Stadtbäume

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Stadtbäume sind wichtige Faktoren für die Lebensqualität in Städten.

Allgemeines

Das Grün gewinnt in den Städten angesichts des Klimawandels zunehmend an Bedeutung. Für langanhaltende Hitzeperioden wie im Sommer 2018 werden Stadtbäume z. B. als Schattenspender immer wichtiger. Die Abkühlungsleistung (im Vergleich zu einer voll besonnten Fläche) zählt zu den wichtigsten Ökosystemleistungen (Nutzen der Natur für den Menschen) von Bäumen. Wie man aus Alltagserfahrungen weiß, ist im Baumschatten die thermische Belastung für den Organismus deutlich reduziert. Dieser Effekt ist vor allem für städtische Wärmeinseln bedeutend, also für Stadtgebiete, die sich durch erhöhte Temperaturen von ihrer Umgebung abheben. Um der Überhitzung städtischer Bereiche entgegenzuwirken, sind Grünflächen essenziell. Je älter ein Baum und je größer daher die Baumkrone, umso stärker ist die Oberflächenabkühlung. Es ist daher für das Stadtklima nachteilig, wenn alte Bäume abgeholzt und durch kleinwüchsigere Arten, die nicht so viel Laub werfen, ersetzt werden.

Stadt Salzburg

In Salzburg können die Baumhasel (Corylus colurna) und die Platane (Platanus × acerifolia) als Musterschüler in Bezug auf klimaregulierende Ökosystemleistungen gelten. Die Salzburger Stadtgärtner reagieren bereits auf die Klimaerwärmung, indem sie vermehrt etwa Baumhasel oder Zerr-Eichen (Quercus cerris L.) pflanzen.

Im heißen Sommer 2019 wurden, insbesondere am neugestalteten Salzburger Residenzplatz, Wünsche nach mehr Grünflächen und Bäumen in der Innenstadt laut. Allerdings: „So gern ich es täte, aber in Salzburg ist dafür zu wenig Platz“, erklärte dazu Christian Stadler, Leiter des Städtischen Gartenamtes. Einerseits sei auf den barocken Plätzen, die Bestandteil des Weltkulturerbes seien, nie ein Baumbewuchs vorgesehen gewesen, andererseits gebe es durch den ausgeweiteten Straßenbau sowie die breiten Radwege zu wenig Untergrund für Bäume. „Ein großer Baum, der 400 Liter Wasser pro Tag verdunstet und sicherlich etwas zum innerstädtischen Klima beitragen könnte, benötigt für sein Wurzelwerk zumindest zwölf Kubikmeter Untergrund.“ Ein bestehender Baum entfalte erst mit 80 Jahren seine volle Wirkung, jüngere gepflanzte werden mit 40 oder 50 Jahren eingehen. Die grüne Stadträtin Martina Berthold: „Wo es möglich ist, werde ich nach Absprache mit dem Straßen- und Brückenamt über geeignete Standorte reden. Mein Hauptaugenmerk liegt auf Spielplätzen und Straßenneubauten wie rund um das Riedenburgquartier, wo Neupflanzungen möglich erscheinen.“ Auch dem Kajetanerplatz kommt die gesteigerte Mikroklima-Sensibilität zugute: Der Platz erhält im Zuge seiner Neugestaltung, bei der auch der Brunnen in die Mitte des Platzes gerückt und dessen Wasser zur Erzielung eines Abkühlung in Form von Fontänen austreten soll, anstelle der zwei bisher vorgesehenen nun fünf Hainbuchen.

Projekt „Stadtbäume als Klimabotschafter“

Ziel des Ende 2017 gestarteten Projekts „Stadtbäume als Klimabotschafter“ ist es, gemeinsam mit Schülern Stadtbäume zu erforschen, um damit bei den Jugendlichen ein Bewusstsein für die Ökosystemleistungen von Stadtbäumen zu schaffen.

Die acht Projektstädte und- Gemeinden sind Salzburg, Kuchl, Ursprung, Wien, Weer (Tirol), Dresden, Mülheim an der Ruhr und Szeged (Ungarn).

Das Projekt steht unter der Leitung von Angela Hof, assoziierter Professorin mit dem Forschungsschwerpunkt Stadtökologie am Fachbereich Geographie und Geologie der Universität Salzburg; Projektmitarbeiterinnen sind Carola Helletsgruber, Sandra Stieger und Celina Stanley.

Wichtige Fragen sind: Wann treiben die Blätter der Stadtbäume im Frühjahr aus und wie schnell entfalten sie sich? Wie früh oder spät im Herbst beginnen die Laubverfärbung und der Laubfall? Beginn und Verlauf der Blattentfaltung wurden nun mittels phänologischen Monitorings – die Phänologie ist die Lehre von den alljährlich wiederkehrenden Erscheinungen in der Pflanzenwelt – im Detail aufgezeigt. Für das phänologische Monitoring benützen die Schüler eine vom Projektteam entwickelte App, die eine einfache Datensammlung,-Auswertung und Visualisierung ermöglicht. Außerdem führen die Schüler Mikroklimamessungen durch, mittels deren sie die Abkühlungsleistungen der Bäume erforschen. Dafür sind an zahlreichen Baumkronen rund um die Schulen Sensoren angebracht, die kontinuierlich die Lufttemperatur und Luftfeuchte erfassen. Der Vergleich mit einer Referenz in einer voll besonnten Fläche zeigt die Abkühlungsleistung der Bäume. Im Fokus der Untersuchungen zur Wärmeinselintensität steht die Stadt Salzburg. Welche Auswirkungen Baumart, Baumalter und Baumhöhe auf die Abkühlungsleistung haben, ist eine weitere wesentliche Fragestellung des Forschungsprojekts. Es zeigte sich, wie wichtig alte große Baumkronen sind; je älter der Baum, desto größer die Oberflächenabkühlung.

Unter den Baumarten stehen unter anderem der Spitzahorn (Acer platanoides), die Winterlinde (Tilia cordata), die Platane, die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und die Baumhasel im Mittelpunkt der Untersuchung. Sie treiben unterschiedlich früh aus, der Spitzahorn z.B. überall vor der Winterlinde.

Der Sommer 2018 war der viertwärmste der österreichischen Messgeschichte. Dieses Jahr zeichnete sich besonders durch Hitzewellen, überdurchschnittlich viele Sonnenstunden und schwere Dürren aus. Es zeigte an, was infolge des Klimawandels künftig oft der Fall sein wird – die Winter beginnen und enden später, die Sommer werden heißer und es kommt vermehrt zu Starkregenereignissen.

Quellen

Salzburger Nachrichten, 4. Juli 2019, Lokalteil, S. 6: Linz will 1000 Bäume pflanzen, in Salzburg ist kein Platz dafür (Berthold Schmid); 10. Juli 2019, Lokalteil, S. 5: Kajetanerplatz soll grüner und kühler werden

Weblinks