Georg Rinnerthaler

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Die Verhaftung von Georg Rinnerthaler 1938.
Ein von Bundeskanzler Leopold Figl gewidmetes Bild an seinen KZ-Freund Georg Rinnerthaler.

Georg Rinnerthaler (* 1882; † 3. März 1957) wurde von Neumarkter Nazis ins KZ gebracht, sein Besitz enteignet. Das Kunstprojekt Einwurf 2022 soll an seine Geschichte erinnern.

Geschichte

Offenbar konnte es vielen in Neumarkt nicht schnell genug gehen. Am 12. März 1938, dem Tag des österreichischen "Anschlusses" an Hitlers Deutschland, wurden Georg Rinnerthaler und sein Sohn Johann verhaftet und für ein Jahr in das Konzentrationslager nach Dachau gebracht. In Neumarkt übernahmen langjährige Nationalsozialisten Führungspositionen. Franz Deinhammer wurde zum Bürgermeister bestellt,[1], Ortsgruppenleiter der NSDAP war der Gerichtsbeamte Heinrich Fellhofer und Ortsbauernführer war Matthias Karl.

Georg Rinnerthaler, der ein Gegner der Nationalsozialisten war, wurde als Leiter der Vaterländischen Front bereits 1934 Ziel von NS-Anschlägen.

Der Wirt und Metzger Rinnerthaler (Gasthof Rinnerthaler) war einer, der vielen Leuten im Ort politisch nicht passte, sagen die beiden Salzburger Historiker Albert Lichtblau und Robert Obermair. "Rinnerthaler war schon in der Zeit des Austrofaschismus politisch aktiv. Die Personen, die mit ihm Schwierigkeiten hatten, wollten in der Nazizeit Rache üben. Er hielt dagegen", sagt Albert Lichtblau.

Schnell war klar, dass auch materielle Interessen hinter der Denunzierung standen: Noch am Abend seiner Verhaftung wurde der Besitz von Georg Rinnerthaler geplündert. Man hatte es auf seine Biedermeier-Möbel abgesehen, die örtliche Gestapo riss sich sein Auto unter den Nagel. Sein Motorrad, seine Jagdgewehre und Feldstecher, all seine Wurstwaren wurden von Menschen aus dem Ort entwendet. Seine Tiere wurden verkauft.

Der Sohn von Georg, Johann sowie der Gendarmeriepostenkommandant Franz Prade, Eduard Gieselbrecht und Zollinspektor Zeindl wurden aus ihren Ämtern entfernt und verhaftet. Regimegegner, darunter auch Pfarrer Josef Hausberger, wurden schikaniert.[2]

Der Fall Georg Rinnerthaler mache deutlich, dass die nach 1945 oft vorgebrachte Schilderung eines Terrorregimes von außen nicht zutreffend sei, sagt Albert Lichtblau. "Ganz im Gegenteil: Das Schicksal von Georg Rinnerthaler ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Initiative zur Verfolgung und Vertreibung politisch Andersdenkender direkt von Nachbarn, Bekannten und in diesem Fall sogar Verwandten innerhalb einer örtlichen Gemeinschaft ausgehen konnte", sagt der Historiker.

Es ist nur eine von mehreren Geschichten über Widerstandskämpfer, die das Land Salzburg in einem Erinnerungsprojekt thematisieren will. In jedem Bezirk ist ein Gedenkort geplant. Die Idee des Projekts war es auch, gezielt in alle Bezirke zu gehen, erklärt Lichtblau. Denn in der Stadt Salzburg gebe es bereits geballt sehr viele Projekte der Erinnerungskultur.

Nun soll es im ganzen Land temporäre künstlerische Gestaltungen geben, die sich mit Menschen im Widerstand und ihrer historischen Bedeutung auseinandersetzen. Den Anfang macht Neumarkt am Wallersee. Acht Künstler wurden zum Wettbewerb für ein Mahnmal in Neumarkt eingeladen. Die eingereichten Konzepte werden von einer fünfköpfigen Jury beurteilt, im Herbst 2021 soll der Sieger gekürt werden. Es gehe um eine zeitgemäße Annäherung an Erinnerungskulturen, deren inhaltliche Dimension, Überzeugungskraft und Stimmigkeit, sagt Kunsthistorikerin Hildegard Fraueneder. Im Mai 2022 soll das Kunstprojekt starten. Das Land stellt ein Budget von 600.000 Euro zur Verfügung.

Die Geschichte von Georg Rinnerthaler macht jedenfalls betroffen. Ein Jahr war er im KZ Dachau interniert. Als er am 15. März 1939 wieder nach Neumarkt zurückkam, zerschlug man alle Fenster seines Gasthauses. Er wurde unter Hausarrest gestellt. Danach stellte ihm der Ortsgruppenleiter ein Ultimatum: Er habe bis Mai sein Hab und Gut zu verkaufen, andernfalls würde er wieder interniert. Zwar kam er um einen Verkauf herum und verpachtete sein Gut. Aus Neumarkt wurde er aber vertrieben, er kam in Freilassing unter, wo er bis 1945 blieb.[3]

1946 wurde er zum Ortsstellenleiter in Neumarkt von der Wirtschaftskammer Salzburg, Sektion Fremdenverkehrsunternehmungen, bestellt.[4]

Gedenken im Team mit örtlichen Initiativen

Der Platz vor der Stadtpfarrkirche in Neumarkt, an dem auch das Kriegerdenkmal steht, ist ein möglicher Ort für das erste Kunstobjekt. Das Gesamtprojekt wird von der Arbeitsgemeinschaft "Orte des Gedenkens" geleitet, der die Kunsthistorikerin Hildegard Fraueneder und die Historiker Albert Lichtblau und Robert Obermair angehören.

Das Team arbeitet eng mit dem Museum Fronfeste und der Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee zusammen. Auch die folgenden Gedenkorte werden jeweils gemeinsam mit regional verankerten Initiativen angegangen. Im Frühling 2022 wird ein Schulprogramm starten. Die Schüler werden selbst zu Historikern und die Biografie Rinnerthalers aufarbeiten.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Salzburger Landesarchiv, Prä. 1938/38b-1258, Bestellung Deinhammer, 18. März 1938
  2. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934–1945, Band 2, Wien-Salzburg 1991, S. 22f; Michael Max, Franz Paul Enzinger u. a. (Red.) Raststätte auf dem Weg mit Christus, Neumarkt am Wallersee 2009, S. 228–230; Johann Goiginger in 'Neumarkt am Wallersee. Die Entstehung seiner Landschaft und Geschichte., Neumarkt, im Eigenverlag der Marktgemeinde Neumarkt am Wallersee, 1993, S. 98; Gemeinderatsprotokoll Neumarkt 09. 06. 1945; Hausbergers Haltung geht aus der Korrespondenz und Berichten hervor: Archiv der Erzdiözese Salzburg (AES), 7/96/1, Hausberger an Ordinariat, 28.11.1939; AES, Rv4a 12/21, Kirchenbericht 16.09. 1941, S. 4
  3. SLA, Opferfürsorge S-280, Georg Rinnerthaler; DÖW 19400/161 Beschlagnahmungen; Gemeinderatsprotokoll Neumarkt 27.5.1945; Gedächtnisprotokoll Rinnerthaler, 07. 08. 1945
  4. Salzburger Nachrichten in ANNO, Ausgabe vom 8. Juni 1946, Seite 6