Michael Stachowitsch

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Michael Stachowitsch in den 1940er-Jahren im Volksgarten.

Michael "Mischa" Stachowitsch (* 9. September 1921; † 4. Jänner 2016 in Stanowoje, Russland) war Tennisprofi und Lehrer.

Leben

Die Familie Stachowitsch gehörte im zaristischen Russland dem Landadel an, einige Vertreter waren politisch und diplomatisch aktiv, der Vater Diplomat in Stockholm. Nach der Oktoberrevolution durften sie nicht mehr in die Heimat zurückkehren. Mischa und seine Zwillingsschwester Nadeshda wurden in Südtirol im Exil geboren, sein älterer Bruder Alexej, Gründer des Werkschulheims Felbertal, 1918 in Stockholm.

Im Herbst 1922 traf Mischa Stachowitsch mit Eltern und Geschwistern in Salzburg ein. Sie fanden auf dem Anwesen des Onkels Wassilij (Basilius) von Paschkoff (dem heutigen Johannes-Schlössl der Pallottiner) auf dem Mönchsberg Unterschlupf. Der Vater arbeitete als Übersetzer, Autor und im Sommer als Tennislehrer beim Salzburger Eislauf- und Tennisklub (dem heutigen 1. STC Stiegl). Mischa wurde vom Vater beim damals einzigen Salzburger Tennisclub eingeführt und gehörte in kurzer Zeit zu den besten Spielern. Seine lebendigen und höchst interessanten Eindrücke vom Clubleben und Turniertennis der 1930er-Jahre sind in der Festschrift des Salzburger Tennisverbandes anlässlich des 50-jährigen Verbandsjubiläums 2004 nachzulesen.

Vom November 1939 bis Juni 1945 war Mischa Soldat und rüstete als Leutnant ab. Während seines Studiums an der Universität Graz von 1945 bis 1949 übernahm er am Institut für Leibeserziehung die Ausbildung der staatlich geprüften Tennislehrer sowie der Turnlehrer mit Spezialfach Tennis. Im Winter 1949/50 wurde Mischa Berufsspieler, arbeitete in der Schweiz und spielte im November 1952 die Profiweltmeisterschaft in London Wembley. Unter den 16 eingeladenen Teilnehmern, damals die besten Tennisspieler der Welt, befanden sich so klingende Namen wie Fred Perry, Donald Budge, Jack Kramer, "Pancho" Gonzales, Bobby Riggs und Pancho Segura. Im selben Jahr war Stachowitsch die Nr. 9 der Profi-Weltrangliste.

Die Jahre 1954 bis 1972 verbrachte er in den USA als Tennislehrer und Berufsspieler. So erreichte er unter anderem das Finale der amerikanischen Profimeisterschaften in Forest Hills.

Nach seiner Rückkehr nach Salzburg eröffnet Mischa 1972 die 1. Salzburger Tennisschule in der Tennishalle in Salzburg-Liefering. Seine Spezialität waren Videoanalysen, damals eine Sensation und aufgenommen mit einem der ersten Aufnahmegeräte in privatem Besitz. Ab 1983 unterrichtete er im Tennispoint Anif bis ins hohe Alter.

Im Seniorentennis hat Mischa in allen Altersklassen ausgezeichnete Erfolge erreicht. Er war vielfacher österreichischer Seniorenmeister und Mitglied aller Nationalmannschaften der Herren 45 bis 80. Bei Tennisreisen in die ganze Welt gewann er die internationalen Titel in Indien, Deutschland, Brasilien, Argentinien und Uruguay. Im Jahr 2002 war Stachowitsch die Nr. 2 der Weltrangliste der Herren 75. Im Jahr 2006 beendete er seine lange, erfolgreiche Tenniskarriere mit dem Europameistertitel der Herren 85 im Einzel und Doppel.

Obwohl der Tennissport immer eine wichtige Rolle in Mischa Stachowitschs Leben spielte, muss doch, um seiner Persönlichkeit gerecht zu werden, die breite Palette seiner Fähigkeiten und Aktivitäten erwähnt werden. Er war Allroundsportler und errang in sechs Sportarten Meisterschaften und Titel (Leichtathletik, Schilauf, Langlauf, Tischtennis, Eishockey und Tennis). Außerdem war Mischa leidenschaftlicher Cellist, schrieb Gedichte und Aphorismen sowie philosophische Werke. Er forschte zur Geschichte seiner Familie und brachte eine von ihm ins Deutsche übersetzte und kommentierte Biographie seines Vaters heraus. Seine Beobachtungen und Gedanken zum Thema Russland hat er in seinem Buch Leben, wie ich es sehe 2010 veröffentlicht.

Fast 50 Jahre war er mit seiner Frau Leopoldine (Muna), geborene Serenyi († 2005) verheiratet und hatte mit ihr drei Kinder. Sohn Michael lebt in Wien, die Töchter Nadia in Florida und Alexandra in Göteborg. Im Jahr 2006 entschloss sich Mischa, in die alte Heimat seiner Familie nach Russland zurückzukehren und noch einmal zu heiraten. Dort lebte er seither zusammen mit seiner Frau Tatjana und ihren Kindern ein überaus aktives Leben. Mischa nahm am kulturellen Leben teil, gab Interviews für Rundfunk und Fernsehen und hielt Vorträge an Universitäten und Schulen. Im ehemaligen Gut der Familie Stachowitsch stellte er die Weichen für ein Museum zur Geschichte seiner Familie. Mischa Stachowitsch war mit Menschen jeden Alters, jeder sozialen Schicht und aus allen Kontinenten befreundet. Fast jedes Jahr, zuletzt im April 2015, besuchte er seinen Sohn in Wien und seine alten Freunde in Salzburg.

Quellen

Verfasser

Dieser Artikel beruht zu großen Teilen auf dem Nachruf des Geschäftsführers des Salzburger Tennisverbands, Erich Mild.