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Wie der eigene Garten zum Paradies für Wildbienen wird

Bienen sind wählerisch. Wie der eigene Garten zum Schlaraffenland für Bienen werden kann.

Eine Mauerbiene auf einem Huflattich.  SN/Martina - stock.adobe.com
Eine Mauerbiene auf einem Huflattich.

Ein bienenfreundlicher Garten bietet den Insekten einen ansprechenden Lebensraum, in dem sie sich ernähren und vermehren können. Dabei ist Vielfalt Trumpf, denn im Gegensatz zu den Honigbienen hat sich eine ganze Reihe ihrer wild lebenden Verwandten auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. Vor allem in Frühjahr und Spätsommer ist das Angebot an Nektar und Pollen oft knapp. Wer einen bienenfreundlichen Garten oder Balkon anlegen möchte, kann derzeit an Spätblüher denken wie Ringelblume, Glockenblume, Efeu, Löwenmaul, Herbst-Astern und Heide.

Nutzpflanzen sind begehrt

Blumen mit gefüllten Blüten, wie etwa die gefüllten Geranien oder die gefüllten Gartenchrysanthemen, mögen für uns Menschen hübsch anzuschauen sein, den Bienen bieten sie allerdings weder Pollen noch Nektar. Dafür sind aber auch viele Nutzpflanzen bei Bienen sehr begehrt. Ein Obst- und Gemüsegarten, aber auch Heil- und Gewürzkräuter-Balkonkästen können ihnen ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Nahrungsangebot zur Verfügung stellen.

Stehengelassenes und blühendes Gemüse wie etwa Küchenlauch, Küchenzwiebeln, Rosen- oder Grünkohl locken etwa Mauerbienen, Maskenbienen und Pelzbienen an. Gartensalbei, Ysop und Zitronenthymian schmecken nicht nur uns Menschen, ihr Nektar ist auch bei Hummeln, Wollbienen und anderen Wildbienen beliebt.

Nahrungsangebot alleine reicht noch nicht

Mit einem üppigen Nahrungsangebot allein ist es allerdings nicht getan. Die Bienen sollen sich ja schließlich auch vermehren. Im Gegensatz zu den Honigbienen, die im Bienenstock beim Imker in einem großen Sozialverband zusammenleben, bleiben fast alle ihrer wild lebenden Verwandten die meiste Zeit für sich allein.

Das bedeutet aber auch, dass jedes einzelne weibliche Tier eine eigene Brutkammer anlegt - und genau dafür muss nicht nur genügend Platz zur Verfügung stehen, sondern auch geeignetes Baumaterial. Etwa drei Viertel aller wild lebenden Bienen nisten in der Erde. Meist graben sie dafür einen kleinen Gang in den Boden, in dem sie dann ihre Eier ablegen. Anschließend wird der Gang wieder verschlossen.

Dafür benötigen sie kaum bzw. gar nicht bewachsene Stellen, die trocken und sonnenbeschienen sind. Der Boden sollte an diesen Stellen aus lehmhaltigem Sand bestehen, der nicht zuvor gewaschen werden darf. Die gegrabenen Gänge dürfen schließlich nicht einstürzen. Die kleinen aufgeworfenen Sandhäufchen sehen zuerst vielleicht etwas unschön aus, werden nach der Eiablage aber von den Tieren selbst wieder verschlossen. Um hier graben zu können, dürfen die Gehwegplatten aber natürlich nicht einbetoniert sein. Grünbelag oder Bewuchs verhindert die Grabungsaktivitäten ebenfalls. Andere Bienen nisten in steilen Sandwänden oder Abbruchkanten. Hier kann eine Trockenmauer helfen.

Verblühte Stauden nicht schneiden

Wieder andere Wildbienen bevorzugen die Mauerritzen - und manche Hummeln ziehen sich gar in ausgediente Mauselöcher zurück. Andere Hummeln wiederum nutzen auch Totholz für den Nestbau oder nisten in hohlen Bäumen. Leer stehende Vogelhäuschen oder auch spezielle Nistkästen für Hummeln können hier helfen. Andere Wildbienen nisten oberirdisch in hohlen oder markhaltigen Pflanzenstängeln. Aus diesem Grund sollten verblühte Stauden auch den Winter über stehen bleiben und nicht im Herbst beseitigt werden.

Mauerbienen, Scherenbienen, Löcherbienen und andere, die gern in Röhren nisten, legen ihre Eier aber auch in Bambus- und Schilfröhren ab, die man zu einem größeren Bund zusammenbinden kann. Wichtig ist es, auf saubere Schnittkanten zu achten, da gesplitterte und ausgefranste Röhrchenränder nicht bezogen werden. Kein Wunder, denn schließlich könnten sich die Tiere dort ja auch ihre Flügel verletzen. Auch Baumscheiben und andere Hölzer (kein Nadelholz) kann man mit Bohrungen versehen, in denen die Bienen dann ihre Eier ablegen. Diese Bohrstellen (mit verschiedenen Durchmessern von zwei bis zehn Millimetern) müssen ebenfalls einen sauber gearbeiteten Rand aufweisen.

An Wasserstelle denken

Wer lieber sogenannte Insektenhotels fertig kaufen möchte, sollte auf saubere und nicht ausgefranste Bohrlöcher achten. Übrigens sollte auch an eine Wasserstelle gedacht werden - am besten mit einem flachen Randbereich, damit die Tiere trockenen Fußes landen können. Dass keine Gifte gespritzt werden sollen, versteht sich für Bienenfreunde von selbst.

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Aufgerufen am 15.08.2022 um 12:24 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/wie-der-eigene-garten-zum-paradies-fuer-wildbienen-wird-104019016

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