St. Zeno (Geschichte)

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St. Zeno, Ansicht von Westen, Zeichnung von Philipp Apian 16. Jh. Von links Stiftskirche, Stiftsgebäude, Pfarrkirche St. Maria
St. Zeno von Osten nach dem barocken Umbau. Kupferstich aus dem „Churbayrischen Atlas von Anton Ertl, 1690.
St. Zeno im 17. Jahrhundert
St. Zeno - um 1860
Kirche St. Zeno in Bad Reichenhall
Erzbischof Konrad von Abenberg, der Gründer des Augustiner Chorherrenstifts St. Zeno (Barockes Gemälde in St. Zeno)

Dieser Artikel behandelt die Geschichte des Augustiner Chorherrenstifts St. Zeno in Bad Reichenhall in Bayern.

Erste Kirche

Das starke Wachstum der Bevölkerung von Reichenhall könnte Anfang des 9. Jahrhunderts der Grund für die Anlage eines neuen Friedhofs mit Kirche an der Straße nach Salzburg gewesen sein. Die dem heiligen Zeno geweihte Kirche ist wohl auf Initiative des Salzburger Erzbischofs Arn (785–821) um 810 dort erbaut worden. Der heilige Zeno von Verona († 372) galt als Beschützer vor Überschwemmungen, welche Reichenhall immer wieder heimsuchten. Auch die Verbindungen Arns zum Langobardenkönig könnten zur Wahl des Kirchenpatrons beigetragen haben.

Gründung des Stifts

Bei dieser Zeno-Kirche hatte Erzbischof Konrad I. von Abenberg auf eigenem Grund 1136 das Augustiner Chorherrenstift St. Zeno gegründet, welches der Verbesserung der Seelsorge im Reichenhaller Tal dienen sollte. Der Erzbischof konnte damit aber auch seinen Einfluss in der wirtschaftlich bedeutenden Salinenstadt weiter ausbauen und sich einen machtpolitischen Brückenkopf schaffen. Zum ersten Propst wurde der Priester Lanzo († 1146) bestimmt, welcher zuvor schon längere Zeit Pfarrer von Reichenhall war. Er stammte sicher aus dem näheren Umfeld des Erzbischofs - etwa dem Domkapitel – da er dessen persönliches Vertrauen genoss. Die Zenokirche war bis zum Entstehen des Stifts die Pfarrkirche von Reichenhall, wie aus der Gründungsurkunde von [[1136}} hervorgeht. Falls die Zenokirche nicht schon längere Zeit Pfarrkirche war, könnte sie zu Beginn der mehrjährigen Gründungs- und Aufbauphase des Chorherrenstifts um 1121 die Kirche Johannes des Täufers (innerhalb der Stadtmauern) als Pfarrkirche abgelöst haben.

Diese Zeno-Kirche wurde abgebrochen und an ihrer Stelle eine neue Stiftskirche mit gewaltigen Ausmaßen errichtet, welche grundsätzlich allein den Chorherren vorbehalten war. Für die Bevölkerung musste daher eine eigene Pfarrkirche, „Leutkirche“ genannt, erbaut werden. Unter Lanzos Nachfolger Propst Heinrich I. (1146–1156) errichtete man diese westlich der Stiftsgebäude auf der gegenüberliegenden Seite der Straße. Erzbischof Eberhard I. von Biburg weihte sie im Jahre 1158 zu Ehren der heiligen Maria. Die Marienkirche war damit die Pfarrkirche für die das ganze Reichenhaller Tal umfassende Pfarrei. Heute ist davon noch der Chor gegenüber dem Pfarrhof zu sehen.

Zentrum der Seelsorge

Hauptaufgabe der Augustiner-Chorherren war die Seelsorge. Seit dem 12. Jahrhundert unterstanden St. Zeno die Kirchen im Reichenhaller Tal (u. a. die Marienkirche in Großgmain) und die Pfarreien im Pillerseetal, Kössen und Kirchdorf in Tirol, Inzell und Reit im Winkl. Ab dem 14. Jahrhundert kamen die Pfarren Unken, St. Martin bei Lofer und Petting am Waginger See hinzu. Von den 20 bis 30 Chorherren lebte die Hälfte nicht im Stift, sondern war in den genannten Pfarreien als Pfarrer tätig.

Besitzungen

St. Zeno besaß bis ins 16. Jahrhundert eigene Sudpfannen bei der Reichenhaller Saline. Voraussetzung dafür war großer Waldbesitz (für Brennholz). Die Salzerzeugung war die größte Einnahmequelle des Stifts. St. Zeno übte über Jahrhunderte die Hofmarksrechte über die Hofmark Inzell aus.

Außerdem besaß St. Zeno einen eigenen Weinberg bei Krems in der Wachau. Dieser Wein wurde im Kloster selbst getrunken und beim klostereigenen Hofwirt ausgeschenkt. Von 1720 bis 1803 brauten die Chorherren für ihren Eigenbedarf Bier, das auch in den unterstellten Pfarreien ausgeschenkt werden durfte. Der unerlaubte Verkauf des Bieres an Reichenhaller Wirte führte zu Konflikten mit den Reichenhaller Brauern.

Kulturzentrum

Das Stift erlebte einen Aufschwung in der Barockzeit, in der es ein bedeutendes Kulturzentrum des Reichenhaller Tales wurde. Vor allem Musik und schriftstellerisches Schaffen wurde gefördert. Bedeutend sind der Komponist Joseph Joachim Benedikt Münster und der Theologe und Aufklärer Benedikt Poiger.

