Archäologische Grabungen in Pfongau

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Grabungen 2019, 01:28 min Video
Grabungen 2019, 02 min Video
Bei den letzten Grabungen 2019: im Bild von links: Raimund Kastler (Landesarchäologe), Adi Rieger Bürgermeister, Felix Lang (Universität Salzburg, FB Altertumswissenschaften), Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn, Petra Holzinger (Museum Fronfeste), Andreas Burger (Bauamtsleiter Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee) und Sepp Mayrhofer (Unternehmer);
Übersicht der Ausgrabungen in Pfongau von 1988 bis 2017
Grabungen Sommer 2011.
Drohnenluftbild des Hauptgebäudes, das im Sommer 2017 freigelegt wurde
Die Auswertungen von geophysikalischen Messungen im Herbst 2019 zeigten die Lage von Tarnantone.
Studierende der Universität Salzburg (A. Stollenberger, M Just) und Restaurator Maximilian Pertet bei der Freilegung des großen Backofens (2017)

Archäologische Grabungen in Pfongau in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee fanden zwischen 1988 und 2019 statt.

Die Grabungen

Geschichte

Reste des Mauerwerkes des römischen Gutshofs in Pfongau sollen nicht bis in 19. Jahrhundert sichtbar gewesen sein. Daran erinnert noch heute der Römerstein, der in der Außenwand der Filialkirche zum hl. Martin in Pfongau. Erste Grabungen auf dem Areal des römischen Gutshofes fanden bereits 1880 statt. Jedoch sind keine Aufzeichnungen erhalten, was man damals fand. Der Salzburger Landesarchäologe Martin Hell nahm 1947 Grabungen vor. Dann wurde es still in Bezug auf Grabungen.

Rettungsgrabungen ab 1987

Begonnen hatten dann die jüngeren Grabungen 1987, als bei der Erschließung des Gewerbegebietes Pfongau Teile eines römischen Gebäudes gefunden wurden. Es folgten Rettungsgrabungen, bei denen 1989 drei Steingebäude und ein Holzbau des römischen Gutshofs aus dem ersten bis dritten Jahrhundert nach Christus freigelegt wurden. Bei einer geophysikalischen Untersuchung wurden danach weitere Bauten und Teile der Umfassungsmauer geortet.

Lehrgrabungsprojekt 2008–2019

2008 wurde ein Lehrgrabungsprojekt der Universität Salzburg, in Kooperation mit der Landesarchäologie am Salzburg Museum, dem Museum in der Fronfeste und der Stadtgemeinde Neumarkt, ins Leben gerufen. In jährlich wiederkehrenden Grabungskampagnen wurden bis 2019 der Wirtschaftstrakt dieser „Villa rustica“, die sog. „pars rustica“, mit all seinen dazugehörigen Gebäuden und Flächen untersucht.

Der römische Gutshof von Neumarkt-Pfongau ist seit dem 19. Jahrhundert als Fundstelle bekannt. Er zählt zu den zahlreichen landwirtschaftlichen Siedlungsstellen, die in der römischen Epoche im Umfeld von Iuvavum, der Vorgängersiedlung der Stadt Salzburg, angelegt waren. Im Zuge der Erschließung des Gewerbegebietes wurden 1988 bis 1989 durch das Salzburg Museum bereits vier Gebäude, ein nur in geringen Resten erhaltenes Wohnhaus und drei Wirtschaftsbauten, der Anlage ausgegraben.

In den neueren Grabungen konnten neben vier weiteren Steingebäuden(Speicherbauten und Wohn- bzw. Wirtschaftsgebäude) aus dem 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus, auch drei antike Ziegelbrennöfen freigelegt werden. Bereits im ersten Jahr der Lehrgrabung (2008) wurde in der Ecke eines großes, dreischiffiges Gebäudes eine kleine, bronzene Venusstatuette gefunden, die als „Venus von Neumarkt-Pfongau“ Eingang in die Fachliteratur fand.

Die beiden großen Ziegelbrennöfen nördlich des Baus bilden mit einem weiteren Brennofen die Grundlage der Sonderausstellung 2015. Die Ausstellung spannte einen Bogen zwischen dem heutigen Gewerbegebiet in Neumarkt-Pfongau und dem „Gewerbebetrieb“ auf einem römischen Gutshof vor rund 1 800 Jahren.

