Oberer'sche Druckerei

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Die Oberer'sche Druckerei war von 1666 bis 1943 Salzburgs zweitälteste Druckerei.

Geschichte

Die Druckerei wurde 1666 vom aus Straubing stammenden Melchior Hahn gegründet. Er nannte sich Landschaft- und Stadtbuchdrucker nannte und mit dem gleichzeitig lebenden Hof- und akademischen Buchdrucker Johann Baptist Mayr von Mayregg in heftiger Konkurrenz stand. Fürsterzbischof Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg entschied den Konkurrenzkampf mit der Mayr'schen Buchdruckerei vorerst zu Gunsten des alteingesessenen Johann Baptist Mayr, indem er ihm das Privileg als Hof- und akademischer Buchdrucker vermachte.

So entwickelte sich Hahns Druckerei unter seinen Nachkommen eher schleppend.

Aus ihm folgte Josef Pramsteidl am Waagplatz, der mit seiner Offizin später in die Brodgasse übersiedelte. 1769 ging das Geschäft an Franz Prodinger über, der es nicht sonderlich gut betrieb. Nach dem Tode Prodingers übernahm dessen Faktor Franz Xaver Oberer 1786 das Geschäft gegen Übernahme der darauf lastenden Schulden per 3.500 Gulden und Zahlung einer Leibrente von 6 Gulden wöchentlich an die Witwe seines Vorgängers. Bereits 1780 hatte Oberer die Buchhandel-Gerechtsame, die er 1795 auf dann das so genannte „Tanzmeisterhaus" am 'Hannibalplatz' Nr. 532 (heute Makartplatz) überbrachte, das er im selben Jahr kaufte.

Mit Dekret vom 6. Mai 1795 wurde Franz Xaver Oberer erlaubt, seine Gerechtsame vom Kreuzwirtgässchen[1] auf das Haus Hannibalplatz 532 zu überbringen.

Er führte die Druckerei durch geschickte Geschäftsanbahnung bis zu seinem Tode 1826 in deutlich schwarze Zahlen. Kurz vor seinem Tod eröffnete er auch noch eine Buchhandlung. Die Buchhandel-Gerechtsame ging 1827 auf seinen Sohn Joseph Oberer über, unter dessen Leitung das Geschäft einen bedeutenden Aufschwung nahm.

Er richtete 1831 die erste lithographische Kunstanstalt in Salzburg (in Mozarts Wohnhaus am Makartplatz) ein und wurde so der Begründer der Kunst Senefelders in Salzburg. Der so tatkräftige und unternehmungslustige Mann starb leider 1843 kinderlos. Seine Witwe führte die Druckerei unter der Leitung des Cousin von Josef Wappmannsberger (ab 1828), weiter, der 1844 die Druckerei samt Lithographie mit Buchhandlung übernahm. Unter ihm wurde in Salzburg 1848 mutmaßlich die erste Schnellpresse aufgestellt. 1850 (1851?) verkaufte dieser jedoch die Druckerei dann an Franz Endl und Franz Penker — zwei Setzer der Druckerei. Die Buchhandlung und die lithographische Anstalt behielt er. Die Druckerei führte fortan den Namen Endl & Penker'sche Buchdruckerei. Penker schied 1871 aus gesundheitlichen Gründen wieder aus. Von 1873 bis 1883 war Franz Endl alleiniger Inhaber. Im letztgenannten Jahre ging die Buchdruckerei samt Buchhandlung an Josef Oellacher, die Lithographie an Franz Hufnagel über.

1895 wurde sie als Kommanditgesellschaft Franz Oberndorfer geführt, 1898 wurde Fritz Faber Mitbesitzer. 1899 kam die Gerechtsame wieder an Josef Oellacher. 1903 erwarben schließlich vier Angestellte die Druckerei, darunter Karl Rathmayr und Josef Ringelschwendtner. Von ihnen führte Karl Rathmayr die Geschäfte bis zur Einstellung aus kriegswirtschaftlichen Gründen im Jahr 1943 weiter. 1923 waren Karl Rathmayr, Josef Urlesberger und Josef Giglmayer die Besitzer. Die Namen der Druckerei änderten sich auf Ringelschwendtner & Rathmayr und zuletzt Rathmayr & Urlesberger.

Zeitungen

Folgende Salzburger Tageszeitungen wurden zumindest zeitweise in der Oberer'schen Druckerei hergestellt:

Bücher

  • Peter Matern: Lithographische Kunstanstalt Joseph Oberer Biedermeieransichten Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 27
Die Neuerscheinung dokumentiert Leben und Werk des Druckereibesitzers, Verlegers, Buchhändlers und Lithographen Joseph Oberer (* 1789; † 1843). Der Schwerpunkt des Buches liegt vor allem auf den schönen Biedermeieransichten aus Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und dem Salzkammergut.

Quellen

Anmerkung

  1. eine nicht mehr bestehende Gasse im Bereich zwischn Platzl und Theatergasse