Karl Doménigg

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Karl Doménigg (* 2. Juni 1867 in Laibach, heute Slowenien; † 2. Juni 1950 in Salzburg-Aigen) war Alpinist, kaiserlicher Rat sowie Verkehrs- und Kurdirektor von Bozen und Salzburg.

Leben

Sein Geburtstag war auch sein Sterbetag. Sein Leben lang waren der Fremdenverkehr Österreichs und die Berge seine Leidenschaften. Doménigg war ursprünglich Journalist und arbeitete ab 1894 bei der Grazer Tagespost. Um 1900 übersiedelte er nach Bozen, wo er bei einer Bozner Zeitung eine Anstellung fand. Zugleich engagierte er sich in beiden Orten bei der Förderung des Fremdenverkehrs. Von 1905 bis 1911 war er als Sekretär des Landesfremdenverkehrsverbandes in Wien tätig, kehrte aber dann wieder nach Südtirol zurück. 1929 ging er nach Salzburg. Als Achtzigjähriger bestand seine letzte Aufgabe in der Geschäftsführung des Liquidationsausschusses des Alpenvereins für das Land Salzburg nach dem Anschluss an Deutschland.

Doménigg zählte nicht zu den ganz großen Bergsteigern. Er liebte die Berge, fand aber auch unter den besten Bergsteigern seiner Zeit Gefährten. So nahm er an 53 Erstbesteigungen und 99 Erstbegehungen teil, die unter der Anzahl von Neufahrten sehr beachtlich sind. Viktor Wolf von Glanvell, Günther von Saar, Felix König, Aemilius Hacker, Hans Reinl und andere waren seine Begleiter, mit denen er vor allem in den Dolomiten neue Wege ging. So bestieg er unter anderen den Kleinsten Zwölfer (Glanvellturm) 1896, die Ditta di Dio (1897), die Pisciadù-Nordwand (1902), die Santnerspitze-Nordwand (1904) und die Nordwand der Cima di Val di Roda 1904; aber auch in heimischen Alpen war er Erstbegeher, beispielsweise am Grimming-Südostgrat (1905), an der Hochstadel-Nordwand (1905), am Grat Laserzwand – große Sandspitze (1907), am Watzmann – Hocheck-Ostwand (1908), an der Nordwand der Tofana di Rozes (1909) und am Kleinen Fermadaturm von Norden (1910).

Doméniggs größter Wanddurchstieg war die gewaltige Nordwand des Triglav (Slowenien). Doch höchst unfreundliche Berichte seiner Gefährten werfen ein zweifelhaftes Licht auf seine Verdienste um diese Erstbegehung. Trotz seiner schlechten körperlichen Verfassung hatte er seine Teilnahme an diesen Fahrt ertrotzt. Aber außer Zweifel stand, dass er ein tüchtiger Felsgänger war.

Zu Weihnachten 1900 gelang ihm zusammen mit Saar, Sehrig und von Graff die erste Skibesteigung des Großvenedigers , die zu den Pioniertaten des ostalpinen Skilaufs zählte. Die gefrorene Wandspitze in den Zillertaler Alpen war 1904 die nächste Skibesteigung.

Doménigg war von 1905 bis 1910 Vorstand des Österreichischen Gebirgsvereins. An seinem Lebensabend, 1949, veröffentlichte er „für die bergfreudige Jugend“ ein liebenswürdiges Buch: „Ein Bergsteigerleben“.

Alpinistische Leistungen

Besteigung von 5 000 Gipfeln, 53 Erstbesteigungen und 152 Erstbegehungen sowie erste Besteigung zahlreicher Gipfel in der Fanesgruppe

Erstbesteigungen, Erstbegehungen u.a.

