Karl-Heinz Ritschel

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Karl-Heinz Ritschel
Karl-Heinz Ritschel

Karl-Heinz Ritschel (* 20. Jänner 1930 Oberaltstadt, heute Ortsteil von Trutnov, Tschechische Republik; † 5. Jänner 2019 in Koppl, Flachgau) war Journalist, Publizist und langjähriger Chefredakteur der Salzburger Nachrichten.

Leben

Karl-Heinz Ritschel wird als Sohn eines Apothekers in Oberaltstadt im Riesengebirge geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg muss die Familie ohne den verstorbenen Vater 1946 aus ihrer Böhmischen Heimat nach Wien flüchten. Ritschel versuchte bereits zu seiner Mittelschulzeit als Freier Mitarbeiter diverser Zeitungen und Zeitschriften die finanzielle Situation seiner Familie zu verbessern. 1954 wurde er Freier Redakteur des "Bild-Telegraf" in Wien und lernte bei diesem Boulevardblatt auch Gustav Canaval und Gerd Bacher kennen, denen er später bei den Salzburger Nachrichten wieder begegnen sollte.

1955 wechselte Ritschel zur "Kleinen Zeitung" nach Graz. Während dieser Zeit heiratete er seine Frau Gina, die ihm zwei Kinder schenkte. Bereits ein Jahr später kehrte er als Innenpolitik-Redakteur wieder zum "Bild-Telegraf" zurück und wurde hier zum letzten Chefredakteur des Blattes vor dessen Einstellung 1958.

Die Zeit danach nutzte Ritschel, um sein Studium der Zeitungswissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien zu beenden. Er promovierte am 6. Februar 1959, seine Dissertation zum Thema Die Beieinflussung der öffentlichen Meinung Österreichs zur Durchführung der Verstaatlichungsgesetzgebung wurde später mit einem Preis der Wirtschaftskammer ausgezeichnet.

Am 1. Dezember 1959 begann Ritschel als Wirtschaftsredakteur seine Laufbahn bei den Salzburger Nachrichten. 1960 wurde er Chef vom Dienst. Bereits nach fünf Jahren avancierte er zum stellvertretenden Chefredakteur, ab 1. Juli 1964 zum geschäftsführenden Chefredakteur in der Nachfolge von René Marcic. Mit 1. Jänner 1965 wurde er offiziell Chefredakteur und prägte in der Folge über drei Jahrzehnte die journalistische Ausrichtung der Zeitung.

Abgesehen von seiner persönlichen Leistung als Verfasser von Leitartikeln und als kulturpolitischer Journalist schaffte Ritschel als Chefredakteur vor allem ein von der Unabhängigkeit der Ressorts geprägtes Klima der Eigenverantwortung im Haus. Seine Ära ist vom unverrückbaren Festhalten am Prinzip der Qualitätszeitung gekennzeichnet, einer Einstellung, die in letzter Konsequenz auch 1989 zur Einführung der Österreich-Ausgabe der Salzburger Nachrichten führte.

Als letztes großes Ereignis seiner Laufbahn kann der Umzug der Salzburger Nachrichten aus der Bergstraße in der Altstadt Salzburgs in das neue Verlagsgebäude in Maxglan im August 1994 gesehen werden. Karl-Heinz Ritschel übergab das Amt des Chefredakteurs nach mehr als 30 Jahren in dieser Position am 1. Februar 1995 an Dr. Engelbert Washietl und trat wenige Tage nach seinem 65. Geburtstag in den offiziellen Ruhestand.

Karl-Heinz Ritschel war von 1990 bis 2003 Präsident des Salzburger Museumsvereines, dessen Ehrenpräsident er 2003 wurde.

Am 9. Dezember 2010 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Anerkennungspreis des Kulturfonds der Stadt Salzburg ausgezeichnet. Die Begründung des Kuratoriums: Der Preis werde Ritschel für sein großes persönliches Engagement für die kulturelle Entwicklung in Salzburg sowie seine prägende journalistische Arbeit und schriftstellerische Tätigkeit verliehen. Ritschel unterstützte unter anderem die Renovierung der Franziskanerkirche und war ein Motor für die Einrichtung des Salzburg Museums in der Neuen Residenz.

Schriftsteller

Karl-Heinz Ritschel schuf sich auch einen Namen als Schriftsteller und Autor von gut 50 Büchern. Große Themen seiner Veröffentlichungen sind in den ersten Jahren das Südtirol-Problem, später breit gefächerte historische Werke und Bücher über seine Wahlheimat Salzburg. So sind unter anderem erschienen:

  • Südtirol - Warten auf Europa, Bergisel-Bund Innsbruck (1960)
  • Südtirol - ein europäisches Unrecht, Styria Verlag Graz (1959)
  • Diplomatie um Südtirol. Politische Hintergründe eines europäischen Versagens., Seewald Verlag Stuttgart (1966)
  • Venedig - Königin der Adria, Paul Zsolnay Verlag Wien (1969)
  • Salzburg - Anmut und Macht, Paul Zsolnay Verlag Wien (1970)/Otto Müller Verlag Salzburg (2005)
  • Julius Raab. Der Staatsvertragskanzler Edition Reinarzt Salzburg (1975)
  • Österreich ist frei. Der Weg zum Staatsvertrag Tusch Verlag Wien (1980)
  • Von Salzburg und Salzburgern Winter Verlag Salzburg (1984)
  • Unbekanntes Italien: Le Marche. Die Marken. Zsolnay-Verlag Wien (1985)
  • In die Zeit geschrieben - Gedanken abseits vom Tage, Otto Müller Verlag Salzburg (1999)
  • Salzburger Miniaturen 1-4, Otto Müller Verlag Salzburg (1998-2007)
  • Legende Venedig, Porträt einer Stadt, Otto Müller Verlag Salzburg (2003)
  • Miniaturen zur Weltgeschichte, Otto Müller Verlag Salzburg (2007)

Auszeichnungen

Weblink

Quellen

Zeitfolge