Innenpolitik

Erzbischof Lackner startet Visitation in Kärnten: "Nichts ist ausgeschlossen"

Die ersten Worte zu Beginn der Aposotolischen Visitation richtete "Chef-Ermittler" Franz Lackner am Montagvormittag an die Presse. Danach habe die Diözesanleitung um Engelbert Guggenberger in Gurk-Klagenfurt das Recht auf das nächste Gespräch. Vor Medienvertretern musste sich der Salzburger Erzbischof wegen Versäumnisse rechtfertigen - die Verfehlungen des früheren Bischofs Alois Schwarz waren seit 2008 weithin bekannt.

Der Vorarlberger Bischof Benno Elbs, der Grazer Caritasdirektor Herbert Beiglböck, der in München lehrende Kirchenrechtsexperte Helmuth Pree, der Grazer Wirtschaftsexperte Christian Lagger, die Salzburger Ordinariatskanzlerin Elisabeth Kandler-Mayr, Erzbischofssekretär Martin Seidler und Lackners Pressereferentin Heidi Zikulnig - sie bilden gemeinsam mit Franz Lackner das Visitationsteam, das Licht ins Dunkel rund um die schweren Vorwürfe gegen den nunmehrigen Bischof von St. Pölten, Alois Schwarz, bringen soll. Zuvor war dieser 17 Jahre Oberhirte von Gurk-Klagenfurt. Nach seinem Wechsel nach Niederösterreich wurden Anschuldigungen publik. Es geht um Misswirtschaft, Verletzungen des Kirchenrechts, Untreue und das Gerüchte nährende Verhältnis zu einer Frau, die sich in Schwarz' Entscheidungen eingemischt haben soll.

Beiglböck wird vor allem für die Bereiche "Wirtschaft und Unternehmensführung" zuständig sein, Lagger hat ebenfalls den Fachbereich "Wirtschaft" sowie die Visitationskoordination über, Pree wird die kirchenrechtlichen Aspekte abdecken und Kandler-Mayr fungiert als kirchliche Notarin der Visitation.

"Aufdecker" rückt in den Fokus

Lackners Prüfauftrag umfasst die Zeit der Sedisvakanz, aber auch die Amtszeit von Bischof Alois Schwarz seit dem Jahr 2008. Das steht in jenem Ernennungsdekret, das Lackner am 18. Dezember 2018 aus Rom von der Bischofskongregation per E-Mail erhalten hat.

Sein Auftrag laute, den Zustand der Diözese Gurk-Klagenfurt in Bezug auf die katholische Lehre und Leitung in Augenschein zu nehmen und "die tieferliegenden Gründe, die zur gegenwärtigen Verwirrung führten, zu erforschen und dem Heiligen Stuhl zu berichten", erklärte der Salzburger Metropolit. In Abstimmung mit der Bischofskongregation in Rom sei der Prüfungszeitraum ab 2008 festgelegt worden.

Der derzeitige Administrator der Diözese, Engelbert Guggenberger, erwartet von der Visitation "objektive Antworten" und eine "Klarstellung, was der tatsächliche Prüfungsauftrag und die Befugnisse des Visitators sind", erklärte Guggenberger.

Es müsse klar sein, dass die derzeitige Führung der Diözese von ihrem bisherigen Kurs der Glaubwürdigkeit und Transparenz "keinen Millimeter abweichen" werde, so Guggenberger vor dem ersten Treffen mit Lackner.

Ermittler wollen Verletzungen heilen und Transparenz liefern - an Rom

Transparenz sei auch das erklärte Ziel von Lackners Team, das stellten die Mitglieder am Montag bei einer Pressekonferenz in Klagenfurt fest. Wohin die Nachforschungen führen werden? "Nichts ist ausgeschlossen. Erst im Laufe der Visitation wird sich die Richtung zeigen".

Ein Wertmutstropfen: Während der Visitation werden wohl kaum Informationen über den Stand an die Öffentlichkeit dringen. Lackner ist nur Rom gegenüber auskunftspflichtig, ansonsten ist es üblich, Stillschweigen zu bewahren.

Beziehung zwischen Bischof und Frau "schwer zu beweisen"

Auf die Frage, ob er auch den Vorwürfen rund um eine Beziehung zwischen Alois Schwarz und der früheren Leiterin des Bildungshauses St. Georgen nachgehen werde, reagierte dieser verhalten. "Eine Person ist unangreifbar, der Bischof genießt Würde und ich habe Ehrfurcht vor ihm. Es hilft nur das Gespräch von Angesicht zu Angesicht", erklärte Lackner. Benno Elbs: "Beziehung kann man nicht von außen untersuchen. Aber in wirtschaftlichen Belangen kann man Folgen daraus ablesen."

Schwarz steht in der Kritik, weil er besagter Bildungs-haus-Leiterin und Vertrauten weitreichende finanzielle Möglichkeiten eingeräumt haben soll, für sie selbst und für ihre Arbeitsstelle.

Vor Medien gab Lackner sich auch selbstkritisch. Eingangs entschuldigte er sich für Versäumnisse und auch dafür, zu "Bischof Alois" nicht das persönliche Gespräch gesucht zu haben. "Ob ich der Richtige bin oder der Beste, das weiß ich nicht. Aber wer ist schon der Richtige für die ganze Wahrheit?"

Mehr zum Thema

Aufgerufen am 22.08.2019 um 12:39 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/erzbischof-lackner-startet-visitation-in-kaernten-nichts-ist-ausgeschlossen-64046836

Kommentare

Schlagzeilen