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Red Bull Salzburg verliert packenden Krimi in Liverpool mit 3:4

Unfassbarer Krimi an der Anfield Road! Österreichs Fußballmeister Red Bull Salzburg holt e beim FC Liverpool in der Champions League einen 0:3-Rückstand auf, zog nach starker Leistung aber doch mit 3:4 den Kürzeren.

Zweites Champions-League-Spiel von Red Bull Salzburg, zweites Torfestival: Nur gingen die Bullen nicht wie beim 6:2 vor zwei Wochen gegen Belgiens Meister KRC Genk als Sieger hervor, sondern unterlagen dem Titelverteidiger Liverpool am Mittwochabend nach heroischem Kampf mit 3:4. Die Salzburger hätten sich an der Anfield Road aber ein Unentschieden verdient.

Dabei sah es anfangs ganz danach aus, als würde der Meister in ein Debakel laufen. In den ersten 30 Minuten erlebte das Team von Trainer Jesse Marsch Fußball wie von einem anderen Stern. Liverpool glänzte mit Tempo und Präzision und entwickelte Torgefahr quasi mit jedem Pass in die Tiefe. Es war aber nicht nur die Klasse des Gegners, sondern auch die fehlende Überzeugung in die eigenen Stärken, die Salzburg so schnell in Rückstand brachte. Beeindruckt vom stimmgewaltigen Anhang der "Reds", die vier Minuten vor Anpfiff programmgemäß ihren Song "You'll never walk alone" schmetterten sowie der enormen Geschwindigkeit, mit der Liverpool seine Angriffe vortrug, blieb Salzburg vorerst nur die Statistenrolle.

In der neunten Minute war es ausgerechnet der Ex-Salzburger Sadio Mané, der die Engländer nach einem Doppelpass mit Roberto Firmino 1:0 in Führung schoss. Der Flügelstürmer ließ Rechtsverteidiger Rasmus Kristensen bei seinem Antritt regelrecht stehen. Genauso rasant ging es in der 25. Minute beim 2:0 durch Andy Robertson zur Sache. Nach einer Vorlage von Trent Alexander-Arnold kam Jerome Onguene, der überraschend anstelle von Andre Ramalho im Abwehrzentrum von Beginn an spielte, einen Schritt zu spät.

Weltklassetor bei Liverpool - Red Bull Salzburg: Die Spieler in der Einzelkritik

Die Salzburger liefen dem Ball in dieser Phase nur hinterher, wurden von der Offensivwucht der "Reds" beinahe erdrückt. Noch dazu war in vielen Einzelaktionen zu sehen, mit welch feiner Klinge die Liverpool-Stars bei ihrer Arbeit auf dem Golfrasen im Anfield-Stadion zu Werke gehen. In der 36. Minute erhöhte Mo Salah auf 3:0, nachdem Bullen-Keeper Cican Stankovic einen Firmino-Kopfball nicht festhalten konnte und ihn vor die Beine von Salah abtropfen ließ.

Die Fans auf "The Kop" feierten bereits den sich anbahnenden Kantersieg und auch die Mannschaft von Welttrainer Jürgen Klopp wähnte sich in Sicherheit, als ein Tor aus dem Nichts von Salzburgs Stürmer Hee-Chan Hwang die Partie plötzlich zum Kippen brachte. Der Südkoreaner traf nach einem schönen Haken und einem Schuss ins lange Eck zum 1:3. Sehr zur Erheiterung wurde auf der Anzeigetafel im Stadion der Spielstand 3:3 eingeblendet. Als hätte der Techniker in Anfield schon eine schlimme Vorahnung gehabt, schaffte Red Bull Salzburg innerhalb von unfassbaren sechs Minuten tatsächlich den Ausgleich: Takumi Minamino mit einem Volley-Aufsitzer (66.) und der wenige Augenblicke zuvor eingewechselte Erling Haaland nach einem Stanglpass von Minamino (61.) stellten die Rangordnung in der Champions League völlig auf den Kopf.

Dominik Szoboszlai hatte sogar die Führung auf dem Fuß, verstolperte aber zu lässig. Und auch beim letztlich glücklichen Siegtreffer der Engländer in der 69. Minute verlor der 18-jährige Ungar beim Herausspielen den Ball fahrlässig. Salah ließ sich die Chance nicht entgehen und schoss den FC Liverpool mit dem 4:3 doch noch ins Glück.

