Marktbrand 1879 in Neumarkt

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Der große Marktbrand in Neumarkt am 11. März 1879, der in einer der fünf Brauereien ausgebrochen war, vernichtete achtzig Objekte. Dieses Bild mit einer Information über den Marktbrand befindet sich im Durchgang von der Hauptstraße zum Rinnerthaler Parkplatz.
Eine Ansicht des Marktes Neumarkt vor dem großen Marktbrand 1879 im Eingangsbereich des ehemaligen Braugasthofes Forsthuber als Mosaik.

Der Marktbrand 1879 in Neumarkt war der schwärzeste Tag in der Geschichte der heutigen Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee. An diesem Tag fand die größte Brandkatastrophe ihrer Geschichte statt.

Einleitung

Bei diesem Brand wurde der größte Teil des Marktes in Schutt und Asche gelegt. Von den bestehenden 111 Häusern wurden 56 Wohngebäude und 24 Nebengebäude Opfer der Flammen. Die Schadenssumme von 200.000 Gulden war für die damalige Zeit ein enormer Betrag.

Entstehung und Verlauf des Brandes

Um die Mittagszeit am Dienstag, den 11. März 1879 schlugen Flammen aus dem Bräuhaus Moser. Ein Bub stürzte mit den Worten "Es brennt" um kurz vor zwölf Uhr aus dem Bräuhaus. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, welche Katastrophe über den Markt hereinbrechen sollte.

Bereits Minuten später loderten die Flammen, angefacht durch einen orkanartigen Sturm, am hinteren Teil des Gebäudes zum Himmel. Obwohl man mittels Sturmglocken die Nachbargemeinden alarmierte, berichten Quellen, dass bereits nach einer Stunde der größte Teil der Gebäude im Markt in Flammen standen. Nur die Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus blieb von den Flammen verschont. Feuerwehren aus der Stadt Salzburg, von Braunau am Inn und Wels (beide in Oberösterreich) eilten zu Hilfe. Die Feuerwehren von Neumarkt, Straßwalchen, Köstendorf und Seekirchen standen im Einsatz, Soldaten des Rainerregiments kamen zur Hilfeleistung. Ihnen gelang es mit dem Wasser des Statzenbachs den nördlichen Teil des Marktes um die Kirche, die Schule und den Pfarrhof zu retten. Der Süden des Marktes konnte aber aufgrund von Wassermangel nicht gerettet werden.

Um 19:45 Uhr waren entlang der Marktstraße beiderseits die Häuserreihen niedergebrannt. Doch erst am nächsten Tag, den 12. März, konnte gegen vier Uhr früh das Feuer eingedämmt werden. Doch schon in der folgenden Nacht auf den 13. März entfachte ein Sturmwind neuerlich die Flammen. Nur das rasche Eingreifen der Feuerwehren und Bewohner konnten eine neuerliche Brandkatastrophe im restlichen Teil des Marktes verhindern.

Zwei Menschen starben bei der Brandkatastrophe. Am Nachmittag des Ausbruchs des Feuers ließ der Karlbräu aus dem Keller - sein Haus stand nur mehr der ebenerdige Trakt - für die erschöpften Feuerwehrleute ein Fass Bier holen. Als jedoch die Feuerwehrleute mit dem Fass unter dem Torbogen standen, stürzte dieser ein und begrub fünf Männer. Vier konnten lebend geborgen werden. Der Maurermeister Pöll aus Straßwalchen, dem eine Ferse zerschmettert und der Brustkorb eingedrückt war, starb bald nach seiner Bergung. Wer der zweite Tote war, geht aus der Quelle nicht hervor.

Wie ein Zeuge der Katastrophe berichtete, brachte man alle Habseligkeiten, die gerettet werden konnten, über die Statzenbachbrücke an das andere Ufer auf die Hagingbauerwiese, auf der Strohmist ausgebracht worden war. Doch Funkenflug, entfacht durch den herrschenden Sturmwind, brachte das ausgetrocknete Stroh auf der Hagingbauerwiese zum Brennen. Sogar bis hinauf nach Sommerholz wurde der Funkenregen gebracht. Helfer wurden von den Bränden im Markt abgezogen, um Brände auf der gefährdeten Wiese zu löschen und die dort gelagerten Habseligkeiten neuerlich in Sicherheit zu bringen.

Ein Teil der Hagingbauerwiese mit der heutigen Hagingbuche an den Abhängen des Glanzhügels (Bildmitte rechts).

Der Wiederaufbau des Marktes verschlang dann die unvorstellbare Summe von 850.000 Gulden. Bei der Unterstützung durch Spenden waren es vor allem die Stadtgemeinde Salzburg und deren Bewohner, die hier tatkräftig halfen. Die Bauern der Umgebung lieferten Bauholz und leisteten Robotarbeit. Mit Hilfe von rund 400 italienischen Gastarbeitern und den Marktbewohnern konnte dann bereits im Sommer 1879 der größte Teil des Marktes wieder aufgebaut werden. Diese Aufbauarbeiten überwachte Hofrat Karl Ritter von Glanz im Auftrag der Salzburger Landesregierung. Er setzte sich dabei gerne auf der Hagingwiese unter die dort stehende große Hagingbuche. Dieser Hügel wurde dann nach ihm Glanzhügel benannt. Diese Buche wurde später durch Blitzschlag so schwer geschädigt, dass sie gefällt werden musste.

Gedicht

Johanna Höller, eine Neumarkter Bürgersfrau, verarbeitete das als Augenzeugin Erlebte in einem Gedicht, das sie "Das Brandlied von Neumarkt" nannte.

Musikalische Aufarbeitung

Die Trachtenmusikkapelle Neumarkt am Wallersee brachte im Rahmen ihres 56. Cäciliakonzerts, das aufgrund eines Lockdowns zur Bekämpfung der Coronapandemie nicht im November 2021 stattfinden konnte, sondern erst am 23. April 2022, das Stück "Icendium - Fire Inferno" zur Aufführung, das vom niederösterreichischen Komponisten Otto M. Schwarz als Auftragsarbeit der Trachtenmusikkapelle komponiert worden war. Das Stück hat dieses Brandkatastrophe vertont.

Der nächste Brand

Acht Jahre später, am 4. Mai 1887, brannte es abermals im Markt. Diesmal brannte die Pfarrkirche bis auf ihre Grundmauern nieder. Auch der Turm fiel dem Feuer zum Opfer, sogar die Glocken waren geschmolzen. Das Feuer war durch Brandstifung gelegt worden.

Quellen