Chronik

Nach Clubabend: Mittlerweile 14 Corona-Fälle, zwei SALK-Ärzte ebenso infiziert

Der Geschäftsführer der Salzburger Landeskliniken bestätigt, dass ein Abteilungsvorstand betroffen ist. Sämtliche Mitarbeiter, die mit diesem Vorgesetzten Kontakt hatten, werden nun täglich vor Dienstbeginn getestet.

Zwei Primarärzte der Salzburger Landeskliniken haben sich beim Rotary-Treffen vor einer Woche angesteckt.  SN/robert ratzer
Zwei Primarärzte der Salzburger Landeskliniken haben sich beim Rotary-Treffen vor einer Woche angesteckt.

In der Stadt Salzburg sind in dieser Woche mehrere Neuinfektionen von Covid-19 aufgetaucht. Der Ausgangspunkt für die Verbreitung dürfte ein Rotary-Clubabend am Montagabend gewesen sein, bei dem sich ein Mitarbeiter eines Regierungsbüros und ein Spitzenbeamter des Landes bei einem Teilnehmer mit dem Virus angesteckt hatten. Bei beiden ist der Test positiv ausgefallen. Etliche Mitarbeiter sind nun vorsorglich in Quarantäne. Am Montag wird die gesamte Landesregierung sowie das Personal in Regierungsbüros durchgetestet - ebenfalls vorsorglich.

Doch nicht nur der Chiemseehof ist betroffen. Auch in den Salzburger Landeskliniken (SALK) gibt es zwei neue Covid-19-Fälle beim Personal. Denn unter den anwesenden Clubmitgliedern befanden sich am Montagabend laut interner Liste auch zwei Primarärzte der SALK. Klinikgeschäftsführer Paul Sungler bestätigte den SN am Samstagmittag, dass ein Abteilungsvorstand und damit ein leitender Arzt betroffen sei. "Er wurde getestet und das Ergebnis ist positiv. Ich habe mit ihm telefoniert, es geht ihm gut, er ist symptomlos." Der zweite Arzt sei negativ getestet worden. Sungler betont, er habe nun angeordnet, dass alle, die mit diesen Ärzten Kontakt gehabt haben, täglich einem PCR-Schnelltest unterzogen werden. "Nachdem es sich um Vorgesetzte handelt, sind es natürlich einige Mitarbeiter, die da Kontakt hatten. In der betroffenen Abteilung sind bereits alle getestet worden und das Ergebnis ist negativ." Da es sich aber nur um eine Momentaufnahme handle, würde der Test täglich vor Dienstbeginn für die nächsten acht bis 14 Tage wiederholt, sodass keinerlei Gefahr für Patienten bestehe. Die Abteilungsvorstände hätten ohnehin wenig bis kaum Patientenkontakt, "sodass es hier auch keine Bedenken gibt", sagt Sungler.
15 Mitarbeiter würden der Kategorie 2 (keine behördliche Quarantänenotwendigkeit gegeben) zugeordnet und seien bereits angewiesen worden, ein "Fiebertagebuch" mit täglicher Dokumentation der Körpertemperatur und möglicher Symptome strengstens zu führen. Außerdem habe man zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die 15 Mitarbeiter seien mit FFP3-Schutzmasken während ihrer Arbeitszeit ausgerüstet. Am Sonntagabend bestätigte die Stadt Salzburg, dass nun auch der zweite Arzt positiv sei.

Klinikchef: "Leute, es ist noch nicht vorbei"

Das Ganze zeige aber, dass die Corona-Pandemie noch nicht vorbei sei, warnt der Klinik-Geschäftsführer. "Die Botschaft muss sein: Leute, es ist noch nicht vorbei, trotz aller Lockerungen, die wir haben." Es gebe leider so genannte "Superspreader", die besonders viele Menschen anstecken würden. Das sei wohl auch hier der Fall gewesen. "Denn der betroffene Arzt sagt, er sei Montagabend mindestens zehn Meter entfernt zu jenen beiden Personen gewesen, die ebenfalls positiv getestet worden sind. Der Begriff Superspreader ist also etwas, das wir beachten müssen. Es ist noch nicht vorbei", warnt Sungler eindringlich. Es sei auch richtig, die Besucherregelung und Eingangskontrollen an den Spitälern aufrecht zu erhalten und weiterhin eine Isolierstation bereit zu halten - auch wenn es dadurch zu gewissen Leistungseinschränkungen komme.

