Handel (historisch)

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Salzburg befand sich seit jeher an einem zentralen und wichtigen Handelsweg, der die Mittelmeerländer mit Zentraleuropa verband.

Die Fernverbindungen

Von der Ostsee führte von Norden die "Bernsteinstraße" in den mitteleuropäischen Handelsraum. Im böhmischen Bereich war es die "Glasstraße", über die böhmisches Glas nach Passau, Deutschland, kam, von wo aus es auf weiteren Straßen oder auf der Donau bis in die Gebiete des Schwarzen Meeres gelangte. Aus dem Salzkammergut führte ab dem 18. Jahrhundert eine "Salzstraße" nach Linz, Oberösterreich.

Doch nach Süden waren die Verbindungen wesentlich beschwerlicher. Aus dem Tirolerischen gab es neben der Verbindung über Lofer auch jene über den Gerlospass und den Krimmler Tauern (nach Südtirol). Direkt in den Süden verbanden so genannte Säumerwege Salzburg mit Venetien in Obertialien (zu dem auch über Jahrhunderte das Friaul und Julisch Venetien gehörte): im Gebiet des Alpenhauptkammes waren es die Alpenübergänge, im Bereich der Niederen Tauern der Radstädter Tauernpass (die Untere Straße genannt) und in weiterer Folge der Katschbergpass.

Vor allem über die deutlich einfacheren Tauernpässe gab es regen Handelsverkehr mit Venetien, das bis ins 16. Jahrhundert auch eine deutliche Vormachtstellung im europäischen Handelsverkehr hatte.

Handel mit Venedig - Friaul

alte Zollstation für den Salzburger Venedigerhandel: Venzone im Friaul

Die kleine Grenzstadt, im Friaul gelegen, aber lange Zeit unter venezianischer Herrschaft, Venzone (deutsch Peuschelsdorf), erlangte bescheidenen Reichtum auch durch die Händler von Salzburg. In Venzone war Zoll zu leisten, bevor es weiter nach Venedig gehen konnte. Auch verdiente man gut am Niederlagerecht.

Nur wenige Kilometer südlich von Venzone, dort, wo sich die Täler in die Tiefebene vom Friaul ergießen, liegt die Stadt Gemona, (deutsch Glemaun). Am alten Dom, der leider bei den beiden Erdbeben 1976 (Mai und September) völlig zerstört wurde, befand sich ein Bildnis vom hl. Rupert mit seinem Salzfass (die heutige Abbildung am Dom ist eine Nachbildung). Wohl brachte man aus dem Salzburger Raum Salz bis nach Gemona und nahm am Rückweg allerlei Spezereien, Gewürze und Wein mit. Salzburger Händler hatten in Gemona Räume zur Lagerung angemietet.

Doch auch in Venedig selbst hatten Salzburger Handelsleute Räume angemietet. Im Fondaco dei Tedeschi (dem Handelshof der Deutschen) hatten Salzburger nach den Augsburgern und Nürnbergern die meisten angemieteten Räume, zum Beispiel Hans Matsperger. In Salzburg konnte man diese Handelsherren daran erkennen, dass sie über den Toren an ihren Häusern den Löwenkopf der Republik Venedig anbringen durften. Leider zerstörten Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg alle diese Zeugnisse bis auf eines, das noch heute oberhalb des Portals des Hotels Elefant in der Sigmund-Haffner-Gasse zu sehen ist.

Auch Wein wurde gerne nach Salzburg gehandelt. So ist uns aus dem Jahr 1385 ein Sendbrief des Christof Pruner als Aufgeber von Gemona an den Salzburger Georg Aiglen wegen eines Weintransportes bekannt.

Spilimbergo, Spengenberg, im Friaul, früher hatten die Salzburger Erzbischöfe in diesem Gebiet Besitzungen; hier im Bild der "Palazzo Dipinto", der "bemalte Palast" der Spengenberger

Und auch sonst gab es noch Beziehungen mit dem Friaul: auf der Handelsstraße zwischen Treviso (Venezien) und Pordenone (Friaul) lag das Gut Naunzel (Italienisch Noncello), das durch eine Schenkung von Kaiser Heinrich III. den Salzburger Erzbischöfen gehörte, mit der Pfarre St. Rupert. Und reiste man von Pordenone weiter in Richtung Gemona, kam man durch Spilimbergo, dem Spengenberg (bekannt für seinen herrlichen Dom und die Mosaikenschule): auch dort musste man Zoll bezahlen - nach der Größe der Frachtstücke, gemessen wurde mit der so genannten Spengenberger Elle.

