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Wilhelm Löwinger

"Herr Direktor" Willy Löwinger bei der Austria Trophäe (am Salzburgring) 1971.
Anlässlich der Preisverleihung der OSK-Staatsmeisterschaft 1959, von links: Helmut Krackowizer, ?, Willi Löwinger, Fritz und Rupert Hatscheck (Besitzer der Firma Eternit in Vöcklabruck) und ?.

Wilhelm Willy Löwinger (* 1916; † 18. Jänner 2013 in Wien) war als langjährige Präsident des Österreichischen Automobil-Sport-Clubs (ÖASC) der geistige "Vater" der Europa-Bergmeisterschaft für Automobile sowie der Bauherr des Salzburgrings.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Als Veranstalter der legendären Flugplatzrennen Innsbruck und Wien-Aspern gilt er als ein Motorsport-Denkmal in Österreich. Er war ein Multitalent, das die Funktionen eines Sportfunktionär und Organisator als diktatorisch residierender Präsident des ÖASC vereinte. Ihm gelang es den in Österreich daniederliegenden Motorsport ab Mitte der 1950er-Jahre neuer Akzeptanz und Popularität zu führen. Jochen Rindt, Dieter Quester, Niki Lauda, Helmut Marko und viele andere prominente Piloten absolvierten ihr Renn-Debüt bei Veranstaltungen Löwinger auf den Flugplätzen in Innsbruck oder Aspern, am Gaisberg, Dobratsch oder Timmelsjoch.

Der ehemalige Eisschnellläufer und Winter-Olympia-Teilnehmer 1936 betonte stets, in Österreich das alleinige Sagen in Sachen Rennsport zu haben. Argwöhnisch beobachtete er die Entstehung des Österreichrings in Zeltweg in der Steiermark, die parallel zur Entstehung des Salzburgrings verlief. Das Österreichring-Projekt wurde von der ihm 'verhassten' "Knittelfeld-Connection" unter Dr. Gustav Tiroch, der Präsident des STMSC Knittelfeld, abgewickelt. "Aber ich war schneller als die Steirer Trotteln", soll Löwinger bei der Eröffnung des Salzburgrings im September 1969 gesagt haben - dieser war in Rekordtempo errichtet worden.

Zeitzeugen wissen von weiterer bühnenreifen Episoden während seiner Amtszeit als Präsident, Veranstalter und Manager, die mehr als drei Jahrzehnte dauerte. Vorzugsweise ließ er sich mit "Herr Direktor" ansprechen. Fast jeden Siegertypen und jede Rennveranstaltung nahm Löwinger für sich in Anspruch "erfunden" zu haben. "Ohne mich und meine Rennen", so der ständig mit qualmender Zigarre anzutreffende Löwinger (und vom Rauch halb zugeschwollenem linken Auge) "wären die alle zu nix gekommen, ich hab sie doch bei mir starten lassen und so erst berühmt gemacht."

Auch Österreichs Rennsport-Journalisten - Heinz Prüller, Helmut Zwickl, Höfer oder Rottensteiner - wären wären ohne ihn "nichts, gar nichts, was hätten's denn auch schreiben solln ohne all meine schönen Rennen?" Dazu muss man wissen, dass die Rennsport-Journalisten ehrfürchtig jedes Mal sich akkreditieren lassen mussten und dabei häufig wie Deppen behandelt wurden. Dazu eine beispielhafte Episode: "Wer sind Sie, was wollen Sie, für wen schreiben Sie", fuhr Löwinger sogar ihm bekannte Journalisten an. Er spielte dabei seine Macht aus. Wenn es um Freikarten für eine Begleitperson des Journalisten ging meinte er barsch "Kaufens dem Hasen a Stehplatz-Korten". Selbst vor großen Rennställen und berühmten Piloten hatte Löwinger keinen Respekt. Teams und Fahrer mussten sich oft mit lächerlichen Startgelder zufrieden geben. So zerre er eigenhändig den amerikanischen Rennfahrer Masten Gregory aus dem Auto - Sieger von Le Mans 1965 zusammen mit Jochen Rindt - weil der als Pole-Position-Starter bei der Eröffnung des Salzburgrings 1969 ohne gültigen Parkschein ins Fahrerlager seines Salzburgrings einfahren wollte.