Bereits 14 Infizierte aus diesem Cluster

Wie die Stadt Salzburg mitteilte, seien aus diesem Cluster nachweislich 14 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Die bisher bekannten Fällen verteilen sich wie folgt: sechs in der Stadt Salzburg, drei im Flachgau, vier im Tennengau, einer im Pongau (nach Hauptwohnsitz zugeordnet). Bei den drei seit Freitag dazugekommenen Infizierten handelt es sich um den Angestellten einer privaten Firma und zwei Selbstständige. Die Bezirksverwaltungsbehörde der Stadt Salzburg geht von weiteren Fällen aus. Mehr als 100 Personen sollen "mehr oder weniger vom Cluster betroffen sein". Die Stadtbehörden hätten 31 Personen als Kategorie I-Kontakte in Quarantäne abgesondert. Bei der Veranstaltung am Montagabend haben 26 Personen teilgenommen. Am Mittwoch sei einer der teilnehmenden Personen dann positiv getestet worden. Dieser so genannte Indexfall des Clusters habe dann alle anderen Krankheitsfälle nach sich gezogen. Wie und wo sich der "Indexfall" angesteckt habe, ist nicht bekannt. Man ermittle intensiv.

SPÖ fordert Antworten: "Unprofessionell und gefährlich"

Dass das Coronavirus nun auch den Regierungsbezirk erreicht hat, wirft für die Opposition Fragen auf. Noch-SPÖ-Chef Walter Steidl verlangte am Samstag Aufklärung von Landeshauptmann Wilfried Haslauer. "Wenn rauskommt, dass seit Montag Hundert Menschen infiziert wurden, so stellt sich die Frage, warum dies erst Freitagnachmittag bekannt gegeben wurde. Was soll verborgen werden?", fragt Steidl. Es gebe jedenfalls viele Ungereimtheiten, die sich für die SPÖ sogar zur Verfassungskrise ausweiten könnten. "Wenn der Mitarbeiter von Landesrätin Hutter seit Mittwoch Symptome zeigt, warum wurde dies der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt?", fragt Steidl. Und weiter: "Wenn seit Donnerstag die Mitarbeiter der Regierungsbüros in Quarantäne geschickt wurden, warum wurde das erst am späten Nachmittag des Freitags bekannt? Wenn der Spitzenbeamte getestet wurde, warum wird nicht auch Landeshauptmann Haslauer als Kontaktperson eingestuft. Beide arbeiten im selben Haus im Chiemseehof. Eine Infektion könnten für ihn als Mitglied der Risikogruppe fatale Folgen haben? Warum wurden die Mitglieder des Landtags nicht bereits am Mittwoch informiert? Hat dieser Ausbruch Auswirkungen auf die Durchführung der Festspiele? Warum wird Landeshauptmann Haslauer nicht sofort getestet?" Der Umgang mit diesem Cluster sei "unprofessionell und gefährlich", meint Steidl. Er selbst ziehe jedenfalls Konsequenzen und hab seine eigene Abschiedsfeier am kommenden Mittwoch im Landtag abgesagt. "Im Gegensatz zu Haslauer und Co und Spitzenbeamten des Landes will ich niemanden gefährden", sagt der scheidende SPÖ-Chef.

ÖVP in Richtung SPÖ: "Einfach widerlich"

Die ÖVP wies die Darstellung der SPÖ am Samstag entschieden zurück. Die Behauptung Steidls, wonach der Mitarbeiter von LR Hutter seit Mittwoch Symptome einer Erkrankung gezeigt hätte, sei eine blanke Lüge. "Die Ursprungsperson wurde am Mittwoch positiv getestet. Der Mitarbeiter wurde als Kontaktperson dieser unmittelbar und präventiv in Quarantäne geschickt. Er wurde am Donnerstagabend - noch völlig symptomlos - positiv getestet", sagt ÖVP-Parteigeschäftsführer Wolfgang Mayer.

Fakt sei, "dass der Umgang mit den beiden Fällen im Landesdienst und von allen Beteiligten nach derzeitigem Wissensstand mehr als vorbildlich war.". Am Mittwoch hätten die betroffenen Personen erfahren, dass ein Mann bei einer Veranstaltung, die vermutlich der Ausgangspunkt für die aktuellen Infektionen war, positiv auf das Virus getestet wurde. Beide Personen hätten sich sofort in Quarantäne begeben. "Zusätzlich wurden umgehende Corona-Tests angeordnet, die normalerweise erst durchgeführt werden, wenn die Personen Symptome haben. Unmittelbar nach Vorliegen der Testergebnisse wurden wiederum deren Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt - auch diese werden bereits vorsorglich getestet." Die Öffentlichkeit sei am Mittwoch über die beiden bekannten Fälle informiert worden und Freitag ebenso, als aufgrund von Tests klar war, wie die Lage aussehe.

"Es ist einfach widerlich, wenn man aus Verzweiflung über die aktuelle politische Bedeutungslosigkeit offensichtlich dazu greift, das Unglück anderer Menschen für politische Zwecke zu missbrauchen. Das einzige, was man der Landesregierung und den Behörden auf Basis der Fakten nachsagen kann, ist, dass hier korrekt gehandelt und wesentlich mehr getan wurde, als es die Vorschriften und Regeln vorsehen würden. Wenn man einen guten Roten am Abgang erkennt, wäre hier eine Entschuldigung fällig", meinte Mayer in Richtung Steidl.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 07:25 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/nach-clubabend-mittlerweile-14-corona-faelle-zwei-salk-aerzte-ebenso-infiziert-89134702

Kommentare

Schlagzeilen