  • 1893 Erstbegehung Hochschwab-Südwand „Doménigg-Führe“, III, 380 Höhenmeter, 2 277 m ü. A., Hochschwabgruppe
  • 1896 Erstbesteigung Kleinster Zwölfer (Glanvellturm) von der kleinsten Zwölferscharte, III (Sextener Dolomiten)
  • 1897:
    • Erst Winterbegehung Fermedaturm (Geisler-Gruppe, Dolomiten)
    • Erstbesteigung Mutterberger Seespitze (Stubaier Alpen)
    • Erstbesteigung Westlicher Daunkogel (Stubaier Alpen)
    • Erstbesteigung Bockkogel (Stubaier Alpen)
    • Erstbesteigung Grasstaller Grieskogel (Stubaier Alpen)
    • Erstbegehung Wilder Leck-Ostgrat, III, 3 361 m ü. A. (Stubaier Alpen)
  • 1899
    • Zweitbesteigung Fanis-Turm (Torre Fanis) durch den rechten Kamin, 2 922 m ü. A. (Fanisgruppe, Dolomiten)
    • Erstbesteigung Monte Casale, 2 894 m ü. A. (Fanisgruppe, Dolomiten)
    • Erstbesteigung Kleiner Lagazuoi, 2 778 m ü. A. (Dolomiten)
    • Erstbesteigung Cime di Furcia Rossa I, II und III, 2 791 m ü. A. (Fanisgruppe, Dolomiten)
    • Erstbegehung Tofana di Rozes-Nordwestflanke, II-III, 1 000 KM, 3 225 m ü. A. (Ampezzaner Dolomiten)
    • Erstbesteigung Nördliche und Südliche Campestrin-Spitzen, 2 828 m ü. A. und 2 906 m ü. A. (Ampezzaner Dolomiten)
  • 1900
    • Erste Skibesteigung Großvenediger, 3 674 m ü. A. (Hohe Tauern)
    • Erste Führerlose Begehung Col-Rosa-Südostwand „Dimai-Corry-Führe“, 2 166 m ü. A. (Ampezzaner Dolomiten)
    • Erstbegehung Lagazuoi di Mezzo, 2 750 m ü. A. (Fanesgruppe, Dolomiten)
    • Erstbesteigung Monte Casole, 2 894 m ü. A. (Fanesgruppe, Dolomiten)
    • Erstbesteigung Odla-Turm (Geisler-Gruppe, Dolomiten)
  • 1901
    • Erstbegehung Dreischusterspitze-Südostflanke, II, 3 152 m ü. A. (Sextener Dolomiten)
    • Erstbegehung Kleine Fermeda-Nordwand,III, 2 800 m ü. A. (Geisler-Gruppe, Dolomiten)
  • 1902 Erstbesteigung Antermoja-Kogel-Nordwestwand, III, 500 KM, 2 902 m ü. A. (Rosengarten)
  • 1903 Erste Skibesteigung Gefrorene-Wand-Spitze, 3 288 m ü. A. (Tuxer Kamm, Zillertaler Alpen)
  • 1904
    • Erstbesteigung Toblacher Neunerkofel von Südosten, II, 2 581 m ü. A. (Sextener Dolomiten)
    • Erstbegehung Santnerspitze-Nordwanddurchqerung, III-IV, 500 KM, 2 414 m ü. A. (Schlern, Dolomiten)
    • Erstbegehung Santnerspitze „Glanvell-Führe“, IV+, 550 HM, 2 414 m ü. A. (Schlern, Dolomiten)
    • Erstbegehung Tofana di Rozes-Nordwand, 3 225 m ü. A. (Ampezzaner Dolomiten)
  • 1905 Erstbegehung Hochstadel-Nordwand, III, 1300 HM, 2 681 m ü. A. (Lienzer Dolomiten, Gailtaler Alpen)
  • 1906 Erstbegehung Triglav-Nordwand „Deutscher Weg“, IV-, 1 500 HM, 2 863 m ü. A. (Julische Alpen)
  • 1908
    • Erstbegehung Torre Grande-Westwand, 2 361 m ü. A. (Cinque Torre, Nuvolau Gruppe, Dolomiten)
    • Erstbesteigung Cima del Lago über Südostflanke, II, 2 654 m ü. A. (Fanesgruppe, Dolomiten)
  • 1909
    • Erstbegehung Watzmann-Hocheck-Ostwand „Reinl-Doménigg-Führe“, IV, 2 651 m ü. A. (Berchtesgadener Alpe)
    • Erstbegehung Karlmauer-Nordwand „Doménigg-Anstieg“, III, 200 HM, 1 938 m ü. A. (Hochschwabgruppe)
  • 1910 Erstbegehung viertes Watzmannkind (Watzmannjungfrau)-Westwand, 2 270 m ü. A. (Berchtesgadener Alpen)
  • Besteigung Montblanc (Montblancgebiet)
  • Erstbegehung G’hackte (Lienzer Dolomiten)

Erste Gipfel-Besteigungen

  • Westlicher Daunkogel, 1887
  • Odlaturm (Torre dell'Odla), 2. September 1900
  • Kleinster Zwölfer (Piccolissima Croda dei Toni), 6. September 1896

Erste Route-Begehungen

  • Radleck, Südsüdostgrat - "Radlermauer", 13. August 1907
  • Provilspitze, Gratübergang zur Kammwand, 15. August 1907
  • Kammwand, Gratübergang zur Schoberspitze, 15. August 1907
  • Riedbock, Gratübergang zu Provilspitze, 15. August 1907
  • Fermeda Kleine (Piccola Fermeda), Nordwand, 21. August 1901
  • Pisciadùspitze - Cima del Pissadù, Nordwand - "Domenigg und von Saar", 10. August 1902
  • Antermoiakogel (Croda dei Cirmei), Südwestwand, 1896
  • Antermoiakogel (Croda dei Cirmei), Nordwestwand, 1. August 1902
  • Toblacher Neunerkofel - Cima Nove (di Dobbiaca), Südwestflanke, 7. Juli 1904
  • Großer Rautkofel (Monte Rudo Grande), von Osten, 20. Juli 1901
  • Dreischusterspitze (Punta dei Tre Scarperi), von Südosten (von der Schusterscharte), 1901
  • Einser (Cima Una), Südostwand, 1896
  • Kleinster Zwölfer (Piccolissima Croda dei Toni), von Westen, 6. September 1896
  • Arzalpenkopf (Croda sora o Colesei), Nordostschlucht, 1901
  • Hocheck (Berchtesgadener Alpen), Ostwand, 1909
  • Watzmann-Jungfrau, Westwand, 1910

Quellen

  • Der Bergkamerad; 24. Juni 1950, Heft 38, Seite 603,
  • Jahresbericht der Hochtouristischen Gruppe „Bergland“ der Sektion Wien des ÖAV (1970 - 1973), Seite 6-7
gefunden in www.alpinwiki.at, abgefragt am 10. Februar 2017