Wagrain

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Ortsbild
Wagrain
Karte
Karte 5602 Wagrain.png
Basisdaten
Politischer Bezirk: St. Johann im Pongau (JO)
Fläche: 50,55 km²
Geografische Koordinaten: 47°20'01" N
13°17'47" O
Höhe: 838 m ü. A.
Einwohner: 3 121
(1. Jänner 2020)
Postleitzahl: 5602
Vorwahl: 0 64 13
Gemeindekennziffer: 50423
Gliederung Gemeindegebiet: 5 Katastralgemeinden
Gemeindeamt: Markt 14
5602 Wagrain
Offizielle Website: wagrain.salzburg.at
Geografische Karte der Marktgemeine:
Politik
Bürgermeister: Axel Ellmer (ÖVP)
Gemeindever-
tretung (2019):
19 Mitglieder:
11 ÖVP
5 SPÖ
3 FPÖ
Bevölkerungs-
entwicklung
Datum Einwohner
1869 1 370
1880 1 408
1890 1 369
1900 1 336
1910 1 366
1923 1 359
1934 1 573
1939 1 591
1951 1 807
1961 1 967
1971 2 272
1981 2 566
1991 2 937
2001 3 127
2011 3 020
2020 3 121
Karte
Marktplatz
Pfarrkirche
Marktkirche
Pfarrhof; Wohnort von Josef Mohr
Haus Rupertus
Waggerlhaus
Waggerlkasten
Joseph-Mohr-Volksschule
Hotel Wagrainer Hof im Ortszentrum

Wagrain ist eine Marktgemeinde im Pongau und befindet sich etwa neun Kilometer östlich der Bezirkshauptstadt St. Johann im Pongau.

Geografie

Geografische Lage

Die Gemeinde liegt östlich des Bezirkshauptortes St. Johann im Pongau zwischen dem Salzach- und dem Ennstal. Der Ort wird von der aus der südlich angrenzenden Gemeinde Kleinarl kommenden Kleinarler Ache durchflossen. Ab Wagrain wird die Kleinarler Ache nach dem Zusammenfluss mit dem Schwaighofbach auch Wagrainer Ache bezeichnet. Im Ortsteil Schwaighof (Wagrainer Höhe) auf einer Seehöhe von 960 m ü. A. befindet sich die Wasserscheide von Salzach und Enns.

Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 50,57 km² und die Länge der Gemeindegrenze liegt bei 41,82 km. Die Bevölkerungsdichte beträgt 58 Einwohner/km².

Gemeindegliederung

Wagrain umfasst die fünf Katastralgemeinden Hof, Hofmarkt, Schwaighof, Vorderkleinarl und Wagrain und gliedert sich in die folgenden deckungsgleichen Ortschaften:

Anmerkung: In kursiver Schrift wird die Einwohnerzahl der Ortschaften zum 1. Jänner 2020 angegeben.[1]

Eingemeindungen

Mit dem "Gesetz über die Vereinigung der Ortsgemeinden Wagrain-Markt und Wagrain-Land im Verwaltungsbezirke St. Johann im Pongau"[2] wurden die Ortsgemeinden Wagrain-Markt und Wagrain-Land zum 1. Jänner 1936 zur Ortsgemeinde Wagrain vereinigt.

Bevölkerungsentwicklung

Ab dem Jahre 1580 begann die Auswanderung lutherisch gesinnter Familien. Bei der großen Protestantenvertreibung 1732 bis 1734 wanderten 1 675 Personen aus und es blieben nur noch 575 Personen übrig. Epidemien in den Jahren 1820 bis 1860 sowie Landflucht ließ die Bevölkerungszahl immer mehr abnehmen. Erst 1961 wurde wieder eine höhere Bevölkerungszahl erreicht. Sie betrug 1 732 Personen.

Religionen

Die dem hl. Rupert von Worms geweihte Pfarrkirche wurde erstmals 1359 als Filialkirche der Pfarre Altenmarkt urkundlich erwähnt. Sie ist die Pfarrkirche der Pfarre Wagrain.

