Chronik

Hallein packt an - so kämpfen die Menschen am zweiten Tag gegen den Schlamm

Die Pegelstände gehen zurück, das weichende Wasser legt das Ausmaß der Verwüstung frei - in der Stadt Hallein geht das große Aufräumen am zweiten Tag nach der Überflutung weiter. 66 Soldaten helfen mit. Unterdessen geht es auch um die Schuldfrage. "Hallein wäre zu verhindern gewesen", sagte Ministerin Köstinger.

Der Halleiner Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) spricht am Montagmorgen von "riesigen Schäden" in der Salinenstadt. Es seien Häuser teilweise nicht mehr bewohnbar, sagte Stangassinger im Ö1-"Morgenjournal". Wohnungen und Geschäfte seien verwüstet, auch die Stadt selbst habe Schäden erlitten.

So wurde die bei vielen Besuchern beliebte Sommerrodelbahn teilweise weggerissen. Städtische Infrastrukturen wie das Keltenmuseum, das Kino oder die Salzberghalle wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. In Tiefgaragen der Salinenstadt stehen Dutzende nicht mehr fahrbereite Pkw, Abschlepp- und Pannendienste stehen im Einsatz.

Der ÖAMTC hat allein am Sonntag mehr als 20 Fahrzeuge geborgen. Für das Abschleppen der Autos aus den Tiefgaragen wurde ein Spezialfahrzeug angefordert. Einfach ist das Ganze nicht, weil die Autos heute mit deutlich mehr Elektronik vollgepackt sind. Und stehen die Fahrzeuge erst einmal unter Wasser, dürfen sie später nicht mehr gestartet werden. Die Techniker müssen elektronische Handbremsen also anders lösen.

66 Soldaten in Hallein im Einsatz

Unterdessen ist das Bundesheer wieder im Einsatz, um den Bürgern vor Ort zu helfen. 66 Soldaten sind am Montag in Hallein, um bei den Aufräumarbeiten zu unterstützen. Hauptmann Rene Auer sagt: "Wir haben den Einsatz seit gestern noch einmal mit 16 Leuten verstärkt und halten in der Schwarzenbergkaserne eine weitere Kompanie mit 150 Mann bereit, sollten eventuelle Anforderungen auch noch aus anderen Bundesländern an uns kommen." Aktuell finden in Hallein Erkundungsflüge statt, um zu sehen, ob sich weitere Schadstellen aufgetan haben.

Ministerin: "Hallein wäre zu verhindern gewesen"

Bürgermeister Stangassinger ist sich sicher, dass ohne die gerichtlich vorgebrachten Einsprüche gegen das Hochwasser-Schutzprojekt um den Kothbach das Ausmaß der Schäden deutlich geringer ausgefallen wäre: "Zwei Drittel dieses Projekts hätten wir bereits umsetzen können - und die Situation in Hallein wäre heute eine andere."

Nach Ansicht von der auch für Hochwasserschutz zuständigen Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hätten die Unwetterschäden in Hallein verhindert werden können. "In Österreich funktioniert der Hochwasserschutz grundlegend gut", sagte Köstinger am Montag in Brüssel vor dem Treffen mit ihren EU-Amtskollegen. Aber Hallein hätte gezeigt, dass die Beeinspruchung eines Schutzprojekts durch den Naturschutzbund, langfristig auch zu Katastrophen führen könne. "Hallein wäre zu verhindern gewesen, wenn dieses bewilligte und ausfinanzierte Projekt gebaut worden wäre", betonte Köstinger. Es sei an der "Zeit, für Schutzprojekte dieser Art auch andere Rahmenbedingungen an den Tag zu legen, was vor allem auch die Möglichkeit von Parteienstellung und Einsprüchen betrifft".

"Klimaschutz und Hochwasserschutz sind kein Entweder-oder", meinte Köstinger. Es brauche beides. "Die Investition in Schutzmaßnahmen für Menschen und Güter hat hohe Priorität. Die Menschen an Ort und Stelle haben nicht das geringste Verständnis für Einsprüche von NGOs, die jahrelange Verzögerungen bei Schutzprojekten zur Folge haben", sagte die Ministerin der APA.

Naturschutzbund weist Kritik zurück

Der Salzburger Naturschutzbund wies die Kritik zurück. "Jetzt zu sagen, dass das Projekt aufgrund eines Einspruchs nicht schon fertig ist, ist Abschieben von Verantwortung", sagte Geschäftsführer Hannes Augustin zur APA. Man habe nur einen Teil des Projekts kritisch gesehen. "Die von uns vorgeschlagene Alternative hätte eine natürliche Geländekuppe ausgenutzt. Es hätte weniger Stahl und Beton verbaut werden müssen, der Schutz wäre aber gleich wirksam und gleich teuer gewesen." Das Projekt sei aber nicht umgesetzt worden, weil ein Eigentümer den Grund nicht zur Verfügung habe stellen wollen. "Man hätte hier nachdrücklicher versuchen können, den Grund zu bekommen", so Augustin.

Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) sagte am Rande einer Pressekonferenz, dass sie das Verfahren im Detail zu wenig kenne. Jedenfalls sei so ein Ereignis nicht terminisierbar und es sei "eine Tragik in dem Moment für die Gemeinde". "Jetzt geht es darum zu helfen", so die Umweltministerin. Es müsse nun aber eine Klimaschutzpolitik gemacht werden, um nicht in die Situation zu kommen, "dass so etwas noch häufiger und noch intensiver passiert". "Und ja, wir müssen auch Anpassungsmaßnahmen setzen und das passiert ja auch - genauso wie wir Schutzmaßnahmen in den Städten brauchen, brauchen wir auch Hochwasserschutz", meinte die Ressortleiterin.

Stadt richtet Spendenkonto ein

Die Stadt Hallein hat mittlerweile ein offizielles Spendenkonto eingerichtet für Menschen, die durch die Hochwasserkatastrophe am schwersten betroffen sind. "Wir brauchen jede Unterstützung", sagt Stangassinger. Er bittet um Spenden an das Konto: AT28 3502 2000 0501 7702

Für Sachspenden sei man aktuell im Austausch mit der Pfarre Hallein.

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