Gesundheit

Training in der Gruppe stärkt die Seele

Erfahrungen zeigen, dass Menschen mit psychischen Problemen von dem Erfahrungsaustausch profitieren. Wie sinnvoll ist aber Gruppentraining via Bildschirm, um die Hemmschwelle für eine Therapie zu senken?

Der Erfahrungsaustausch innerhalb einer Gruppe kann hilfreich sein. SDecoret/stock.adobe.com SN/sdecoret - stock.adobe.com
Der Erfahrungsaustausch innerhalb einer Gruppe kann hilfreich sein. SDecoret/stock.adobe.com

Ausgelaugt, lustlos, ohne Freude und Antrieb, der Alltag lässt sich nur mit Mühe bewältigen und sozialer Rückzug ist nicht die Ausnahme, sondern schon Gewohnheit: Stimmungen wie diese können in schwierigen Phasen des Lebens normal sein, doch wenn sie länger anhalten und die Lebensqualität beeinträchtigen, kann sich eine depressive Verstimmung breitgemacht haben, aus der man allein nicht wieder herausfindet.

Nicht immer möchten Betroffene den Schritt zum Therapeuten machen. Oder sie möchten, bekommen aber keinen Termin, weil Patienten mit schweren Depressionen vorgereiht werden müssen. In Ländern wie Dänemark und den Niederlanden haben sich deshalb Online-Behandlungsangebote etabliert. Ein skandinavisches Forscherteam wertete fünf Studien aus, die die Wirksamkeit von Online-Therapie mit einer kognitiven Verhaltenstherapie durch einen Psychotherapeuten verglichen. Das Ergebnis zeigte, dass Selbsthilfeangebote vergleichbar effektiv sein können wie eine verhaltenstherapeutisch-orientierte Kurztherapie - aber nur, wenn sie von einen Fachmann begleitet werden.

Online-Therapiekonzepte können noch erweitert werden hin zu einem Teletraining für Gruppen. Forscher des Fachbereichs Psychologie und der Beratungsstelle der Universität Salzburg untersuchen derzeit unter der Leitung des Verhaltenstherapeuten Anton-Rupert Laireiter und des wissenschaftlichen Leiters Raphael Schuster, ob ein solches Training Menschen mit erhöhter psychischer Belastung helfen kann. "Wir gehören damit zu den Vorreitern", sagen Nathalie Napravnik und Susanne Rockinger.

Die Plattform, über die die Online-Module bearbeitet werden, nennt sich "iFightDepression". Das ist ein Programm, das von der Europäischen Allianz gegen Depressionen, der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und dem Deutschen Bündnis gegen Depressionen unterstützt und finanziert wird. "Da es sich bei unserem Projekt um eine wissenschaftliche Studie handelt, ist es kostenlos", sagen die beiden Wissenschafterinnen.

Wie läuft ein Teletraining ab? Die Teilnehmer bekommen zunächst einen Link zugeschickt, über den sie das Programm herunterladen können. Bei Schwierigkeiten bieten die Forscherinnen und ihr Team technische Unterstützung an, der Vorgang ist für einen einfachen Zugang konzipiert. Die Gruppen werden aus fünf bis sieben weiblichen und männlichen Teilnehmern im Alter zwischen 20 und 65 Jahren sowie zwei professionellen Trainern bestehen.

Über sieben Wochen hinweg wird es wöchentlich eine Telegruppe geben. Zwischen diesen Telegruppen haben die Teilnehmer Zugang zu jenem ebenfalls wöchentlichen Online-Modul, in welchem sie selbstständig Inhalte bearbeiten können, die sie dann in der Gruppe und mit den Trainern besprechen. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass Teilnehmer, die sich bewusst für eine solche Gruppe entscheiden, sehr von diesem Austausch und den Erfahrungen der anderen Mitglieder profitieren", sagt Nathalie Napravnik. Susanne Rockinger ergänzt: "Grundlage der Online-Module und des Teletrainings sind gut evaluierte Methoden der Verhaltenstherapie. Die Teilnehmer, die depressive Symptome und erhöhte psychische Belastung haben, werden sich mit ihren Gedanken, Gefühlen und ihrem Verhalten auseinandersetzen."

Ausgesucht werden die Teilnehmer mittels Fragebögen und persönlichen Gesprächen. Sollte unter ihnen jemand sein, der akut professionelle Hilfe benötigt, so wird ihm diese vermittelt. "Niemand wird alleingelassen", betonen Nathalie Napravnik und Susanne Rockinger.

In einer klassischen Psychotherapie ist eine gute therapeutische "Beziehung" zwischen dem Patienten und dem Therapeuten ein wesentlicher Wirkfaktor. "Die Studienlage zeigt, dass es ähnliche positive Effekte auch online gibt. Ein ausgeprägter Kontakt von Mensch zu Mensch kann auch ortsunabhängig über moderne Medien gelingen", sagt Susanne Rockinger.

Online-Angebote und Teletrainings haben Vorteile: Es lassen sich damit Menschen erreichen, die sonst keinen Zugang zu einer Therapie haben, weil sie etwa in sehr ländlichen Gegenden wohnen und nicht mobil sind. Zudem können damit Betroffene erreicht werden, die sozial isoliert sind und für die die Suche nach professioneller Hilfe eine zu große Hürde ist. Einsetzen kann man solche Trainings auch zur Vorbeugung oder als Nachbetreuung nach Klinikaufenthalten.

Ob das Teletraining die Erwartungen erfüllt und Menschen mit psychischen Belastungen wirklich davon profitieren, das will das Salzburger Wissenschaftsteam, zu dem auch Chiara Jansen und Nadine Stegerer gehören, überprüfen. Erste Ergebnisse sollen Ende Juli vorliegen.

Für die Untersuchung werden noch Teilnehmer gesucht: Sie sollen aus dem Raum Salzburg, zwischen 20 und 65 Jahre alt sein und keine schwere Depression haben. Meldungen sind bis Ende März möglich.

ifdsalzburg@eclipso.at und
www.ifd-salzburg.at

Aufgerufen am 21.08.2019 um 06:49 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/training-in-der-gruppe-staerkt-die-seele-65313463

Schlagzeilen