Niki Lauda - Formel-1-Legende starb mit 70 Jahren

Niki Lauda - Formel-1-Legende starb mit 70 Jahren

Der österreichische Sport hat einen seiner Größten verloren. Viele Schicksalsschläge hat Niki Lauda bravourös gemeistert, nach einer im Sommer 2018 vorgenommenen Lungentransplantation kämpfte er aber immer wieder mit gesundheitlichen Problemen. Am Montag verstarb er nur wenige Monate nach seinem 70. Geburtstag im Kreis seiner Familie.

"In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser geliebter Niki am Montag, den 20.05.2019 im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen ist", teilte die Familie in einem E-Mail in der Nacht auf Dienstag mit. "Seine einzigartigen Erfolge als Sportler und Unternehmer sind und bleiben unvergesslich. Sein unermüdlicher Tatendrang, seine Geradlinigkeit und sein Mut bleiben Vorbild und Maßstab für uns alle. Abseits der Öffentlichkeit war er ein liebevoller und fürsorgender Ehemann, Vater und Großvater. Er wird uns sehr fehlen", hieß es.

In einem weiteren Statement teilte die Familie Lauda am Dienstagvormittag mit: "Niki Lauda ist am Montagabend im Kreise seiner engsten Familie in der Universitätsklinik in Zürich friedlich eingeschlafen. In den letzten 10 Monaten waren wir jede Minute an seiner Seite. Wir haben mit ihm gelacht, geweint, gehofft und gelitten, aber schlussendlich verließen Niki gestern seine Kräfte."

Kenntnis über den Tod hatte auch bereits Walter Klepetko, Operateur bei Laudas Lungentransplantation Anfang August 2018 im Wiener AKH. "Niki Lauda ist gestorben. Ich muss das bestätigen", sagte er Dienstagfrüh der APA. "Es gibt keine Todesursache. Es war ein langer Prozess, an dessen Ende der Patient gegangen ist. Niki Lauda hat gekämpft. Er war ein toller Mann. Aber es war seit einiger Zeit klar, dass wir ihn nicht mehr auf die 'Rennstrecke' zurück bringen können.", sagte Klepetko.

Lauda soll ein Ehrengrab in Wien bekommen, vorausgesetzt seine Familie stimmt zu. "Es ist ein Angebot, letztlich ist es eine Entscheidung der Familie", sagte ein Sprecher von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Dienstag auf APA-Anfrage. Die Familie Lauda hat diesbezüglich noch keine Entscheidung getroffen.

Bekannt und auf der ganzen Welt berühmt geworden ist der dreifache Formel-1-Weltmeister und Flug-Unternehmer Andreas Nikolaus Lauda als "Niki" Lauda. Geprägt hat ihn auch sein "rotes Kapperl", das ihn zum Phänomen und bekanntesten lebenden Österreicher neben Arnold Schwarzenegger gemacht hat.

Geboren wurde Lauda am 22. Februar 1949 in Wien als Sohn einer Industriellenfamilie. Dass er sich wegen seiner Motorsport-Leidenschaft mit einem Teil der wohlhabenden Familie überwarf, konnte die letztlich größte österreichische Autorennfahrer-Laufbahn nicht verhindern. Lauda finanzierte sich über Bankkredite selbst und legte eine von Rundstreckenrennen über die Formel 3 und Formel 2 bis in die Formel 1 führende Karriere hin.

In der "Königsklasse" debütierte Lauda im August 1971 als 21-Jähriger in einem March auf dem Österreichring. Es war dennoch der Beginn einer weltweit einzigartigen Karriere mit dramatischem Feuer-Unfall 1976 sowie den drei Weltmeistertiteln 1975, 1977 und 1984. Eine Motorsport-Karriere, der Lauda nach seinem endgültigen Rücktritt 1985 eine turbulente, wirtschaftliche Laufbahn als Flugunternehmer folgen ließ.

