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In den Schuhen des Käsemeisters: die Chefin der ARGE Heumilch Christiane Mösl im Porträt

Was einst normal war, muss jetzt wieder in den Köpfen der Menschen verankert werden. Christiane Mösl liebt Käse und Kühe, die trockenes Heu fressen.

Die Seekirchnerin, Christiane Mösl, ist seit 2019 Geschäftsführerin der ARGE Heumilch.
Die Seekirchnerin, Christiane Mösl, ist seit 2019 Geschäftsführerin der ARGE Heumilch.

Christiane Mösl lebt mit dem Geschmack ihrer Kindheit. Als Tochter eines Käsemeisters weiß sie, wie ein Emmentaler schmecken muss. Dass guter Geschmack und Innovation im Bereich der tierischen Futtermittel nicht immer im Einklang stehen, davon kann sie ein Lied singen.

Die 48-jährige Seekirchnerin ist seit 2019 Geschäftsführerin der ARGE Heumilch. Diese vereinigt 8000 Heumilchbäuerinnen und -bauern und mehr als 90 Molkereien, Käsereien und Sennereien. Zuvor kümmerte sie sich bei der Tirol Milch um das Produktmarketing für die Bereiche Lattella und Käse. In die Marketingwelt leitete sie auch ihr Studium der Publizistik an der Universität Salzburg. "Abgeschlossen habe ich dieses jedoch nicht und bin gleich bei einer kleinen Agentur gelandet." Diese habe ihr später die Türen zur Tirol Mich geöffnet. Dass man oft einem Trend folgen muss, um sich dann wieder rückzubesinnen und einen Fortschritt zu erzielen, spiegelt den Kreislauf der Menschheit. So ist es wohl auch beim Käse. Der berufliche Leitsatz der Marketingexpertin lautet: "Wieder zurückfinden zu den Ursprüngen."

Was ist Heumilch?

Heumilch war in den 70er-Jahren die dominierende Milch in Österreich und vor allem im Salzburger Flachgau. Zur Erzeugung: Das Heu wurde auf den Feldern und Wiesen gemäht, getrocknet, geschont und die Bäuerinnen und Bauern kamen ohne Silage aus. Übersetzt: Der natürliche Kreislauf der Landwirtschaft und des Bodens wurde genutzt und auf haltbare Gärfuttermittel wurde verzichtet. Die vielen kleinstrukturierten Käsereien verarbeiteten die Milch zu kostbaren Käseprodukten und verkauften diese meist direkt aus der Käsetheke an die Kundinnen und Kunden.

"Heumilch ist der ideale Rohstoff zur Käseerzeugung", sagt Christiane Mösl. Heute dominiert noch die Silomilch. Diese eroberte vor 27 Jahren den Milchmarkt. "Joghurtgetränke, die als Probiotikum vermarktet wurden, lagen plötzlich im Trend." Die Heumilch trat in den Hintergrund und nur noch Exoten der Käseproduktion setzten auf diesen Rohstoff. Viele Kleinkäsereien zogen sich vom Markt zurück.

Im Land Salzburg beläuft sich die jährliche Milchmenge auf rund 355 Millionen Kilogramm. 40 Prozent davon sind Heumilch. Was steht eigentlich qualitativ über der Heumilch? "Die Biomilch und dann kommt noch die Bioheumilch, als Mercedes unter den Milchsorten." Dass nun vermehrt wieder Heumilch produziert wird und in der Landwirtschaft alte Produktionsformen wieder eine Rolle spielen, hat gesellschaftliche, technische und wirtschaftliche Gründe. Ein Landwirt erhält rund 40 Cent für einen Liter Milch. Sechs Cent mehr gibt es für die Heumilch. Bis zu 19 Cent mehr für Biomilchsorten. Technische Innovationen im Bereich der Heutrocknungsanlagen führen dazu, dass die Zeit der Trocknung verkürzt und die Abhängigkeit vom Wetter etwas reduziert wird.

Bewusstsein schaffen in der Gesellschaft

Persönlich bezieht Christiane Mösl den Käse am liebsten von Kleinkäsereien aus der Region. Quasi auf den Spuren ihres Vaters. Die Liebe zum Käse bleibt in der Familie: Ihre Brüder und ihr Neffe sind der Käseverarbeitung ebenfalls treu geblieben. Auch ihre privaten Reisen sind von Edelkäsen geleitet. "Ich liebe Frankreich und die Schweiz. Was den Käse betrifft, lasse ich mich aber auch in Italien immer wieder kulinarisch inspirieren."

In der Gesellschaft möchte sie Bewusstsein schaffen. Was früher selbstverständlich war, muss heute wieder in den Köpfen der Konsumentinnen und Konsumenten verankert werden.

Wertschöpfung soll wieder zunehmen

Am Ziel ist die in Seekirchen lebende und in Innsbruck arbeitende Marketingexpertin noch nicht: "Wir müssen es schaffen, dass die Wertschätzung in den Köpfen der Konsumenten weiter zunimmt. Die Menschen müssen weniger und qualitativ hochwertiger konsumieren." Dieses Vorhaben unterstreicht auch der Obmann der ARGE Heumilch, Karl Neuhofer, und versucht die Geschäftsführerin zu skizzieren: "Sie ist ein Kaserer-Dirndl und kennt alle Werkzeuge der modernen Kommunikation, diese brauchen wir Landwirte, um unsere traditionelle Art des Wirtschaftens zu präsentieren." Darüber hinaus wisse sie genau, wie der deutsche und österreichische Lebensmittelmarkt ticke.

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