Gerhard Huber

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Gerhard Huber
Gruppenbild mit Vertretern der Blaulichtorganisationen in Salzburg; Gerhard Huber zweiter von rechts
Gerhard Huber (zweiter von links)

Gerhard Huber (* 19. Juli 1941 in Wien) war bis Ende 2008 Landesrettungskommandant des Roten Kreuzes.

Geschichte

Gerhard Huber kam 1942 nach Salzburg und begann 1955 bei der Firma Denkstein Schuhe seine Kaufmannslehre, die er 1959 mit Auszeichnung abschloss. Von 1959 bis 1960 war er in London bei der Firma Lillywhites LTD tätig, bevor er wieder nach Salzburg zurückkehrte und bis 1979 Mitarbeiter der Firma Dschulnigg war, wo er 1966 mit 25 Jahren zum jüngsten Prokuristen ernannt wurde.

Es folgte 1979 eine Managementausbildung in Bad Harzburg, Bundesrepublik Deutschland, die ihm den Posten als Prokurist und Leiter des Maximarktes Anif brachte, wo er bis 1988 blieb. 1989 wurde er ehrenamtlicher Landesrettungskommandant und Geschäftsführer des Landesverbandes Salzburg des Roten Kreuzes.

Nach seinem Übertritt in den Ruhestand Huber übernahm Huber 2012 das Amt eines Honorarkonsuls der Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka; Huber und sein Team hatten nach dem verheerenden Tsunami vom 26. Dezember 2004 die Aktion „Salzburg errichtet ein Fischerdorf“ ins Leben gerufen und auf Sri Lanka ein Vorzeigeprojekt errichtet.

Gerhard Huber ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Am 3. Juli 2015 wurden Gerhard Huber und seine Frau auf der Rückfahrt von einer Dienstreise für das Rote Kreuz bei einem Verkehrsunfall im Pinzgau ernsthaft verletzt.[1]

Vorgestellt

Das Büro ist bereits leer. Die Maler waren schon da. Der furnierte Schreibtisch ist noch übrig, darauf das weiße Plastiktelefon. In der Mitte des Raumes steht Gerhard Huber, in Zivil. Er dreht sich noch einmal um, in Richtung des leeren Aktenschrankes. Kopfnicken. "Alles bereit", sagt Huber.

Am 1. Jänner 2009 beginnt eine neue Ära für das Salzburger Rote Kreuz, einen Betrieb mit 2700 Mitarbeitern und 52 Millionen Euro Bilanzsumme. Für Gerhard Huber, der seit 1989 an der Spitze des "Rettungskonzerns" stand, fängt ein neuer Lebensabschnitt an. Der 67-Jährige verabschiedet sich in die Pension – und zwar zügig. Ein paar Projekte bleiben ihm in den kommenden Monaten noch zu betreuen, aber die Zentrale in der Dr.-Karl-Renner-Straße braucht er dafür nicht mehr zu betreten.

Wird Huber das aushalten? Bisher gehörten 14-Stunden-Arbeitstage zu seinem Alltag, "und freie Wochenenden hatte ich in diesem Jahr genau zwei", sagt er. Huber hatte eine bundesweit unübliche Doppelrolle zu spielen: Er war für den Rettungsbetrieb genauso zuständig wie für die betriebswirtschaftliche Führung des gemeinnützigen Unternehmens. "Die schönste Anrede für mich war immer, wenn die Leute einfach nur,der Chef‘ zu mir gesagt haben."

Und das haben sie. Huber war und ist ein Alphatier der alten Schule. Er sagte immer, was er meinte. Seine Anweisungen gab er kurz und knapp, ohne Höflichkeitsfloskeln. Mit Allgemeinplätzen quälte er die Öffentlichkeit selten. Zum Ende seiner Karriere hat er die Thronfolge genau geregelt: Sein Reich wird auf zwei langjährige Rotkreuzveteranen aufgeteilt. Helmut Schmidt aus Wien übernimmt den kaufmännischen Teil, Anton Holzer aus Hallein den operativen.

Jetzt kommt wohl der große Pensionsschock. Alles andere wäre doch ein Wunder. Oder? Huber selbst sieht es gelassen. Um seine Enkel werde er sich kümmern und Zeit in seine Hobbys stecken. Das Übliche eben. Keine Angst, sagt er, er werde kein Buch schreiben. "Obwohl mein Leben und seine vielen Stationen schon sehr interessant waren." Und weiter: "Ich bin dankbar dafür, dass ich das Haus gut bestellen konnte und dass jetzt ein neuer, schöner Lebensabschnitt auf mich wartet."

Die 50 Jahre im Roten Kreuz seien "ein Geschenk gewesen, für das ich dankbar bin". Dennoch werde es kein Verlust sein, jetzt aufzuhören. Wenngleich: "Wenn man mich für ehrenamtliche Aufgaben will, nehme ich das an. Aber ich werde mich für nichts mehr bewerben. Sonst lebe ich einfach das Leben, das andere in meinem Alter auch leben."

Dankbarkeit ist etwas, worüber Huber sehr häufig spricht. Seine besondere Qualität scheint darin zu bestehen, jeder Situation das Positive abgewinnen zu können. Da ist die materiell karge Kindheit im Berggasthof auf dem Gaisberg. Die Zeit, in der die Eltern in einer kleinen Kellerbehausung lebten. "Für mich war das ja schön und abenteuerlich. Ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte."

