Tennis

Dominic Thiem erreicht Melbourne-Finale und wittert seine Chance

Der Österreicher stellt sich bei den Australian Open der "ultimativen Herausforderung". Turnierkönig Novak Djokovic adelt ihn vorher.

Dominic Thiem ist im Endspiel bei den Australian Open noch einen Schritt von seinem größten Karriereerfolg entfernt. Ein Schritt, der schwieriger nicht sein könnte. "Die ultimative Herausforderung" nennt Österreichs Tennisstar sein Finalduell am Sonntag (9.30 Uhr/live Servus TV, Eurosport) mit Novak Djokovic. Die Buchmacher sehen den 16-fachen Grand-Slam-Sieger aus Serbien als klaren Favoriten, wenngleich Thiem einige Experten den Coup zutrauen.

Wird die Kraft reichen? Am Freitag im Halbfinale konnte der 26-jährige Niederösterreicher diese Frage eindrucksvoll mit Ja beantworten. Doch das 3:6, 6:4, 7:6(3), 7:6(4) über den wiedererstarkten Alexander Zverev war ein weiterer körperlicher und mentaler Kraftakt. Zweieinhalb Sätze lang war das Duell, ähnlich jenem von Djokovic mit Roger Federer, nicht auf höchstem Niveau. Es gab viel Auf und Ab auf beiden Seiten. "Da hat man gemerkt, dass wir beide nervös waren", sagte Thiem.

Thiem unterliefen zunächst viele leichte Fehler. Im zweiten Durchgang brachte ihn Zverev, der sonst mit großartiger Aufschlagleistung beeindruckte, mit zwei Doppelfehlern zurück ins Match. Im dritten Satz stand Thiem kurz vor einem Doppelbreak, ehe er selbst zwei Satzbälle spektakulär abwehrte und das Tiebreak für sich entschied. "Ein Schlüsselmoment", sagte Thiem, der wieder in den wichtigsten Momenten sein bestes Tennis auspackte und schließlich auch das fünfte Tiebreak in Serie (drei davon im Viertelfinale gegen Rafael Nadal) gewann.

"Vielleicht hat es die Erfahrung für mich entschieden", sagte Thiem nach einem weiteren Marathon über fast vier Stunden. In denen er auch mit Magenproblemen zu kämpfen hatte. "Mir war ein bisserl schlecht, vor allem wenn so enge Partien sind, dann geht das nervlich an die Substanz. Das habe ich öfter und ist nichts, worüber man sich Sorgen machen muss. Aber ich habe naürlich schon viel Energie und Anstrengung in dieses Turnier investiert", erklärte er und bestätigte, dass er die Strapazen vom fulminanten Vier-Stunden-Thriller gegen Nadal spürte. Und nun kommt erst Djokovic. "Es ist mein drittes Grand-Slam-Finale und zum dritten Mal spiele ich gegen den König des Turniers", sagte Thiem über seine zwei Niederlagen in Paris gegen den elffachen Triumphator Nadal und nun das Duell mit dem siebenfachen Melbourne-Sieger.

Starke Leistung: Dominic Thiem schlägt Alexander Zverev und steht im Finale der Australian Open. SN/APA/AFP/SAEED KHAN
Starke Leistung: Dominic Thiem schlägt Alexander Zverev und steht im Finale der Australian Open.

Obwohl er sich selbst seiner Außenseiterrolle natürlich bewusst ist, versprach er unter dem Jubel in der 15.000 Zuschauer in der Rod Laver Arena: "Ich werde wirklich alles geben, was ich in mir habe." Sein Finalgegner, der nur einen Satz im Turnierverlauf abgeben musste und dessen Weg ins Finale fast sechs (!) Stunden kürzer war, adelte Thiem schon im Vorhinein. "Dominic hat seinen Platz mitten in der absoluten Spitze längst gefunden und mehr als verdient. Er ist ein großartiger Spieler und verbessert sich immer weiter. Er hat alles, was man braucht um ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen", sagt der 32-Jährige vor deren elften direkten Duell (siehe Daten & Fakten).

Thiem liegt zwar 4:6 zurück, doch hat er bereits drei Duelle auf den größten Bühnen für sich entschieden. Jene im French-Open-Halbfinale und bei den ATP-Finals erst im vergangenen Jahr. "In London habe ich super gespielt. Ich glaube daran, dass ich das noch einmal abliefern kann. Zuerst muss ich bestmöglich regenerieren", freut sich Thiem auf den nächsten Höhepunkt seiner Karriere. Legenden und Experten trauen Thiem alles zu. "In dieser Form hat Dominic auch gegen Novak, der momentan fast unantastbar agiert, alle Chancen", sagt Pat Cash.

Schon jetzt hat Thiem jedenfalls wieder Sportgeschichte geschrieben. Als erster Österreicher steht er im Finale der Australian Open. Thomas Muster, den er während des Turniers als Trainer absetzte, erreichte down under 1989 (Niederlage gegen Ivan Lendl) und 1997 (Pete Sampras) jeweils das Halbfinale.

Während Djokovic ohnehin als Topfavorit nach Melbourne kam und Thiem zu den ersten Herausforderern zählte, setzt das Finale der Damen am Samstag (9.30 Uhr) einen Schlussakt, mit dem nicht zu rechnen war. Die ungesetzte Spanierin Garbine Mugurza trifft auf die US-Amerikanerin Sofia Kenin.

Das war das Match im Liveticker:

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