Jenen FC Liverpool, der seit 2014 kein einziges seiner 23 Europacup-Spiele in Anfield verloren hat und die letzten fünf Champions-League-Partien sogar ohne Gegentor geblieben war - bis Red Bull Salzburg kam.

Die Truppe von Trainer Jesse Marsch und die 3000 mitgereisten Fans konnten trotz der ersten Pflichtspiel-Niederlage in der laufenden Saison sowie unter der Leitung des US-Amerikaners aber zufrieden sein. Das unterstreicht auch ein Blick auf eine Statistik. Nur Real Madrid (10) gelangen in den ersten beiden CL-Gruppenspielen zuvor mehr Treffer als Salzburg, das bei der Premiere in der "Königsklasse" schon neunmal gescort hat.

Stimmen zum Spiel

Jesse Marsch (Salzburg-Trainer): "Wir hatten zu Beginn zu viel Respekt vor dem Gegner, haben nicht viele Fouls gemacht, von der Intensität war es zu wenig. Zur Pause hatten wir ein großes Gespräch. Wir können stolz sein auf die Leistung in der zweiten Halbzeit. Da haben wir gesehen, dass wir mit der vielleicht besten Mannschaft der Welt an der Anfield Road mitspielen können. Wir müssen lernen von diesem Spiel, dass wir von Anfang an mit Selbstvertrauen agieren müssen und nicht so viel Angst haben dürfen. Wir haben eine Chance in dieser Gruppe. Erling (Anm.: Haaland) hatte nicht die volle Fitness, deshalb hat er nicht begonnen. Er war dann auch wichtig und gefährlich in ein paar Momenten."

Andreas Ulmer (Salzburg-Kapitän): "Das Spiel wird immer in Erinnerung bleiben. Es war eine sehr starke Leistung von uns vor allem zweite Halbzeit, wie wir uns da zurückgekämpft haben. Das war schon sehr beeindruckend. Schade, dass wir bei 3:3 nicht nachlegen haben können. Wir haben gewusst, dass es schwierig wird. Natürlich wünscht man sich, dass das so nicht eintritt. Wir haben es dann angenommen und haben uns je länger die Partie gedauert hat umso wohler gefühlt. Ich denke, dass wir vor allem zweite Hälfte unser Gesicht gezeigt haben, wie wir auftreten wollen. Ich glaube, das hat jedem sehr gut gefallen."

Cican Stankovic (Salzburg-Tormann): "Es war in der zweiten Hälfte ein sehr gutes Spiel von uns. Erste Hälfte haben wir mit wenig Selbstvertrauen gespielt, waren wohl überrascht von der Wucht von Liverpool und dem Stadion. Wegen der zweiten Halbzeit können wir auch stolz sein, es ist aber bitter, dass wir nichts geholt haben. Wer uns kennt, weiß, dass wir nie aufgeben. Nach unserem ersten Tor ist es ein ganz anders Spiel gewesen. Wir haben dann leider noch ein sehr billiges Tor bekommen. Wenn man hier drei Tore schießt muss man schon zufrieden sein. Der Trainer hat zur Pause gesagt, dass wir spielen sollen, was wir in den letzten Wochen gespielt haben und zeigen was wir mit Selbstvertrauen spielen können. Die Fans sind hier der Wahnsinn."

Jürgen Klopp (Liverpool-Trainer): "Wir waren in der ersten Hälfte überragend, waren bärenstark. Das 2:0 war eines der schönsten Tore, die ich bisher gesehen habe. Aber dann haben wir zu hektisch gespielt, Salzburg hat das System umgestellt. Sie sind im Konter sehr stark, haben jede kleine Situation genutzt und noch zwei schöne Tore geschossen. Das war eine wichtige Lektion, die wir heute bekommen haben. Wir haben einen Schlag ins Gesicht bekommen, aber wir konnten das im Spiel noch regeln. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen, daher bin ich sehr zufrieden. Es ist eine enge Gruppe, da ist alles drinnen."

Das Match zum Nachlesen im Liveticker:

Aufgerufen am 30.11.2020 um 04:05 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/red-bull-salzburg-verliert-packenden-krimi-in-liverpool-mit-34-76743052

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