Es sind neben den 25 Grand-Prix-Siegen in der Formel 1 sowie den unternehmerischen Erfolgen aber vor allem auch die dramatischen Ereignisse, die Lauda zu einer Ausnahme-Erscheinung gemacht haben. Etwa der schwere Feuerunfall am 1. August 1976 auf dem Nürburgring, nach dem der regierende Weltmeister aus Österreich bereits die Letzte Ölung erhalten hatte und dennoch 42 Tage später in Monza schon wieder am Start war. Um die Unfallnarben am Kopf zu verdecken, begann er, eine rote Kappe aufzusetzen.

Es war die Kämpfernatur und Stehaufmännchen-Mentalität, die Lauda immer wieder in den Sattel gehoben hat. Und wenn er abstieg, dann aus eigenem Gutdünken. Wie etwa 1976, als er am Ende eines hochdramatischen Jahres mit zunächst privatem Traktor- und dann dem Feuer-Unfall den möglichen WM-Titel kampflos aufgab, weil es ihm im abschließenden Regenrennen von Fuji zu gefährlich war. James Hunt wurde mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister. Die damalige Rivalität zwischen Lauda und dem Briten wurde im 2013 uraufgeführten Spielfilm "Rush" dramatisiert nacherzählt.

1977 wurde Lauda zum zweiten Mal auf Ferrari Champion, weshalb man ihn in Italien bis heute verehrt. In diesem Jahr startete er auch seinen ersten Versuch als Airliner. Erst mit zwei Chartermaschinen, dann ab 1979 mit der Lauda Air, mit der er dem damaligen staatlichen Monopolisten AUA Konkurrenz machen wollte. Deshalb beendete er nach diesem Jahr auch erstmals seine Formel-1-Karriere während des Trainings in Kanada mit dem berühmten Satz, er wolle "nicht mehr im Kreis fahren".

Stattdessen widmete sich Lauda dem Aufbau der eigenen Fluggesellschaft. 1982 kehrte er aus Promotion-Gründen aber in den Motorsport zurück. 1984 holte der nunmehrige McLaren-Fahrer mit nur einem halben Punkt Vorsprung seinen dritten WM-Titel, ein Jahr später war es dann aber endgültig vorbei mit der Königsklasse. Denn nach den anfänglichen Problemen mit den Behörden hatte er schon Ende dieses Jahres doch noch eine erweiterte Konzession erhalten und startete noch einmal mit der Lauda Air durch. 1990 ging diese an die Börse.

Wie im Sport hatte Lauda auch in der Fliegerei dunkelste Momente zu überstehen. Den bittersten am 26. Mai 1991, als eine Boeing 767 seiner Luftlinie nach dem Start in Bangkok abstürzte und 223 Menschen in den Tod riss. Ende 2000 zog sich Lauda, der nebenher weiter in der Formel 1 tätig war - als Ferrari-Berater (1993 bis 1995) fädelte er dort etwa das Engagement von Michael Schumacher ein - aus der Geschäftsleitung der Lauda-Air zurück. Die Airline wurde 2001 von der AUA zur Gänze geschluckt. Da war Lauda schon Rennleiter und später ein etwas glückloser Teamchef bei Jaguar in der F1.

Deshalb pendelte der rastlose Unternehmer bald auch wieder zur Fliegerei. 2003 übernahm Lauda die Mehrheit an der Aero Lloyd Austria und gründete eine neue Luftlinie, die 2004 Niki bzw. flyniki genannt wurde. In diesem Jahr war der umtriebige Lauda kurz auch ÖBB-Aufsichtsrat. 2011 verkaufte er seine Airline zur Gänze Air Berlin. 2012 wurde Lauda 10-prozentiger Anteilhaber und Aufsichtsratsvorsitzender beim Mercedes-Formel-1-Team.