Die Marktkirche zum hl. Franziskus wurde von 1616 bis 1617 im Auftrag von Erzbischof Markus Sittikus errichtet. Sie ist dem hl. Franziskus geweiht. Beim Marktbrand im Jahre 1927 wurde die Kirche schwer beschädigt. Die Marktkirche dient derzeit als Aufbahrungshalle. Zeitweise werden auch evangelische Gottesdienste abgehalten.

Weiters gibt es die Mariahilfkapelle und Kreuzkapelle in Wagrain.

Geschichte

Wagrain im Winter 1937, im Hintergrund das Grießenkareck.
Frühlingsskifahrt in den Bergen um Wagrain, 1934.

Namensherkunft

Der Name der Gemeinde leitet sich, wie Matthias Schönberger in seiner Chronik vermerkt, vermutlich aus die beiden Worten „Wag“ oder „Vag“ für Wasser und „Rain“ für Abhang, Ufer, Böschung, ab. Das mittelhochdeutsche "wac" bedeutet in etwa "bewegtes, wogendes Wasser - also der über dem Fluss befindliche Rain. Das ergäbe die Bedeutung von „Abhang am Wasser“. Andere Historiker sehen im Namen eine Verbindung zu den zwei römischen Wachtürmen, die sich in Wagrain befunden hatten (Wagrain = Wachrain). Urkundlich erwähnte Namensformen finden sich mit "Wakrain" (1243) und "Wachrain" 1350.

Geschichte

Aus der Frühgeschichte von Wagrain nichts bekannt. Das keltische Königreich Norikum ging mit den Römern unter, die das Gebiet infrastrukturell erschlossen und Saumpfade ausgebaut. Es gab eine Römerstraße vom Süden aus Kärnten über Schönfeld, Ramingstein, den Radstädter Tauern über Altenmarkt im Pongau nach Pfarrwerfen ins Salzachtal. Eine Abzweigung führte von Altenmarkt über Reitdorf, Wagrain, Genigau, Lackenkapelle und Ginau zur Straße durch das Salzachtal. Wachtürme, von denen es zwei im Gebiet des heutigen Wagrain gab, sorgten für die Sicherheit. Einer dürfte noch heute das Fundament des Turms der Pfarrkirche bilden, der andere erhob sich auf dem Burghügel.

Nach dem Fall des Weströmischen Reichs kam es zu wiederholten Einfällen der Slawen und es folgte eine unruhige Übergangszeit bis zur agilolfingische Herrschaft und später der Zugehörigkeit zum Frankenreich. Rupert von Worms begann mit Gefolgsleuten im frühen 8. Jahrhundert die Christianisierung des Landes. Der Bischof, der zugleich Landesfürst war, setzte das Lehenswesen durch. Ältester bekannter Lehensträger des Gebiets „zwischen den Arlflüssen“ war der von Erzbischof Adalbert II. (923935) eingesetzte Luitfried.

Die Herren von Goldegg waren dann im 12. und 13. Jahrhundert die Lehensträger und Eigentümer der Hofmark Wagrain. Sie dürften auch die Erbauer der Burg Wagrain gewesen sein. Bereits 13221323 wurde diese schon zerstört und nicht mehr aufgebaut.

Im Salzburger Ortsnamenbuch findet sich 1234 die erste urkundliche Erwähnung Wagrains. 1250 wird auch die Pfarrkirche urkundlich genannt. Die Markterhebung fand vor 1285 statt, 1382 wurde ein Marktrichter in Wagrain genannt. Nach dem Aussterben des Ministerialengeschlechts der Goldegger im Jahre 1400 wurde die Siedlung 1459 landesfürstlich und zu einem eigenen Landgericht erhoben.

Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian (1727–1744) begann mit gezielten Maßnahmen gegen den offen auftretenden Protestantismus vorzugehen, die seinen Emigrationserlass gipfelten - 17311732 mussten die Protestanten das Land verlassen, rund drei Viertel der Wagrainer Bevölkerung mussten auswandern. Erst 230 Jahre später erreichte die Bevölkerungszahl wieder jenen Stand der Vertreibung.