"Pickerl", Parkscheine und Eintrittskarten waren im Leben von Willy Löwinger ein Kapitel für sich. All diese Begehrlichkeiten hatte er stets in eine braunen Köfferchen bei sich, das er keine Sekunde aus der Hand gab: Musste er aufs Klo gehen, nahm er es mit und während er im Hotelzimmer schlief, hatte er es unter seinem Kopfkissen versteckt. Als der junge Formel-V-Debütant Niki Lauda am Salzburgring seine Eintrittskarte für das Fahrerlager verloren hatte und kleinlaut um Ersatz bat, meinte Löwinger zu Lauda: "Wannst jetzt niederkniest und sogst, Herr Präsident, i bin a Trottel, weil i mei Korten verlorn hob, dann kriegt a neie." Notgedrungen kniete Lauda nieder.

Zitat aus der Quelle (weil man treffender die Person Löwinger nicht beschreiben kann): "Willy war alles in Personalunion - Diktator und Selbstdarsteller von Gottes Gnaden, liebenswürdiger Gauner und krankhafter Geizkragen, eitler Direktor und gnadenloser Diktator, knallharter Verhandlungspartner und hilfsbereiter Freund. Er konnte dich wunderbar bescheißen und dir dabei das Gefühl geben, dass du grad den besten Deal der Welt mit ihm gemacht hast. Willy war einfach ein Phänomen, ein unglaublicher Typ, der letzte seiner Art, gefürchtet, gehasst, geliebt, verehrt."

An seinem 90. Geburtstag (2006) hatte Willy Löwinger seinen letzten großen Auftritt. Dazu kamen mehr als 100 Menschen, Freunde wie Feinde, ins Technische Museum in Wien und ehrten den großen alten Mann des österreichischen Motorsports mit einer nicht enden wollenden Menge Anekdoten und Erinnerungen. Die Wiener Star-Journalisten Helmut Zwickl und Heinz Prüller, die selbst oft genug unter wüsten Löwinger-Attacken litten, hielten gemeinsam die Laudatio für den Jubilar.

Drei Monate vor seinem 97. Geburtstag starb Willy Löwinger, der liebenswürdige Gauner, friedlich.

Ehrungen

  • Träger des "Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich"

Gerhard Steininger erinnerte sich ...

Gerhard Steininger war Journalist und René-Marcic-Preisträger.

Eine unvergessliche Erinnerung Steiningers drehte sich um die untrennbar mit dem Gaisbergrennen verbundene Persönlichkeit des "Herrn Direktor" Willy Löwinger, der Präsident des veranstaltenden Österreichischen Automobilsportclubs (ÖASC) war. Drei Dinge waren die "Markenzeichen" dieses Herrn: Dicke Zigarren, eine sehr wienerisch-mollige Freundin und ein Diplomatenkoffer. Letzteres diente ihm zur Aufbewahrung der Pressekarten, der Start- und Preisgelder. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass er sich von diesem Koffer nicht einmal am stillen Örtchen trennte.

Diese Ausnahmeerscheinung lag ständig mit den Rennfahrern, aber vor allem mit den Motorsportjournalisten im Clinch. Steininger geriet bei Übernahme des Amtes als Pressechef beim Gaisbergrennen gleich in einen Konflikt mit Löwinger und dem Wiener Journalisten Helmut Zwickl. Der damalige Rennleiter Fritz Stengl (damals auch ein freier Mitarbeiter der SN-Sportredaktion) hatte Steininger ans Herz gelegt, sich ja gut um die Journalisten zu kümmern. Der Grund Stengls für dieses Anliegen war, dass er die Herzen der Journalisten im "Kampf" des Salzburgrings gegen den gleichzeitig erbauten Österreichring gewinnen wollte. Um Stengl zu unterstützen, kratzte Steininger die letzten Reste seiner stadtbekannten Liebenswürdigkeit zusammen, um den Streit [Anm: Löwinger - Zwickl] zu schlichten.

Rennfahrer-Erfolge

  • Gaisbergrennen 1957: 10. in der Klasse der Grand Tourisme bis 1 300 cm³ auf Alfa GS

Quellen