Chronik

"Penis ist Antenne des Herzens - ein Frühwarnsystem"

Gerade im Frühstadium verursacht Krebs oft keine Beschwerden. Urologe Stephan Hruby erklärt, warum es häufig trotzdem schon in dieser Phase einer Behandlung bedarf.

Primar Stephan Hruby ist Urologe im Tauernklinikum Zell am See. SN/bild: sw/rené r. wenzel photography
Primar Stephan Hruby ist Urologe im Tauernklinikum Zell am See.

Drei der fünf häufigsten Krebsarten bei Männern betreffen den Urogenitaltrakt. Der durch Corona bedingte Lockdown hatte laut Primar Stephan Hruby spürbar negative Auswirkungen für die Krebsvorsorge. Trotz vieler offener Praxen blieben die Patienten aus. Erst jetzt pendelt sich die Situation langsam wieder ein.

Redaktion: Früherkennung ist so enorm wichtig. Warum gehen die Männer trotzdem nicht zur Vorsorge?Stephan Hruby: Ich denke, dass sie es anders als Frauen nicht gewohnt sind, zum Arzt zu gehen. Eine Frau begleitet der Frauenarzt de facto von der ersten Verhütung bis zum Wechsel, für sie ist die Vorsorge völlig normal - und zwar quer durch alle Schichten. Männern fehlt da vielfach das Bewusstsein. Ihre Denke: Solange ich keine Schmerzen habe, brauche ich keinen Arzt. Gerade bei Prostata- oder Dickdarmkrebs kommt es aber im Frühstadium zu nahezu keinen Symptomen. Wenn der Mann etwas Blut im Stuhl oder beim Samenerguss entdeckt, ist das absoluter Zufall.


Aber tendenziell wird es besser, oder? Späte Krebsstadien treten zunehmend seltener auf.
Das stimmt, hat aber auch stark mit dem Fortschritt in der Medizin zu tun: minimalinvasiven Operationen, verbesserten Medikamenten und der bildgebenden Diagnostik. Daraus folgt: Das Stadium, in dem heute ein Tumor entdeckt wird, ist deutlich früher als noch vor zehn Jahren. Bei der Niere können wir heute in den meisten Fällen organerhaltend operieren, bei der Prostata können die Nervengeflechte, die für die Potenz verantwortlich sind, und der Schließmuskel deutlich öfter maximal geschont und erhalten werden. Im Frühstadium entdeckt, können die meisten Krebserkrankungen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit heilend behandelt werden.


Wie bringt man die Männer zum Urologen?
Ich meine, dass der PSA-Test (zur Früherkennung von Prostatakrebs, Anm.) seitens der Krankenkasse in die Vorsorge aufgenommen werden müsste.


Ab welchem Alter raten Sie zur regelmäßigen Kontrolle?
Wenn in der direkten Familie, bei Vater, Onkel, Bruder, Prostatakrebs vorkommt, ab einem Alter von 40. Sonst ab dem 45. Geburtstag. Über den PSA-Test und die Tastuntersuchung kann ich ein Risikoprofil erstellen. Ergänzend gibt es mit dem MRT heute auch eine hervorragende bildgebende Möglichkeit. Davon abhängig ist wiederum, in welchem Intervall die Männer künftig zur Kontrolle kommen sollen. Die Sache ist: Je früher wir diese erste Testung machen, desto besser erkenne ich daraus die Dynamik im weiteren Verlauf.


Muss jedes Mal sofort operiert werden?
Nicht immer. Nach Erstellung eines individuellen Risikoprofils geben wir jedem Patienten eine maßgeschneiderte Therapieempfehlung - abhängig von Alter, Gesundheitszustand und Aggressivität der Erkrankung. Im Fokus stehen dabei einerseits die Heilung, aber auch die Lebensqualität des Patienten. Das Spektrum reicht von aktiver Beobachtung über Operation, Bestrahlung und/oder medikamentöse Therapie. Daraus erwächst oft auch ein großes Dilemma.


Inwiefern?
Wir können eine Behandlung ansetzen, wenn beim Patienten noch überhaupt keine Beschwerden vorliegen, er den Nutzen daraus also erst in acht bis zehn Jahren generiert. Und trotzdem ist es wichtig, das früh zu machen. Denn durch die modernen operativen Methoden, die minimalinvasive Chirurgie oder die Roboterchirurgie können wir die sehr zarten Nervenstrukturen in dem Bereich der Prostata schonen, wodurch der Patient in aller Regel später keine Probleme bei der Kontinenz hat und wir auch im Bereich der Potenz gute Ergebnisse erzielen - was ja für die Männer immer die zwei ganz großen Ängste waren.


Was können die Männer selbst beitragen?
Sie können aktive Vorsorger werden: Ein Mal im Jahr zum Andro-Check, ein Mal in der Woche zum Gemüsehändler, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und ihre Hoden ein Mal im Monat selbst abtasten - das ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Im Bereich des Hodenkrebses liegen wir heute bei einer Heilungsrate von 90 Prozent.


Was ist der Unterschied zwischen dem Urologen und dem Männerarzt?
UrologInnen sind Männerärzte. Wir durchleuchten die Patienten nicht nur auf Krebs, sondern betrachten sie ganzheitlich - ihre hormonelle Situation, ihren Stoffwechsel und ihr Herz-Kreislauf-System. Ein Beispiel: Wenn jemand in jungen Jahren Potenzprobleme hat, entwickelt er oft eine koronare Herzerkrankung. Der Penis ist quasi die Antenne des Herzens - ein Frühwarnsystem. Beide Organe haben sehr zarte Gefäßstrukturen. Sehe ich das, leite ich an den Internisten weiter. Oft bin ich als Urologe ja der erste Arzt, mit dem ein Mann in Kontakt tritt.


Und die Frauen?
Selbstverständlich sind wir Urologen auch für sie da. Gerade der Blasenkrebs ist bei Frauen auf dem Vormarsch und wird leider oft zu spät erkannt, da Symptome oft als banale Blasenentzündung abgetan werden. Hier raten wir zur jährlichen Vorsorge und insbesondere bei chronischen Beschwerden, einen Facharzt der Urologie aufzusuchen.

Risikofaktoren:

Nierenkrebs
Zigarettenrauchen, fettreiche Ernährung und Übergewicht, sowie lang dauernder Schmerzmittelmissbrauch oder häufiger Kontakt mit Petroleumprodukten, sowie langjährige Dialyse und Zystenbildung werden als Risikofaktoren angesehen.

Blasenkrebs
Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor. Darüber hinaus erhöhen die Arbeit mit Chemikalien, sowie bestimmte Umweltbelastungen, wie z.B. Arsen im Trinkwasser das Risiko. Hier wird in der Vorsorge abgeklärt, ob Harn im Blut ist.

Prostatakrebs
Hier spielen ein ungesunder Lebensstil (viel Fleisch, wenig Bewegung), das Alter, sowie genetische Ursachen eine Rolle. Abklärung und Behandlung galten lang als angstbesetzt, weil Männer Störungen ihrer Sexualität und Kontinenz befürchteten. Heute minimieren neue OP-Methoden das Risiko.


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