Chronik

Woher der Krampus kommt und wie man ihm begegnet

Der Krampus begleitet den Heiligen Nikolaus und soll böse Menschen bestrafen. Doch das ist nicht überall so. Außerdem: Was sagt der Krampus-Knigge und wann finden welche Krampusläufe statt? Die SN liefern den Überblick.

Im Gasteinertal - so sagt man - hat die Krampus-Tradition eine besondere Ursprünglichkeit bewahrt. Dort geht der wilde Geselle noch auf seine Wurzeln in der mystischen Vergangenheit zurück. Ein erster schriftlicher Hinweis findet sich bei Kirchenlehrer Augustinus um rund 400 n. Chr. "Der erklärte die damals lärmenden und sich in Fell hüllenden Menschen zu etwas Ungesetzlichem und Verbotenem", berichtet der Bad Hofgasteiner Archivar und Brauchtumsexperte Horst Wierer. Um Dämonen und Geister zu vertreiben, verkleideten sich die Menschen nämlich mit Fellen und Masken und zogen in die Dunkelheit. Der Krampus war somit einer, der das Böse vertrieb.

Weil sich dieser Brauch in Teilen der Bevölkerung auch mit einem Verbot nicht ausrotten ließ, wurde er umgemodelt: Der Heilige Nikolaus wurde in die Krampus-Pass integriert. Gemeinsam ziehen sie seither zu den Häusern der Menschen, der Niklolaus belohnt die guten, der Krampus bestraft die bösen. Nicht so im Gasteinertal - dort verkörpert der Krampus nicht das Böse, sondern er vertreibt es.

Der Nikolaus, sein Körbelträger, drei bis sieben Krampusse und – ortsabhängig – noch ein Engerl dazu formen eine Gasteiner Krampus Pass. SN/gasteinertal tourismus/manuel marktl
Der Nikolaus, sein Körbelträger, drei bis sieben Krampusse und – ortsabhängig – noch ein Engerl dazu formen eine Gasteiner Krampus Pass.

Während die rund 100 Gasteiner Krampus-Passen mit ihrem Nikolaus und den drei bis sieben Krampussen - immer noch direkt zu den Häusern der Menschen kommen, treten die Krampusse in anderen Landesteilen Salzburgs zu gemeinsamen Krampusläufen an. In früheren Jahren wurden häufig auch bengalische Feuer eingesetzt - die sind heute so gut wie verschwunden. "Aus Sicherheitsgründen werden sie von kaum einer Veranstaltungsbehörde noch erlaubt", schildert Hannes Brugger, Obmann der "Alt Gnigler Krampus und Perchten Pass" und Vizeobmann der Salzburger Heimatvereine. Geblieben ist aber die Show, die Krampusse bei ihren Läufen abziehen.

Wilde Gesellen am Gnigler Krampuslauf. SN/neumayr
Wilde Gesellen am Gnigler Krampuslauf.

Einer der bekanntesten Krampusläufe in der Stadt Salzburg ist etwa jener der Gnigler Krampusse, der mit 40 Krampuspassen und 850 Zusehern rund 10.000 Zuschauer anzieht. Veranstaltet wird der Gnigler Krampuslauf (30. November 2019, 19 Uhr) von der Familie Brugger und der 1966 gegründeten "Alt Gnigler Krampus Perchten Pass".

Gnigler Krampusse laden zum Krampus-Streichelzoo

Zusammen mit dem Landesverband der Heimatvereine laden die Gnigler Krampusse heuer wieder zum Kinderkrampus-Streichelzoo. Am 3. Dezember kann man im Saal der Salzburger Volkskultur hinter die Maske des Krampus schauen und so seine Angst verlieren. Eine Anmeldung dazu ist unter www.heimatvereine.at notwendig.

Traditionell heiß her geht es bei den Anifer Krampussen, die 1976 von Michael Friesacher und zwölf weiteren "Krampussen" ins Leben gerufen wurden. Sie inszenieren sich mittlerweile nicht nur beim erstmals 1978 wiederbelebten Krampuslauf (heuer am 5. Dezember am Dorfplatz), sondern auch bei einer Show mit moderner Musik und Lichteffekten im Friesachers Heuboden (29. und 30. November 2019).

Die Anifer Krampusse in Aktion. SN/andreas kolarik
Die Anifer Krampusse in Aktion.

Und: Die Anifer Krampusse haben einen eigenen Krampuss-Knigge herausgebracht. Er soll für schaurig-schöne Begegnungen zwischen Krampus und Besucher sorgen.