2015

2015 liefen die Untersuchungen in einem Gebäude an der Nordwestecke des Wirtschaftshofes. Nach ersten Ergebnissen ist dieser Bau erst nachträglich im Hofareal errichtet worden. Das rechteckige Gebäude mit angebauter Vorhalle dürfte wirtschaftlichen Zwecken gedient haben. Schlackenfunde weisen auf Metallverarbeitung in diesem Areal hin. Im Umfeld wurden mehre Gruben mit Brandresten und vermutlich ein Kuppelofen (möglicherweise zu Backzwecken) entdeckt.

2017

Bei den Grabungsarbeiten im Sommer 2017 wurden der kleine wahrscheinlich bronzene Figur Thetis und Achill gefunden sowie ein römisches Schwert, Türangeln, eine verkohlte Türschwelle, der Schlüssel zur Türe (!), Türnägel, zwei Münzenteile, die zueinander gehören. Als möglichen Zeitraum der Entstehung der Funde gaben die Experten das 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus an, jedenfalls gibt es keinen vergleichbaren Achill-Fund im deutschsprachigen Raum.

2019

Am Freitag, den 19. Juli 2019 war die letzte Gelegenheit, sich beim "Tag der offenen Grabungen" ein Bild von den archäologischen Grabungen in Pfongau zu machen. Rund 15 000 Quadratmeter wurden bisher in den zwölf Jahren untersucht. Was folgt sind noch etwa zwei Jahre wissenschaftliche Aufarbeitung der vielen Funde und Daten sowie die Dokumentation. Zwölf Jahre lang hatten Studenten der Altertumswissenschaften an der Universität Salzburg dort jeden Sommer vier Wochen lang mit Schaufel, Kelle und Pinsel freigelegt, was die Erde verdeckt hat.

Im Sommer 2019 wurden Resten einer Einfriedung des Gutshofs freigelegt. Die Gräben dienten den Römern wahrscheinlich als Pflanzgräben, in rechteckig ausgehobenen Gruben dürften sie Hausbrand entsorgt haben. An Hand der roten Verfärbung des Lehms erkennt man, dass sie hier auch glühende Kohlen unter Lehm begraben haben, wahrscheinlich um Funkenflug zu verhindern. Durch die Hitze wurde der Lehm "verziegelt". Auch Reste alter Ziegel hatten die Forscher gefunden - zum Teil mit Schuhabdrücken oder Abdrücken von Tieren, etwa die Abdrücke von Hunden, aber die einer Katze, was für jene Zeit ungewöhnlich ist.

Archäologen werden immer mit Schätzen in Verbindung gebracht. Natürlich haben wir auch bedeutende Funde ausgegraben. Der größte Schatz, den wir hier herausgeholt haben, sind aber die die Erkenntnisse über 5 000 Jahre Landschaftsentwicklung. Das bringt die Wissenschaft weiter“, präzisiert der Salzburger Landesarchäologe Dr. Raimund Kastler die Prioritäten. Und sein Kollege Dr. Felix Lang von der Universität Salzburg ergänzt: „Unser Ziel ist es, so viel Information wie möglich über das Leben der Bauern in der Römerzeit zu gewinnen. Wie hat die Landwirtschaft funktioniert, welche Tiere wurden gehalten und welche Pflanzen angebaut?“ Soweit der wissenschaftliche Aspekt, der praktische Nutzen liegt darin, dass die Studentinnen und Studenten lernen, wie eine Grabung funktioniert.

Raststation aus der Römerzeit wiederentdeckt, das alte Tarnantone

Hinter Tarnantone verbirgt sich die erste Station östlich von Iuvavum (Salzburg) auf dem römischen Hauptverkehrsweg nach Ovilava (Wels). Dieser weiße Fleck auf der Landkarte des Imperium Romanum beschäftigte die Wissenschaft seit mehr als 100 Jahren. Nun endlich fanden Salzburger Archäologen mit Hilfe von modernsten geophysikalischen Messverfahren die Lösung, nämlich mitten auf der grünen Wiese südwestlich des Ortsteils Pfongau in Neumarkt am Wallersee. Auf die Spur brachte die Wissenschafter römische Funde auf dieser Wiese im Jahr 2002.