Venedig, das Tor zur Welt

Venedig, Handelspartner der Salzburger Erzbischöfe und Handelsherren aus Salzburg; hier im Bild der Dogenpalast, Regierungs- und Wohnsitz des Dogen, des obersten Herren der "Serenissima Repubblica di San Marco"", "Erlauchteste Republik des Heiligen Markus"

Die Dogen von Venedig waren seit dem späten Mittelalter als Diplomaten weithin bekannt. Da die Serenissima anfangs kein Interesse an Festlandbesitz zeigte, waren ihren Besitzungen im östlichen Mittelmeer zu finden (Kreta, Zypern) und sie unterhielten Handelsbeziehungen mit dem Nahen Osten. So gelang es den Venezianern im Laufe der Zeit eine Vormachtstellung im Handel mit Waren aus dem Osten zu erhalten: Gewürze, Weihrauch, edle Hölzer konnten nur über Venedig ihren Weg nach Mitteleuropa finden. Erst nach der Entdeckung des Landweges (ironischer Weise von einem Venezianer selbst gefunden, nämlich Marco Polo) und der Umschiffung von Afrika verlor Venedig immer mehr an Bedeutung im Handel.

Von Schmugglern und dem Blunter Tauern Zoll

Seit dem Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert führte ein Saumpfad über das Kärntner Hochtor, dem dritt wichtigsten Handelsweg über die Hohen Tauern. Beiderseits wurde damals der so genannte Blunter Tauern Zoll von den Händlern kassiert. Aber neben "legalen" Geschäften ...gingen die Händler auf vielerlei Abwegen und verschwärzten viel Contrabande, sie gehen immer mit Betrug schwanger.... Damit diese Leute ... voller unergründlicher Tücken niemals mehr mit Hinterlist herumwandeln... hetzte ihnen die Obrigkeit Überreiter auf die Spur. Das war eine Art berittene Gendarmerie, die meist aus pensionierten Jägern bestand. Jedoch hatte diese Art der "Jagd" wenig Erfolg, zumal Salzburg das Bierbrauen forcierte, um ihre Bürger vom italienischen Wein abzugewöhnen, der über die Alpen transportiert und auch natürlich geschmuggelt wurde. Kärnten wiederum verbot den Import von Salz über die Tauern. Damit wollte Kärnten den Schmuggel von billigerem Salz aus Nordtirol und der Steiermark unterbinden.

Diese Handlungen zeigten ihre Wirkung. Anstelle von Händlern und Schmugglern zogen nun Kärntner Weber auf "Gastarbeit" nach Bayern und Frauen aus dem Mölltalzur Erntehilfe in den Pinzgau. Doch auch die Salzburger Schmuggler fanden wieder ein einträgliches Geschäft. Sie schmuggelten Schnaps über den aber gefährlicheren Umweg über den Kalser Tauern.

Alte Salzstraße durch Europa

"Alte Salzstraße durch Europa"

Derzeit werden unter dem Namen alte Salzstraße mehrere Fernhandelswege touristisch neu erschlossen. Eine dieser alten Salzstraßen führt von den Nordmeeren (Nord- und Ostsee) über das Erzgebirge (alter böhmischer Steig) nach Prag, Tschechoslowakei, und weiter über den Böhmerwald (Goldener Steig) nach Passau und Salzburg bis zum Mittelmeer nach Venedig. Dieser Weg verband vor 1000 Jahren die wichtigsten Salzvorkommen (Salinen, Salzbergwerke, Salzgärten) und Marktstädte des Mittelalters.

Das waren:

  • Hansestadt Lübeck (kontrollierte den Salzhandel im Ostseeraum)
  • Lüneburg (wichtigste Saline Nordeuropas)
  • Magdeburg
  • Halle (älteste Saline Mitteleuropas)
  • Leipzig
  • Prag
  • Passau
  • Salzburg und die "Salzwelten"
  • Venedig und die Salzgärten an der Adria

Quellen