Und so geht es weiter in Hubers Leben: Der Bub, der eigentlich Friseur werden wollte, arbeitete schließlich in einem Schuhgeschäft. Ein Handwerk zu erlernen, war nicht in Frage gekommen: "Es gab da einen Eignungstest für Schüler, damit sie wissen, wo ihre Talente liegen. Bei mir ist rausgekommen: Ich bin so ungeschickt, ich darf nur ja nichts mit den Händen machen."

Auch in der Schuhbranche schien dem pubertierenden Gerhard zunächst keine große Laufbahn beschieden zu sein: "Mein Zeugnis war so schlecht, dass es der Chefin, der Frau Denkstein, imponiert hat, dass ich mich damit überhaupt hergetraut habe. So bin ich der erste männliche Lehrling dort geworden."

Später ging Huber nach England, um dort Sportartikel zu verkaufen. "Meine Mutter hat mich mit fünf Pfund und einer Stange Salami losgeschickt." Englischen Flachlandlern gab Huber Skiunterricht – in einer mit Matten ausgelegten Turnhalle. Wieder zurück, wurde er Angestellter und später Prokurist des Sport- und Waffenhandels Dschulnigg. Dazwischen verdiente er sich sein Geld als Reiseleiter, besuchte Malta, den Fernen Osten, "eigentlich die ganze Welt".

Später, nach einer Managementausbildung in Deutschland, brachte Huber es zum Prokuristen des Anifer Maximarkts. "Alles Erfahrungen, für die ich dankbar bin. Und die mich auf das vorbereitet haben, wo ich dann schließlich gelandet bin." Seine kaufmännische Prägung in Familienbetrieben und nahe am Kunden hat er beibehalten: Die Finanzkrise braucht das Rote Kreuz nicht zu fürchten – denn ein Huber spekuliert nicht. Wenn er investiert, müssen 70 Prozent des Geldes vorhanden sein, für den Rest wird ein Kredit aufgenommen. Dass sein Nachfolger es ähnlich halten solle, muss der Patriarch nicht dazusagen.

Wenn Gerhard Huber so redet, wirkt er fast wie ein Großvater, der im Ohrensessel sitzt und seinen gespannten Enkeln den rechten Weg zu einem erfolgreichen Leben weist.

Was Huber sich gar nicht vorwerfen lassen will: Machogehabe. Dass es kaum Frauen in den Führungs- und Offizierspositionen des Roten Kreuzes gibt, erklärt er so: "Es haben sich für den operativen Bereich tatsächlich selten Frauen beworben." Im Pflegebereich dagegen sei der Frauenanteil hoch, auch in der Chefetage. "Das Präsidium ist noch immer ausschließlich männlich – da wird man sich um eine Frau umschauen müssen."

Themawechsel. Huber berichtet, wie das Rote Kreuz damals, Ende der Achtziger, ein Verein in Finanznot gewesen sei, der Umsatz kaum ein Zehntel des heutigen. "Wir haben aber die Zeichen der Zeit richtig erkannt. Ich rede von der demografischen Entwicklung – dass es immer mehr alte Menschen geben wird."

So investierte Huber in die Altenbetreuung, Altenverpflegung, in Altersheime. Bereiche, die heute zwei Drittel des Umsatzes bringen. Managementmethoden, die heute als traditionalistisch gelten, waren in Hubers Anfangstagen geradezu avantgardistisch: dass auch gemeinnützige Vereine wie Unternehmen geführt gehören. Dass man sich immer nach neuen Märkten umsehen muss. Dass man das Image zu pflegen hat.

So wurde das Rote Kreuz unter der Ägide des Langzeitchefs langsam modern. Und immer größer. Huber wurde auch zur medialen Figur – man konnte ihn in Einsatzkleidung an Unfallorten sehen, an Absturzstellen, an Krisenherden. Als in Asien Hunderttausende in den Wassermassen des Tsunami ertranken und noch mehr obdachlos wurden, war der Mann, der schon beinahe das Pensionsalter erreicht hatte, am Ort der Katastrophe. "Salzburg baut ein Fischerdorf", hieß es damals, und Huber war Projektmanager.

Huber im Fernsehen, Huber im Radio, Huber in der Zeitung. Wobei: Eitelkeit ist etwas, das ihm niemand vorwerfen kann – öffentliche Präsenz war dem Direktor stets Mittel zum Zweck, diente der Marke "Rotes Kreuz" und nicht der persönlichen Eitelkeit.

Ehrungen

Anlässlich seiner Pensionierung wurde Gerhard Huber im Jänner 2009 der Ehrenring der Gemeinde Elsbethen verliehen.

Am 19. Juli 2016 wurde ihm von Landeshauptmann Wilfried Haslauer das Große Ehrenzeichen des Landes Salzburg verliehen.

Quellen

  1. Salzburger Nachrichten vom 4. Juli 2015: Gerhard Huber bei Unfall verletzt (prl)
Zeitfolge
Vorgänger

N. N.

Landesrettungskommandant des Roten Kreuzes
19892008
Nachfolger

Anton Holzer