Die Lage der Straßenstation ist durch die Tabula Peutingeriana belegt, eine mittelalterliche Kopie einer antiken Karte des römischen Imperiums. „Klar war, dass diese sich auf Neumarkter Gemeindegebiet befinden muss. Der genaue Verlauf der Römerstraße war aber bisher in dieser Region nicht bekannt. Durch archäologische, geophysikalische Prospektionen konnte Tarnantone nun lokalisiert werden“, erklärt Landesarchäologe Raimund Kastler.

Für die Organisation und Regierung der Provinzen des römischen Reiches war die Straßeninfrastruktur ein wesentliches Mittel. In geregelten Abständen wurden Stationen für den Reiseverkehr angelegt. Die Distanzen dazwischen orientierten sich an der Tagesleistung eines Ochsengespanns (maximal 25 Kilometer), dem wichtigsten Transportelement der Antike. Diese erfüllten Funktionen ähnlich einer modernen Autobahnraststation, also Pferdewechsel, Reparaturen, Übernachtung, Hygiene und Verpflegung. Gelegentlich siedelten sich rundherum weitere Baulichkeiten und Gewerbe an, wodurch diese dann den Charakter einer Straßensiedlung erhielten.

Meilensteinfunde belegen, dass die heutige Wiener Straße (B 1) in weiten Teilen der bis in die Neuzeit genutzten Römerstraße entspricht. Zwischen Henndorf am Wallersee und Straßwalchen ist der Verlauf allerdings durch die Gründung Neumarkts im Jahr 1240 vollkommen verändert. 1992 wurde man erstmals auf die Fundstelle in Pfongau aufmerksam, interpretierte diese aber als Gutshof. Mit Förderung des Bundesdenkmalamtes wurden im Oktober 2019 abermals geophysikalische Messungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Baureste an einer rund zehn Meter breiten linearen Trasse, wohl der antiken Straße, angelegt sind. „Mit der Identifikation von Tarnantone und der Möglichkeit zur weiteren Verfolgung des Straßenverlaufs kann der Salzburger Anteil der Römerstraße zwischen Iuvavum und Ovilava nun endlich vollständig erforscht werden“, so Landesarchäologe Kastler.

Nicht weit von der Tarnantone entfernt, nämlich nur rund 1,2 Kilometer, befindet sich der römische Gutshof von Pfongau, der seit 2008 durch die Landesarchäologie am Salzburg Museum und die Universität Salzburg untersucht wird. Die Auswertung der Funde sowie Radiokarbonanalysen zeigen, dass die Villa rustica vom 1. bis in das 4. Jahrhundert genutzt wurde. Zudem wurden prähistorische Besiedlungsspuren sowohl aus der Bronze-, als auch der Eisenzeit festgestellt. Gehortete Metallobjekte, aber auch ein Schwert verweisen auf unruhige Zeiten im 3. Jahrhundert, die zum Niedergang des Anwesens beigetragen haben könnten. Einzelne Objekte wie ein bereits in den späten 1980er-Jahren gefundenes Parfümgefäß in Form eines menschlichen Kopfes, kleine Fragmente eines Silberbechers, aber auch Bronzestatuetten zeugen vom Wohlstand der einstigen Besitzer, die sicher zur Oberschicht der Region gehörten.

Fragen, die vielleicht zukünftige Grabungen beantworten können

Man hatte festgestellt, dass der römische Gutshof im 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus aufgegeben worden war. Bei Funden fand man Rauchspuren, die auf einen Brand deuten könnten. Zu jener Zeit fanden neben starken klimatischen Veränderungen (was man an Hand von Bodenproben aus der Tiefen nachweisen konnte) auch Machtkämpfe der römischen Soldatenkaiser statt, die zu Unruhen in den Provinzen führten. Der Fund eines Schwertes aus dem 3. Jahrhundert gibt den Wissenschaftlern Rätsel auf: Gab es kriegerische Auseinandersetzungen im nördlichen Flachgau oder diente es zur vorsorglichen Verteidigung?

Durch den Fund von Tarnantone und einer daneben schnurgerade verlaufenden römischen Straße möchten die Wissenschaftler auch noch den genauen Verlauf der Römerstraße zwischen dem Eggerberg, wo ein römischer Meilenstein gefunden worden war und Straßwalchen, wo ebenfalls der Verlauf der Römerstraße nachgewiesen ist.

Sonderausstellung

Pressetermine

Bilder von Funden (Auswahl)

weitere Bilder

 weitere Bilder der Grabungen in zeitlicher Reihenfolge, beginnend mit 2008 bis 2019, angeordnet – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblinks

Quellen