1849 erfolgte die Teilung der Gerichtsgemeinde Wagrain in die Marktgemeinde Wagrain, die Landgemeinde Wagrain und die Ortsgemeinde Kleinarl.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die Wagrainer hauptsächlich vom Bergbau, der Landwirtschaft, von unzähligen Säumerkarawanen, von denen die lokalen Kaufleute und Wirte profitierten sowie vom Fuhrwerksverkehr.

Im Ersten Weltkrieg hatte Wagrain 63 Gefallene zu beklagen.

Am 19. März 1927 wurde beim Marktbrand ein großer Teil des Ortes zerstört.

Die Wiederaufbaufeier erfolgte am 20. August 1929. Eine Gedenktafel an der Marktkirche erinnert an den verheerenden Marktbrand.

Drei Männer – Karl Heinrich Waggerl, Joseph Reisenberger und Linus Hochleitner setzten auf die Förderung des Fremdenverkehrs. Bis 1937 kamen die Gäste aus ganz Europa und sogar aus Übersee.

Der Zweite Weltkrieg forderte 89 Gefallene und 16 Personen blieben vermisst. Zum Kriegsende befanden sich im Raum Wagrain-Kleinarl über 70 000 Flüchtlinge und Soldaten aus der sich auflösenden Deutschen Wehrmacht, was zu chaotischen Zuständen in der Gemeinde führte. Am 21. September 1944 brach im Gasthaus Schattauer ein Großbrand aus, der auch die benachbarte Bäckerei Fritzenwaller erfasste und beide Objekte einäscherte.[3] Am 4. Juni 1945 trafen 200 Mann der amerikanischen Besatzungstruppen in Wagrain ein.

In den Jahren 1947 bis 1949 erfolgte der Bau des ersten Skiliftes sowie der ersten Feuerwehrzeugstätte.

Der Winter 1951 bescherte dem Ort außergewöhnliche Schneefälle mit bis zu zwei Metern Schneehöhe im Tal. Von 11. bis 14. Jänner schneite es ohne Unterbrechung. Die Straße zwischen St. Johann und Wagrain war mehrere Tage gesperrt. Die Straße nach Kleinarl war aufgrund mehrerer Lawinenabgänge verlegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Burgruine Wagrain

Hauptartikel Burgruine Wagrain

Die mittelalterliche Burgruine Wagrain gehörte zu den größten in Privatbesitz befindlichen Burgen Salzburgs. Das Entstehungsdatum der Anlage ist urkundlich nicht überliefert. Ihre Zerstörung jedoch kann recht genau auf die Jahre 1322–1323 eingegrenzt werden. Damals gingen die Burg und die zugehörige Hofmark in landesfürstlichen Besitz über, die Festung wurde nicht wieder aufgebaut und geriet in Vergessenheit. Seit 2006 werden auf Initiative des Kulturvereins "Blaues Fenster" unter der Leitung von Peter Höglinger alljährlich archäologische Lehrgrabungen durchgeführt.

Pflegerschlössel

Hauptartikel Pflegerschlössl

Das Pflegerschlössl wurde 1794 erbaut und war der Amtssitz des Pflegers, des höchsten fürsterstbischöflichen Verwaltungsbeamten.

Waggerlkasten

Der Waggerlkasten ist ein Getreidekasten aus dem 18. Jahrhundert, der von Karl Heinrich Waggerl gestiftet worden ist.

Waggerl-Haus

Hauptartikel Karl-Heinrich-Waggerl-Haus

1920 zogen Karl Heinrich Waggerl und seine Frau Edith nach Wagrain. Sie bewohnten zwei Dachkammern in dem Haus, das heute als Waggerl-Haus bezeichnet wird und als Museum eingerichtet ist. Das Haus wurde 1776 erstmals urkundlich erwähnt, die Erbauung dürfte allerdings weiter zurückliegen. Karl Heinrich Wagglerl lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1973 in diesem Haus.