Aufhebung

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgelöst. Die Klosterkirche wurde Pfarrkirche und die Klostergebäude gingen zunächst in Privatbesitz über. 1821 wurden die Diözesangrenzen an die Landesgrenzen angeglichen. Das Gebiet östlich des Inn, das bis dahin kirchlich zum Erzbistum Salzburg gehört hatte, fiel in die Zuständigkeit des Bistums München und Freising. 1852 übernahm der Orden der Englischen Fräulein die Gebäude und betrieb dort eine renommierte Mädchenschule mit Internat. Heute ist die Realschule im Besitz des Erzbistums München und Freising und nimmt seit 2013 auch Buben auf.

St. Zeno ist Hauptsitz der 2012 neu gegründeten Katholischen Stadtkirche Bad Reichenhall, in der alle bayerischen Pfarreien im Reichenhaller Tal zusammengeschlossen sind.

Baugeschichte der Kirche

Romanik

1228 wurde die dreischiffige romanische Basilika mit flachen Holzdecken vollendet. Ursprünglich waren zwei Türme geplant, nur einer wurde jedoch tatsächlich gebaut und erhielt ein Satteldach. Architektonische Vorbilder waren der alte Salzburger Dom, der Dom von Gurk in Kärnten und oberitalienische Kirchenbauten. Mit 90 Metern Länge war St. Zeno eine der größten romanischen Kirchen in Altbayern. Vom romanischen Bau sind heute noch Portal und Apsis vollständig erhalten.

Spätgotik

Kirche und Stift wurden 1512 durch Brand teilweise zerstört und daraufhin im spätgotischen Stil instand gesetzt und verändert. Baumeister war der salzburgische „Hofmaurer“ Peter Intzinger. Der Turm erhielt eine hochgezogene Kuppel mit vier Ecktürmchen. Man errichtete die Portal-Vorhalle und in das Kirchenschiff wurde ein gotisches Gewölbe eingezogen. Die Krypta wurde zugeschüttet und 15 neue Altäre aufgestellt. Aus dieser Zeit (um 1520) stammen Taufstein, Kanzel und Chorgestühl.

Barock

Am Beginn der Umgestaltung 1647 stellte man barocke Altäre auf. 1673 erfolgte ein Umbau des Turms, dem eine Kuppel aufgesetzt wurde, die an die Müllner Kirche in Salzburg erinnert (Kupferstich). Im Jahre 1745 wurden die gotischen Gewölberippen abgeschlagen und stattdessen Rokokostuck angebracht sowie die barocken Altäre durch neue im Rokokostil ersetzt. Bei einem Brand wurde 1789 der Turm beschädigt, er erhielt ein Notdach. Erst im 19. Jahrhundert hat man ihn in der heutigen Form instand gesetzt.

Neuromanik

1865 erfolgte eine Rück-Romanisierung der Kirche durch Pfarrer Franz von Leonrod. Der Rokokostuck wurde abgeschlagen und die drei romanischen Fenster in der Apsis wieder geöffnet. Das Rosettenfenster an der Westfassade wurde angebracht.

Neugotik

Leonrods Nachfolger Anton Thoma führte eine Regotisierung durch. 1874 hat man einen neugotischen Hochaltar aufgestellt. Der barocke Hochaltar wurde verkauft. Die vier heute noch vorhandenen neugotischen Seitenaltäre wurden 1876/77 aufgestellt. Das Anbringen von gotischen Gewölberippen und eine Ausmalung der Kirche kamen nicht zustande.

20. Jahrhundert

In den 1930er-Jahren erfolgte eine Umgestaltung zum heutigen Erscheinungsbild. Unter anderem wurden das Christus-Fresko in der Apsis und die farbige Ausgestaltung der Kirche geschaffen. Der heutige Hochaltar wurde in den 1960er-Jahren aus teilweise alten Teilen zusammengestellt. Die im 19. und 20. Jahrhundert im Abstand von nur wenigen Jahren und meist halbherzig durchgeführten Renovierungen im jeweiligen Zeitgeschmack haben eine nüchterne Atmosphäre des Kirchenraums mit stilistischen und ikonographischen Unstimmigkeiten zur Folge.

Kreuzgang

Romanisches Relief mit Kaiser Friedrich Barbarossa im Kreuzgang von St. Zeno

Der Kreuzgang von St. Zeno stammt aus dem Ende des 12. Jahrhunderts. Er wurde im romanischen Stil erbaut und war ursprünglich mit einer flachen Holzdecke versehen. Aus romanischer Zeit erhalten sind die Doppelfenster und Säulen sowie Portale (Wechsel von Untersberger Marmor, weiß und Adneter Marmor, rot). In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgte der Einbau des gotischen Gewölbes mit Gewölberippen.

Im Kreuzgang befindet sich das bekannte romanische Relief für Friedrich I. Barbarossa („Fridericus IMP“ = Imperator) Der Kaiser gilt als Schutzherr und Wohltäter des Klosters. Seitlich davon ein Relief mit der Fabel vom Wolf und dem Kranich des altgriechischen Dichters Äsop.

Die Grabplatten im Kreuzgang stammen aus der Zeit zwischen 1348 und 1609. Es sind Denkmäler angesehener Adeliger, Geistlicher, und Bürger, vor allem der Salzmeier (Verwalter der Reichenhaller Saline).

Bildergalerie Kreuzgang

Bilder

 Augustiner Chorherrenstift St. Zeno – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblink

Quelle