Lauda hatte inzwischen (2008) Birgit Wetzinger, eine ehemalige Flugbegleiterin, geheiratet. Der Ehe entstammen die 2009 geborenen Zwillinge Max und Mia. Laudas Söhne aus erster Ehe mit Marlene Knaus, Lukas und Mathias, sind ebenfalls im Motorsport bzw. Management aktiv. Zu einem weiteren - unehelichen - Sohn hat Lauda laut eigenen Angaben wenig Kontakt.

Birgit spendete Lauda 2005 und damit noch vor der Hochzeit eine weitere Niere. Die erste hatte er - als eine Folge des seinerzeitigen Feuer-Unfalls und der Medikamenten-Notwendigkeit - schon 1997 von Bruder Florian transplantiert bekommen.

Weil 2017 die Air Berlin selbst in die Insolvenz gerutscht war, eröffneten sich Lauda geschäftlich neue Chance: Obwohl Niki, Filetstück in der Insolvenzmasse, schon fix der Lufthansa versprochen schien, entschied sich der österreichische Gläubigerausschuss im Jänner 2018 überraschend, Laudas Firma Laudamotion den Zuschlag für Niki zu erteilen. Zwei Monate später stieg Ryanair bei Laudamotion ein. Ende 2018 übernahmen die Iren Laudamotion zur Gänze. Der Österreicher blieb aber Chairman.

Offenbar wusste Lauda über die Schwere seiner aktuellen gesundheitlichen Probleme, als er im Juli 2018 wegen eines Virus bzw. einer vermeintlichen Sommergrippe seinen Ibiza-Urlaub abbrach und sich in ärztliche Behandlung begab. Deshalb musste er auch die Grand-Prix-Rennen in Deutschland und Ungarn auslassen. Als der prominente Patient schon auf dem Weg der Besserung schien, kamen lebensgefährliche Komplikationen mit der 42 Jahre davor verätzten Lunge hinzu, was letztlich eine Organ-Transplantation im Wiener AKH nötig machte. Nach einer intensiven Reha wurde er im Herbst entlassen, musste im Jänner 2019 wegen einer Influenza aber wieder ins Krankenhaus.

Das öffentliche Interesse an Lauda und damit auch seinen gesundheitlichen Problemen ist auch deshalb so groß, weil sich der Wiener mit seiner direkten Art und der Neigung, zu fast allem Stellung zu beziehen, selbst zu einer höchst öffentlichen Figur gemacht hat. Lauda ist eine Kultfigur, ein Phänomen. "Niki ist nach dem Weggang von Bernie Ecclestone die größte Persönlichkeit im Formel-1-Fahrerlager", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff unlängst über seinen berühmten Landsmann.

Der Wunsch Laudas, wieder in die Formel-1 zurückzukehren, hat sich nicht mehr erfüllt.

Motorsport – Zeitleiste. SN/APA
Motorsport – Zeitleiste.

Aufgerufen am 11.12.2019 um 03:41 auf https://www.sn.at/sport/motorsport/niki-lauda-formel-1-legende-starb-mit-70-jahren-70545613

Mehr erfahren

Niki Lauda wird seine letzte Reise in einem Rennoverall antreten - und sein Helm wird ebenfalls eine Rolle am Tag des Begräbnisses spielen, wie Dompfarrer Toni Faber im Gespräch mit der APA am Freitag berichtete. Lauda wird kommenden Mittwoch verabschiedet, wobei auch eine öffentliche Aufbahrung und ein Requiem im Stephansdom vorgesehen ist. Die Bestattung findet in privatem Kreis statt.

Freunde und Fans können sich am kommenden Mittwoch (29. Mai) von der verstorbenen Formel-1-Größe Niki Lauda verabschieden. Um 13.00 Uhr findet im Wiener Stephansdom ein Requiem zu Ehren der Rennfahrerlegende statt. Zuvor wird Lauda von 8.00 bis 12.00 Uhr im Dom aufgebahrt.

