Österreich

Superfrauen lieben Männer

Schluss mit der Opferrolle. In einer Frau steckt viel mehr als eine Feministin. Und Männer und Frauen brauchen einander mehr denn je - sonst scheitern wir alle.

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Auf der Bühne ist Martina Schwarzmann ganz entspannt. Weil: Daheim in Altomünster, da kann es im Alltag schon ganz schön rundgehen. Da sieht ein typischer Tagesablauf so aus: "Also i bin aufgstandn, eikaufa, Getränkemarkt, Wertstoffhof, Mittagessen kocht, schnell Zeig zammpackt und losgfahrn." Schwarzmann sagt, das sei nicht unbedingt stressig. Es müsse nur alles so gemanagt werden, dass es für jeden passe. Überhaupt erlaubt es sich die selbstbewusste Mutter von drei Kindern, die Erziehung eher als Kunstform zu bezeichnen als das Kabarett. "Auf der Bühne muss man net spontan und kreativ sei. In der Erziehung scho. Da braucht's a vui mehr Begeisterungsfähigkeit." Dass ihr Frauennetzwerke im Alltag eher suspekt sind, das verrät sie auf der Bühne. Da erzählt sie: "Meine Freindinnen und i, wir ham jetzt an Weiberstammtisch. Na jo: Eigentlich san's ja olle die Frauen von de Freind vo mein Mo."

Sie wollten es ihren Männern halt zeigen, dass die Frauen das besser können. Nur habe sie seitdem ein Problem. Von Frauenstammtischen wisse man nämlich: Die Erste, die geht - die wird dann ausgerichtet.

Bei dieser Anekdote nickt Christine Bauer-Jelinek lächelnd. Sie ist Wirtschaftscoach und Machtexpertin. "Bei Männern ist das anders", erklärt sie. "Wenn da der Fußball-Experte den Stammtisch verlässt, dann reden die anderen halt über die Formel 1 weiter." Bauer-Jelinek ist das Kunststück gelungen, sechs Jahre zu früh ein Buch über #me too geschrieben zu haben. Es trug den Titel Der falsche Feind. Darin übte sie massive Kritik an der heute üblichen Bevorzugung der Frauen. In den 1970er-Jahren war sie noch Vorreiterin in linken Frauenbewegungen. Heute berät sie Männer und Frauen, die in Spitzenpositionen von Wirtschaft und Politik sind. Für Bauer-Jelinek war schon 2012 klar: "Der aktuelle Feminismus ist ein Rückschritt - er bedroht den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft." Auch das System "Halbe-Halbe" sei kläglich gescheitert. Dieses habe nur dazu beigetragen, dass sich jetzt nicht mehr nur die Frauen, sondern auch noch die Männer überfordert fühlten. Ihr Resümee damals: "Die Unterdrückung der Frauen durch die Männer ist ein Mythos - Frauen müssen sich nicht ständig als Opfer fühlen." Erst recht nicht mehr heute: "Machos sind heute eh schon eine fast ausgestorbene Spezies. Denn die heute - sagen wir einmal - unter 35-jährigen Männer wurden großteils partnerschaftlich erzogen. Und die unter 35-jährigen Frauen von heute finden schneller humorvolle Antworten auf anzügliche Bemerkungen." Womit ein altes explosives Missverständnis zwischen den Geschlechtern entschärft wurde: "Männer machen gerne Witze - und Frauen nahmen diese zu oft persönlich." Auftritte von Aktivistinnen wie von Femen verstören Männer dann vollständig. Einerseits musste FDP-Politiker Rainer Brüderle zurücktreten, weil er spätabends an einer Hotelbar das Dekolleté einer Journalistin gelobt hatte, andererseits stürzen sich Femen-Aktivistinnen barbusig auf Männer, die als sexistisch gelten.

Kein Wunder, dass Bauer-Jelineks nächstes Buch den Titel Sex und Macht - Orientierung für Frauen und Männer nach #me too trägt. Bauer-Jelinek: "Wir müssen damit aufhören, Männer prinzipiell als Täter und Frauen als Opfer zu bezeichnen. Nebenbei wird noch die Unschuldsvermutung am Pranger der sozialen Medien ausgehebelt." Man müsse einfach im Alltag einschätzen lernen, wer Freund und Feind sei - und zwar unabhängig vom Geschlecht. Bauer-Jelinek fordert einen respektvollen, aber auch humorvollen Umgang untereinander, Rückzüge in geschlechterspezifische Netzwerke seien da wenig konstruktiv.

Dazu passt das Bild von Schwarzmanns "Weiberstammtisch" genauso wie Bauer-Jelineks Vergleich von Frauennetzwerken mit Krabbenkörben: "Sobald eine Frau nach oben will, wird sie von den anderen gleich wieder zurück in den Korb gezogen."

Über diese selbst auferlegte Opferrolle sagte die Feministin und Philosophin Svenja Flaßpöhler im "Spiegel": "Der Opferdiskurs vermeidet die Analyse der eigenen Position. Jahrhundertelang war die Frau der Spiegel des männlichen Begehrens, sie hatte sexuell keine eindeutige Position, sondern existierte nur im Bezug auf den Mann." Besonders deutlich wird sie, wenn sie über die vermeintliche Wehrlosigkeit von Frauen gegenüber männlichen Vorgesetzten spricht: "Autonom zu handeln bedeutet erst einmal, dass ich Widerstände überwinde, mutig bin, Risiken in Kauf nehme. Dass ich selbstbestimmt handle und, um es mit Kant zu sagen, der Pflicht gegenüber mir selbst genüge. Dass ich die bin, die ich sein will. Wenn Menschen sich schon immer darauf berufen hätten, dass sie leider gar nicht anders können, als zu gehorchen, dann hätte sich die Menschheitsgeschichte anders entwickelt."

Frauen benötigen also keine feministischen Strukturen, die nur darauf aus sind, Männer zu "besiegen". Sie benötigen Mut, sich selbst zu leben. So wie Schwarzmann, die ihre wichtigste Kompetenz als Kabarettistin so beschreibt: "I glaub, was i am besten kann, is, mi traun. Es is ned wichtig, dass du wahnsinnig viel kannst, du musst dich nur mit dem Bissl, was d' kannst, traun." Und dieses "sich etwas trauen", dazu müssen sie nicht gegen Männer sein. Claude Lanzmann, der Geliebte Simone de Beauvoirs, sagte einmal: "Simone war Feministin, sie war feminin - und sie liebte die Männer."

Eine starke Frau ist eben viel mehr als nur Feministin. Sie ist eine Superfrau.

Aufgerufen am 23.01.2019 um 11:36 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/superfrauen-lieben-maenner-36708163

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