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Tauernhaus

Tauernhaus Spital im Felbertal
Tauernhaus Schößwend im Felbertal
Mallnitzer Tauern, ehemaliges Tauernhaus

Ein Tauernhaus war ein Hospiz, sowie eine Wacht- und Raststation entlang von Saumpfaden für Samer und andere Wanderer in den Tauern.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

In vielen Salzburger Tauerntälern sowie am Zugang zur Gerlos, zum Pass Thurn und auf den Höhen des Radstädter Tauern befanden sich Tauernhäuser. Sie dienten seit dem Mittelalter dem alpenüberschreitenden Verkehr. Während in den Westalpen Hospize auf der Passhöhe den Reisenden oft lebensrettenden Unterschlupf boten, lagen die Tauernhäuser in den Ostalpen unterhalb der Passhöhen in den gehobenen Lagen im Bereich des Talschlusses. Als Ausgleich für ihre Aufgaben zur Sicherung der Reisenden und zur Erhaltung der Wege genossen die Tauernhäuser gewisse Vorrechte und den Bezug von Provisionen, ursprünglich als Naturalleistungen, ab dem 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhundert in Form von Geldbeträgen.

Bedeutung

Sie waren wichtige Stützpunkte seit dem frühen Mittelalter für den Handelsverkehr und in denen auch heute noch Wanderer verköstigt werden. Zu den Aufgaben der Tauernhäuserwirten gehörten die Beherbergung von armen Reisenden, Hilfestellung bei Not und Gefahr und die Markierung und Instandhaltung der Wege. Im Winter mussten sie, je nach Lage des Tauernhauses, der Wetter- und Schneeverhältnisse die Wege über die Tauern mit Schneestangen kennzeichnen.

Es waren früher christlicher Pilger auf ihrem Weg nach Rom, Wanderer, Händler, Edelleute, Geistliche, Kirchenfürsten und Soldaten, die die Gebirgspässe der Hohen Tauern und der Niederen Tauern benutzten. Die Samer mussten ebenfalls mit ihren Waren die Tauernhäusern als Quartiere aufsuchen.

Die Wirte wurden von den Landesfürsten finanziell unterstützt. Als Gegenleistung waren sie verpflichtet, billige Unterkünfte und größtmögliche Unterstützung den Reisenden zu gewähren. Ärmere wurden sogar manchmal kostenlos aufgenommen. Darüber hinaus mussten die Wirte auch die Tauernwege erhalten und Menschen, die in Bergnot gerieten, retten und im schlimmsten Fall Leichen bergen und zur nächstgelegenen Pfarre transportieren.

Am Obertauern lagen das Tauernhaus Wisenegg, das Tauernhaus Schaidberg sowie jeweils eines in Untertauern und eines in Tweng. Entlang des Felber Tauern gab es früher mehrere Tauernhäuser, von denen heute noch das Tauernhaus Spital auf Salzburger und das Matreier Tauernhaus auf Osttiroler Seite bestehen. Tauernhäuser auf dem Pass Thurn und dem Gerlospass waren für den Handel mit Nordtirol wichtig. Aber auch im südwestlichsten Zipfel gab es diese Häuser auf den wenigen Kilometern, die Salzburg mit Südtirol, dem Ahrntal, verbanden.

Geschichte

Die erste Erwähnung findet sich im 14. Jahrhundert. Da war von einer Schwaig in Verlatten in der erzbischöflichen Hofmeisterei die Rede. 100 Jahre später wies diese "Almwirtschaft" auf die spätere Bedeutung der Tauernhäuser hin. Dazu erhielt die Schwaig, das Tauernhaus, 371 Kilo Roggen und 687 Kilo Hafer als Verpflegung für Durchreisende. Übrigens, aus dem Wort Verpflegung wurde dann später das Wort Provision, was aus dem Italienischen (Lateinischen?) stammt und so viel wie Verpflegung bedeutet[1].

Da die Wirte der Tauernhäuser auch für die Wegeerhaltung in ihrem Bereich zuständig waren, kam es auch manchmal zu Klagen. Die Heiligenbluter Säumer beschwerten sich beispielsweise 1710 über den sehr schlechten Zustand des Saumpfades ins Seidlwinkltal. Zwar hatten die Heiligenbluter schon selbst einen "Tauernknecht" angestellt, der sich um die Ausbesserung des Tauernweges kümmerte, aber sie baten die Hofkammer um Unterstützung, die ja auch Steuern aus dem Säumen erhielt. Das Ergebnis: die Heiligenbluter erhielten die Kosten von 10 Gulden für ihren Tauernknecht als Entschädigung über den schon bisher ausbezahlten "Samergroschen".

Der Sommer 1947 war dann ein besonders trauriges Kapitel in der Geschichte der Tauernhäuser. Jüdische Überlebende der Konzentrationslager wurden von den Briten daran gehindert, durch Kärnten zu den italienischen Häfen zu gelangen, von wo aus sie ihre Reise nach Palästina (heute ≈Israel) antreten wollten. Sie mussten den beschwerlichen Weg über den Krimmler Tauern (Birnlücke) ins italienische Südtirol nehmen (siehe auch Krimmler Judenflucht.

Bekannte Tauernhäuser

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. und was wir unter "Provision" bei Geschäften verstehen, heißt im Italienischen commissione