Wild und zahm - das verlangt der Krampus-Knigge

Ein guter Krampus (für ihn gilt Alkoholverbot) hat demnach ein breit gefächertes Verhaltensrepertoire: Er muss sowohl wild als auch zahm auftreten können. Er soll sich auf die Situation der Begegnung einstellen können - und aufgrund seiner guten Menschenkenntnis erkennen, ob der Besucher die Begegnung als schaurig-gruselig oder als schrecklich empfindet. Denn dann wäre der Krampus zu weit gegangen. Mit seiner Rute und seinem Kuhschwanz schlägt der gute Krampus nicht zu - vielmehr nutzt er seine Utensilien zur Unterhaltung und verbreitet mit ihnen gerade soviel Gruseln, dass sein Gegenüber nicht in Angst oder gar Panik verfällt. Denn seine Besucher langweiligen darf ein guter Krampus natürlich auch nicht.

Wilde Gesellen am Gnigler Krampuslauf. SN/neumayr
Wilde Gesellen am Gnigler Krampuslauf.

Der Krampuslauf-Besucher wiederum begegnet dem guten Krampus mit Respekt. Er weiß, dass der wilde Geselle durch seine Sehschlitze in der handgeschnitzen Holzmaske nur ein sehr eingeschränktes Sehfeld hat. Der gute Besucher und die gute Besucherin sorgen vor und geht nur entsprechend gut angezogen zum Krampuslauf (keine Röcke oder Kleider und Strumpfhosen!), denn sie rechnen mit kleineren Hieben. Schließlich ist es ja ein Krampuslauf. Sollte die Angst einen dennoch übermannen, so empfiehlt es sich den Krampus (von vorne!) direkt anzusprechen. Niemals darf man einen Krampus an seinen Hörnern packen - es besteht Verletzungsgefahr!

Sich den Krampussen gefahrlos nähern kann man in der "Krampuswelt" am Hellbrunner Adventmarkt. Dort stellen die Anifer Krampusse alte Bilder und Masken der wilden Gesellen aus. Zu sehen ist etwa, wie sehr sich die Krampusmasken im Lauf der Jahre verändert haben. "Früher waren sie aus dickem Holz und haben sechs bis sieben Kilo gewogen", berichtet Michael Friesacher jr., der Obmann der Anifer Krampusse. "Heute bestehen die Masken aus ganz dünnem Holz und sind nicht schwerer als ein bis zwei Kilo." Und: Während man früher fast ausschließlich Hörner nicht jagbarer Tiere wie Kühe, Schafe und Ziegen verwendet hat, haben die neueren, kleineren Holzmasken teilweise bereits integrierte Hörner aus Holz. Am "Tag des Krampus" (15. Dezember) können Kinder am Hellbrunner Adventmarkt beim Maskenschnitzen zuschauen, selbst eine Rute binden oder in ein Krampuskostüm schlüpfen.

Was jetzt: Krampus oder Percht?

Sie werden oft verwechselt und sind doch sehr unterschiedlich: Während der Krampus rund um den 5. und 6. Dezember gemeinsam mit dem heiligen Nikolaus auftritt, "hat der Percht vor der ersten Raunacht am 21. Dezember bei uns nichts zu suchen", erklärt Hannes Brugger. Krampus und Percht erfüllen unterschiedliche Funktionen. "Der Krampus ist der bestrafende Begleiter des Nikolaus, der Percht vertreibt die Wintergeister", erklärt der Brauchtumsexperte. Optisch lassen sich die beiden nicht immer unterscheiden, denn die Faustregel wonach der Krampus nur zwei Hörner, der Perchte aber vier oder sechs Hörner trägt, stimmt nicht mehr.

Krampusläufe:

Datum Ort Uhrzeit
Fr. 29.11.2019 LZHS, Salzburg-Lehen ab 17:30 Uhr
Sa. 30.11.2019 Gnigler Krampuslauf, Salzburg ab 19:00 Uhr
So. 01.12.2019 Schloss Fuschl ab 17:00 Uhr
Di. 03.12.201 Salzburg, Mirabellplatz ab 17:00 Uhr
Mi. 04.12.2019 Bischofshofen, Straßenlauf ab 19:00 Uhr
Do. 05.12.2019 Salzburg: Christkindlmarkt, Residenzplatz ab 18:00 Uhr
Fr. 06.12.2019 St. Johann/Pg, Obermarkt ab 19:00 Uhr
Sa. 07.12.2019 Seekirchen ab 18:00 Uhr
So. 08.12.2019 Guggenthal ab 15:30 Uhr
So. 08.12.2019 Salzburg, Alte Aignerstraße ab 18:00 Uhr
Sa. 14.12.2019 Lochen am See ab 20:00 Uhr

Perchtenläufe:

Datum Ort Uhrzeit
Sa. 21.12.2019 Guggenthal, Rauhnachtslauf ab 16:00 Uhr
Mi. 30.12.2019 Lungötz ab 19:30 Uhr
Do./Fr. - 02./03.01. Obergnigl ab 18:00 Uhr
Sa. 04.01.2020 Bad Reichenhall ab 19:00 Uhr
So. 05.01.2020 Bürmoos ab 19:00 Uhr
Mo. 06.01.2020 Golling, Perchtentreffen ab 16:00 Uhr

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