Pfarrhof

Der Wagrainer Pfarrhof stammt aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Hof- und Wohngebäude wurde im typischen Stil eines Pongauer Paarhofes erbaut. Von 1837 bis 1848 lebte der Textdichter des Liedes "Stille Nacht", Vikar Joseph Mohr, auf diesem Hof.

Museen

Musik

Theater

  • Dorftheater Wagrain

Naturdenkmäler

Die Marktlinde, auch Kaiserlinde genannt, wurde 1880 am Marktplatz gepflanzt.
In der Adventzeit wird sie auch Wunschlinde genannt und ist mit bunten Kugeln behägt. Der Baum steht für Wünsche, Hoffnung und Ziele. Wer will, kann seine wünsche an der Linde deponieren.

Vereine

Sportvereine

Skiclub Wagrain, UFC Wagrain (Fußball), Eisschützen Wagrain, Eisschützen Schwaighof, MTB- Gaudiradler Wagrain, Reiten bei Freunden, Sportschützenverein Wagrain, Tennisclub Wagrain;

Volkskulturvereine

Sonstige Vereine

Wirtschaft und Infrastruktur

Fremdenverkehr

Das Wintersportgebiet Wagrain gehört zur Region Ski Amadé und verfügt über mehrere Aufstiegshilfen und Loipen zum Langlaufen.

Verkehr

Ansässige Unternehmen

Skischulen

Skiverleih, Shop, Verkauf

Unterkünfte

Weitere Unternehmen

Öffentliche Einrichtungen

Rettungsorganisationen

Bildung

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Bildungswesen hautpsächlich auf die Volksschule beschränkt. Die Schulwege waren weit und beschwerlich. 1970 wurde die Schülerbeförderung eingeführt. Einige Schüler besuchten die Hauptschule oder das Gymnasium in St. Johann im Pongau. Die Kinder übernachteten im Elisabethinum, das als Internat geführt wurde. 1948 wurde ein Schülerbus nach St. Johann eingesetzt.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat besteht aus 19 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeindevertretungswahl 2019 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:

Bürgermeister

Hauptartikel Bürgermeister der Marktgemeinde Wagrain

Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts war der Richter zugleich auch der Bürgermeister der Gemeinde. Erst im Jahre 1608 wurden die beiden Funktionen getrennt.

Da die Gemeinde Wagrain von 1849 bis Dezember 1935 in eine Land- und eine Marktgemeinde geteilt war, wirkten in dieser Zeit auch verschiedene Bürgermeister.

Auszeichnungen der Marktgemeinde

Ehrenbürger

Hauptartikel: Ehrenbürger der Marktgemeinde Wagrain

Goldener Ehrenring der Marktgemeinde Wagrain

Hauptartikel: Ehrenringträger der Marktgemeinde Wagrain

Wappen

Spätestens set ihrer Markterhebung im Jahre 1592 führt die Gemeinde ein eigenes Wappen, das bei der offizielle Wappenverleihung durch die Salzburger Landesregierung am 2. August 1930 wie folgt beschrieben wird:

In Rot eine goldene Spitze, in welcher über natürlichem Wasser auf grünem Ufer ein silberner Zinnenturm mit einem Tor und zwei Fenstern steht.

Das Wappen erinnert an die Herren von Goldegg, die in Rot eine goldene Spitze als Wappen führten und als die Begründer von Wagrain bezeichnet werden. Die dargestellte, an der Uferböschung gelegene Burg ist die "Wag-Rain", von der sich der Ortsname ableitet.

Persönlichkeiten

Töchter und Söhne der Marktgemeinde

Hauptartikel Töchter und Söhne der Marktgemeinde Wagrain
 Bilder von Personen aus Wagrain – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Personen mit Bezug zu Wagrain

Bilder

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Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Statistik Austria
  2. Landesgesetzblatt für das Land Salzburg vom 13. Dezember 1935
  3. ANNO, Salzburger Zeitung, Ausgabe vom 25. September 1944, Seite 3
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