Stille-Nacht-Kapelle

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Stille-Nacht-Kapelle
Die Kapelle bei winterlichem Schneetreiben

Die Stille-Nacht-Kapelle steht seit 1937 auf dem Schuttkegel der 1906 demolierten Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg (Flachgau), einem ehemaligen Stadtteil von Laufen.

Geschichte

In Oberndorf bei Salzburg erinnert anstelle der alten St. Nikola-Kirche eine Gedächtniskapelle, die schlichte Stille-Nacht-Kapelle, an die zwei Schöpfer des unsterblichen Liedes. Die Grundsteinlegung fand am 17. August 1924 statt, wiewohl der Baubeginn erst 1928 erfolgte. Die Pläne für den nur durch Spendengelder finanzierten Bau steuerte der Oberndorfer Architekt Josef Dietzinger bei. Er sah einen achteckigen Grundriss vor. Nach einer annähernd zwölfjährigen Bauzeit wurde die Kapelle am 15. August 1937 geweiht.

Ein verregneter 15. August 1937

Einweihung der Stille-Nacht-Kapelle am 15. August 1937, v.l. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg und Landeshauptmann Franz Rehrl bei strömendem Regen auf dem Weg von der Pfarrkirche in den Stille-Nacht-Bezirk.

Die Errichtung der „Gruber-Mohr-Gedächtniskapelle“, wie das Bauwerk in den zeitgenössischen Berichten bezeichnet wird, dauerte einige Jahre: 1924 gab es in Oberndorf eine (verspätete) „Jahrhundertfeier“, bei der schon für den „Denkmalfonds Stille Nacht, heilige Nacht“ gesammelt wurde, 1925 wurde der Grundstein gelegt. Planung und Bauleitung besorgte der Oberndorfer Architekt Josef Dietzinger. In schwierigen Zeiten war die Finanzierung sehr mühsam, Kirchensammlungen für das Vorhaben gab es u.a. in der Münchner Frauenkirche.

Am Samstag, den 14. August 1937 begann die Festfolge mit einer „sinnigen Gedenkstunde“ in Arnsdorf. Am Sonntag regnete es stark, der geplante festliche Umzug musste daher entfallen. Nach der Festmesse mit dem Salzburger Weihbischof Johannes Filzer in der neuen Pfarrkirche gingen die Festteilnehmer im „sonst so stillen Grenzort“ in den Stille-Nacht-Bezirk. Der Festakt fand trotz Regens im Freien statt, ihm folgte die Weihe der Kapelle durch den Weihbischof.

Der Komponist und Chordirigent Viktor Keldorfer hielt die Festrede und sprach von Salzburg als der „Heimat der innigsten aller Weihnachtsweisen“, deren Erfolg er mit der „ungewöhnlichen Einprägsamkeit der biedermeierlichen, naturhaft-österreichischen Pastoralmelodie“ begründete. Die Kapelle wurde von Keldorfer als „Friedenstempel“ bezeichnet.

Bundeskanzler Kurt Schuschnigg nahm in seiner Ansprache ein halbes Jahr vor dem „Anschluss“ Bezug auf den Prolog des Johannes-Evangeliums und „verwies im Hinblick auf die Verbreitung des Mohr-Gruberschen Weihnachtsliedes über die ganze Erde gegenüber jenen, die Taten als das allein Erlösende hinstellen, auf jene Evangelienstelle, in der es heißt: ‚Im Anfang war das Wort.‘“ (Wiener Zeitung vom 16. 8. 1937)

Zum Abschluss des Festakts „in dem freundlichen Markt Oberndorf“ sang in einem „weihevollen Augenblick“ der Enkel des Komponisten, Bundeschormeister Felix Gruber, begleitet auf der Original-Gitarre drei Strophen des Lieds, der Oberndorfer Gesangverein und die Liedertafel wiederholten den Refrain.

Am Abend des Marienfeiertags gab Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl in der Salzburger Residenz den Empfang für die Festspielkünstler, an dem auch Bundespräsident Wilhelm Miklas und der Bundeskanzler teilnahmen.

Innenausstattung

Im Inneren zeigen farbige Glasfenster die Liedschöpfer Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber. Der Altar ist mit einem Holzrelief von Hermann Hutter aus dem Jahre 1915 geziert, der Halleiner Bildhauer Max Domenig schuf einen Kranz und drei Reliefs für das Kapelleninnere.

Die Stille-Nacht-Kapelle stellt insbesondere an Weihnachten einen Anziehungspunkt für viele Menschen dar; das schlichte Oktogon wird jedes Jahr von tausenden Gästen aus aller Welt besucht.

Bildergalerie

weitere Bilder

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Weblinks

Quellen