so nah sein wie keine Raumsonde zuvor.

Vor wenigen Tagen glückte der Start von "James Webb", mit dem die ältesten Galaxien erkundet werden sollen. Europäer, Amerikaner und Kanadier, die bei dem teuersten jemals gebauten Weltraumteleskop zusammenarbeiten, erhoffen sich ab Mitte 2022 erste Beobachtungen.

Auch neue Missionen stehen auf dem Terminplan der ESA. So soll im Februar "Artemis 1" mit einem europäischen Servicemodul an Bord starten. Die unbemannte Mission um den Mond dauert 20 Tage und dient als Vorbereitung für eine bemannte Mondlandung gemeinsam mit der NASA. Im September soll der zweite Teil der "ExoMars"-Mission starten - mit dem Ziel, mithilfe des Rovers "Rosalind Franklin" zu erkunden, ob es je Leben auf dem Mars gegeben hat. Läuft alles nach Plan, wird mit "Rosalind Franklin" erstmals Technologie aus Österreich auf dem Mars landen: Die Wiener Firma RUAG Space hat den Kameramast für die "Augen" und die Elektronik für die Stromversorgung des Rovers produziert.

China

Auch die aufstrebende Weltraummacht China will 2022 weitere Pläne im All verwirklichen. Höchste Priorität hat die Raumstation "Tiangong" (Himmelspalast), deren Bau bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Das Kernmodul "Tianhe" (Himmlische Harmonie) war im April ins All gebracht worden. Derzeit lebt in ihm bereits die zweite Astronautencrew. Zwei weitere Module der Station muss China noch ins All bringen. Auch weitere bemannte Flüge sind geplant.

Japan

Japan verfolgt Pläne für eine eigene Marsmission: Das Projekt "MMX" sieht für 2024 den Start einer Trägerrakete samt Sonde in Richtung des Marsmonds Phobos vor. Japans Weltraumagentur JAXA bestätigte diese Woche noch, in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts Astronauten zum Mond schicken zu wollen. Ein weiteres Ziel: Wasserstoff als Treibstoff zu verwenden, der aus den Eisvorkommen des Monds gewonnen wird. So soll um 2035 eine Treibstofffabrik am Südpol des Monds entstehen. Das Projekt dürfte 2022 konkreter werden.

Indien

Zwei Missionen, die ob der Pandemie verschoben wurden, will Indien 2022 nachholen, bestätigte die Raumfahrtbehörde ISRO. Eine Mission zur Sonne ist geplant. Zudem soll eine Sonde auf dem Mond landen. 2023 will Indien dann Astronauten ins All schicken. Südkorea plant übrigens bereits im Sommer 2022 seine erste Mondmission.

Arabische Emirate

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate treiben ihr Raumfahrtprogramm voran. Aktuelle Ziele: Mondlandung 2022, Erforschung der Venus ab 2028 und Landung mit einer Sonde auf einem Asteroiden bis 2033. Und: In weniger als 100 Jahren will das Land den Mars besiedelt haben.

Aufgerufen am 22.05.2022 um 09:52 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/was-sich-2022-im-all-tun-wird-114712783

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