Mit bewegenden Worten hat Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff vor dem Formel-1-GP von Monaco von Niki Lauda Abschied genommen. "Es fällt schwer, so kurz nach seinem Ableben zu sprechen. Ich fühle mich wie ein Zombie. Wir haben einen Mentor, Berater, unseren Außenminister, vor allem aber einen Freund verloren", sagte Wolff. Laudas Unterschrift werde für immer auf den Silberpfeilen zu sehen sein.

Mit berührenden Worten der Piloten ist am Mittwoch der Formel-1-Grand Prix von Monaco eingeläutet worden. Bei der obligaten Fahrer-Pressekonferenz sprach man viel über den Verlust von Österreichs Formel-1-Champ Niki Lauda. Lewis Hamilton wurde dabei zunächst ohne Angaben von Gründen vom Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas ersetzt. "Es st schockierend, eine Woche so zu beginnen", sagte der Finne.

Die Formel 1 trauert in Monaco um Niki Lauda. Zwei Tage nach dem Ableben des dreifachen Weltmeisters aus Österreich trafen Teams und Fahrer am Mittwoch im Fürstentum ein, wo kommenden Sonntag mit dem Grand Prix von Monaco der sechste WM-Lauf 2019 ausgetragen wird.

Der Tod von Niki Lauda hat Österreich und den Motorsport wenige Tage vor dem Formel-1-Klassiker in Monaco tief getroffen. "Ein ganz Großer und Schillernder, ein Idol und ehrgeiziger Kämpfer", schrieb Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Für Kanzler Sebastian Kurz verlor das Land "eine seiner herausragendsten Persönlichkeiten". Das Mercedes-Team hat laut Toto Wolff "seinen Leitstern verloren".

Länger als im Rennsport war Niki Lauda in der Luftfahrt aktiv. Mit Lauda Air und Niki schrieb er Geschichte - und mitunter auch hohe Verluste.

Niki Lauda hatte bekanntlich zwei Leben - das als Formel-1-Legende und das als erfolgreicher Unternehmer. Nimmt man es genau, hatte er aber noch eine dritte Existenz: die als Kultfigur in Film, Funk und Fernsehen. So brachte es der Wiener mit seiner Kappe und seinem markant grummelnden Nuscheln zum Liebling heimischer Kabarettisten und ausländischer Regisseure.

Andreas Nikolaus "Niki" Lauda (geboren am 22. Februar 1949 in Wien; verstorben am 20. Mai 2019 in Zürich) war einer der bekanntesten Österreicher, die jemals gelebt hatten. Diese Fotos zeigen einen Querschnitt durch ein bewegtes Leben.

Aus den Augen, aus dem Sinn: Nicht so bei Lauda, der in der Formel 1 eine Legende zu Lebzeiten war.

"Niki Nazionale" ist in der Nacht auf Dienstag im Alter von 70 Jahren verstorben. Österreich trauert um einen seiner Größten - wie auch ein Blick in Soziale Medien wie Twitter und Facebook zeigt.

Zwei Weggefährten kramten anlässlich von Niki Laudas 70. Geburtstag in den Erinnerungen. Den größeren Teil dieser Lebenszeit haben die SN-Sportjournalisten Gerhard Kuntschik und Othmar Behr die Motorsportlegende begleitet. Begegnungen zwischen Rennbox und Café Imperial.

Es war die zweite Hiobsbotschaft an diesem 1. August. Am Nachmittag schockierte die Meldung "Lauda auf dem Nürburgring schwer verunglückt und in Lebensgefahr" nicht nur Österreich.

Niki Laudas Sparsamkeit galt als legendär. Einer Anekdote zufolge wettete er als Formel-1-Fahrer nach dem WM-Titel mit Alain Prost, auf einer Promo-Tour keinen einzigen eigenen Dollar zu verbrauchen.

Niki Lauda erlangte nicht nur durch Leistungen im Motorsport Legendenstatus. Der Wiener war auch ein scharfzüngiger Kommentator - und zeigte durchaus ironische Selbstdistanz.

Kommentare